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Seine Leidenschaft für Ballett hält ihn jung

Ballettlehrer Wlado Bulant hat auch die Skulpturen in seinem Garten

Foto: Kerstin Buchwieser

Ballettlehrer Wlado Bulant hat auch die Skulpturen in seinem Garten Foto: Kerstin Buchwieser

Hattingen.   Wlado Bulant unterrichtet mit 80 Jahren noch Ballett. Er tanzte in Prag, vor Soldaten und führte in Hattingen seine eigene Tanzschule.

Sein Alter sieht man ihm nicht an. Sonnengebräunt, mit geradem Rücken und strahlendem Lächeln steht Ballettlehrer Wlado Bulant im Garten. Neben Pflanzen sind es Skulpturen aus gebranntem Ton, die dem Garten eine unverwechselbare Note geben. Bulant hat die Figuren alle selbst gestaltet. Die Seiltänzerin, die über eine Skyline zu balancieren versucht, greift die Profession des Tschechen auf.

Schon mit vier Jahren bekam er Ballettunterricht. Ab seinem 15. Lebensjahr ließ er sich zum professionellen Tänzer ausbilden. „Am Konservatorium war ich finanziell unabhängig von meinen Eltern. Ich haben Geld verdient, indem ich am Morgen für die Proben und am Abend für die Vorstellung aufbaute. Nach der Vorstellung baute ich alles wieder ab“, erinnert sich Bulant. „Es war eine schöne Zeit, obwohl ich kaum Pausen machen konnte und wir kaum etwas hatten.“

Später studierte er weiter Tanz an einer Akademie. Dort wurde er Zeuge eines Arbeitsunfalls. „Eine Tänzerin war spät dran und hatte keine Zeit mehr sich aufzuwärmen. Während der Vorstellung riss ihre Achillessehne und da wusste ich, wie schnell eine Tanzkarriere vorbei sein kann.“ Deshalb nahm er zusätzlich Gesangsunterricht und bekam ein Engagement in einem Musical-Theater in Prag.

Traum von der eigenen Ballettschule

„Prag hatte damals 26 Theater, was viel zu viel war für eine Million Einwohner. Die kommunistische Regierung veranlasste deshalb die Schließung einiger Theater und unseres war auch darunter.“ Das war 1964, vier Jahre vor dem Ende des Prager Frühlings. Dessen blutigen Ausgang erlebte Bulant jedoch nicht mehr mit. Wenige Wochen zuvor, am 4. Juli 1968, reiste er mit seiner Ehefrau Helga in die Bundesrepublik aus.

In Deutschland trat das junge Tänzerehepaar vor amerikanischen Soldaten auf, die aus Vietnam zurückkamen. Den Traum eine Ballettschule zu eröffnen, erfüllten sie sich 1972. Ein Drittel ihrer Gagen hatten sie regelmäßig beiseite gelegt. Den passenden Standort fanden sie durch Zufall in Hattingen. „Wir hatten einen Auftritt hier und ich habe mich sofort in diese Stadt verliebt, obwohl ich eigentlich ein Großstadtmensch bin.“ Zehn Jahre lang hatten sie eine Schule am Rathausplatz, weitere 20 Jahre eine Schule an der Heggerstraße, Ecke Augustastraße. Zusätzlich arbeitete Bulant als Ballett-Trainer für Eiskunstläufer, Synchronschwimmer und Turnerinnen der rhythmischen Sportgymnastik unter anderem am Olympiastützpunkt Wattenscheid.

Geheimnis für ein glückliches Leben

Sein Geheimnis für ein glückliches Leben, versucht der 80-Jährige täglich umzusetzen. „Bewege dich an Plätzen, die dir gefallen“, ist sein erstes Credo. Seine Wohnung mit Blick über die Ruhr und der Garten mit seinen Kunstarbeiten gehören dazu. Aber auch seine Ballettstunden jeden Mittwoch in Jasmin’s Tanzstudio. „Wenn ich tanze, vergesse ich alles. Und der Unterricht ist toll. Viele meiner Schülerinnen haben bei meiner Frau gelernt, auch Jasmin.“

Ballett hilft Bulant, das zweite und dritte Geheimnis umzusetzen. „Schaffe dir einen Körper, in dem du dich wohlfühlst und beschäftige dich mit Dingen, die dich ausfüllen.“ Am schwierigsten sei der vierte Vorsatz zu erfüllen: „Triff dich mit Menschen, mit denen du dir etwas zu sagen hast.“ Man brauche einen Gegenpart mit dem man diskutieren und philosophieren kann.

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