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Plagiarismus kommt an der Uni Duisburg-Essen häufig vor

Essen.   Referate, Seminarbeiten – Studenten finden alles im Internet. Die Essener Uni klagt, dass es immer weniger Unrechtsbewusstsein gebe. Google ersetze immer häufiger das systematische Recherchieren.

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Umfrage zu Guttenberg

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WAZFotoPool

Den Studenten kommt beim Umgang mit Texten aus dem Internet zunehmend das Unrechtsbewusstsein abhanden. Das stellt Franz Bosbach fest, Prorektor der Uni Duisburg-Essen, und zuständig für Lehre und Studium. Mit gefälschten Doktorarbeiten hat sich die Hochschule zwar offenbar noch nicht herumschlagen müssen, aber: Im Uni-Alltag - bei Referaten, Seminar- und sogar Abschlussarbeiten – ersetzt Googeln immer häufiger das systematische Recherchieren und bloßes Einfügen von Textpassagen das Lesen und Verstehen.

„Die Generation, die heute mit dem Internet groß geworden ist, findet nichts dabei, gefundene Texte als eigenes Wissen auszugeben“, sagt Bosbach. „Wir müssen die Studenten heutzutage häufig erst für diese Plagiats-Problematik sensibilisieren.“ Viele Studenten betrachteten Fundstücke aus dem Internet als Allgemeingut.

Maximales Bußgeld von 50 000 Euro droht

Erst im Herbst vergangenen Jahres klärte Bosbach in einem internen Rundschreiben alle Dekanate der Uni Duisburg-Essen im Umgang mit „Plagiaten im Prüfungsverfahren“ auf: Vorausgegangen war der Fall einer schriftlichen Arbeit, die offenbar zu großen Teilen zusammengeklaut worden war. Bosbach wies darauf hin, dass „die Verwendung von Plagiaten wissenschaftliches Fehlverhalten darstellt“ und juristisch als Ordnungswidrigkeit eingestuft werden kann – es droht ein maximales Bußgeld von 50 000 Euro.

Das sei aber, sagt Uni-Sprecherin Ulrike Bohnsack, noch nie in dieser Höhe gezahlt worden. Gleichwohl habe es in der Vergangenheit schwerwiegende Fälle von gefälschten Arbeiten gegeben, die im Justiziariat der Hochschule behandelt worden sind. In jedem Fall droht auch die Note fünf und eine Zwangs-Exmatrikulation. „Plagiatismus ist zwar kein flächendeckendes Problem, aber es kommt schon regelmäßig vor“, sagt Ulrike Bohnsack. Genaue Fallzahlen will die Hochschule nicht nennen. Eine zentrale Software zum Durchleuchten von Dokumenten gebe es an der Uni jedenfalls nicht: „Das Beste ist immer noch, verdächtige Passagen selbst zu googeln“, sagt Prorektor Bosbach.

Die FOM setzt eine Plagiats-Software ein

Anders verfährt die FOM, die Hochschule für Ökonomie und Marketing: „Wir setzen Plagiats-Software ein. Sämtliche Abschlussarbeiten liegen auch digital vor, was die Kontrolle erleichtert“, erklärt FOM-Sprecher Carsten Döpp. Viel schwieriger ist der Umgang mit vermeintlichem Ideen-Klau in den musischen Fächern: An der Folkwang-Hochschule der Künstler kennt man zwar keine Plagiatsvorgänge, aber: „Sie sitzen durchaus mal vor der Bühne und denken, das habe ich doch schon mal gesehen“, sagt Roman Arndt, Dozent für Tanzgeschichte und -theorie. Das gilt nicht nur für Darbietungen, das gelte auch fürs Bühnenbild. Dabei sei es besonders wichtig, dass historisierende Zitate – getanzt, gespielt oder gestaltet – deutlich genug als solche zu erkennen sind.

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