Wandern und Religion

Pilgern ist nicht nur etwas für Erwachsene

In der Kirche von Taizé ist jeden Abend ein besonderer Gottesdienst. Es wird fast eine Stunde lang gesungen.

In der Kirche von Taizé ist jeden Abend ein besonderer Gottesdienst. Es wird fast eine Stunde lang gesungen.

Foto: Privat

Taizé.   25 Schüler aus Gelsenkirchen haben eine Pilgerfahrt nach Frankreich unternommen. Auch Kinderreporter Louis (15) war dabei.

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25 Kinder der 9. Klasse und sechs Erwachsene von der evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck haben während der Projektwoche eine Pilgerfahrt nach Frankreich unternommen. Auch Kinderreporter Louis (15) war dabei. Pilgern ist also keine Sache nur für Erwachsene. Auch Kinder und Jugendliche können pilgern. Hier ist Louis’ Bericht:

„Mit dem Reisebus ging es frühmorgens auf nach Frankreich, und gegen Abend um etwa 20 Uhr hatten wir unsere Unterkunft in Mazille erreicht. Das alte Haus im Barockstil erinnerte ein wenig an „Harry Potter“. Drei Begleitpersonen der Schule waren für die Wanderung und drei Elternteile für die Zubereitung des Essens (Frühstück, Lunch-Pakete und warmes Abendessen) vorgesehen. Meistens wurde bereits abends vorgekocht, so dass alle Begleitpersonen mitwandern konnten.

Mit dem Bus zum Startpunkt

Normalerweise pilgert man mit seinem Gepäck von einem Ort zum nächsten, aber dieses Mal hatten wir ein festes Quartier und wurden jeden Tag mit dem Bus zum Startpunkt gebracht und später am Ziel der Tagesetappe wieder eingesammelt. Somit mussten wir auch keine schweren Rucksäcke samt Schlafsack mit uns tragen.

Unser Tag begann um 7 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück. So gegen 9.30 Uhr waren wir dann am Startpunkt und sind im Durchschnitt täglich 20 Kilometer gelaufen. Einmal waren es sogar 26 Kilometer. Es war sehr heiß und anstrengend beim Wandern, aber dafür war der Anblick der Natur einfach traumhaft. Wir haben viele Weinfelder, Kirchen und wunderschöne Gebäude gesehen – keine Autos, kein Lärm und kein Stress.

Mal Stille, mal Gelächter

Beim Pilgern gibt es unterschiedliche Phasen. Mal herrscht absolute Stille, mal spricht jemand und dann gibt es Momente des Austauschs, wo viel gesprochen und gelacht wird. Eine Muschel in unterschiedlicher Ausführung zeigt einem den Weg an einer Biegung oder Kreuzung. Nach vier bis sechs Stunden hatten wir dann unser Ziel erreicht.
Nachmittags fuhren wir dann zum Haus zurück, haben geduscht und die restliche freie Zeit genossen. Abends haben wir dann täglich den Gottesdienst in Taizé besucht.

Es handelt sich hierbei um keinen üblichen Gottesdienst. Hier sitzen alle auf dem Boden und es wird fast die ganze Stunde nur gesungen. Im Mittelpunkt steht ein kurzer Text aus dem Evangelium. Das ist auf jeden Fall ein Erlebnis wert.

Eindrücke in der Natur

An einem Pilgertag sind wir vom Starkregen und einem Gewitter überrascht worden. Ganz unverhofft hat uns ein Franzose namens Jacques seine Hilfe angeboten und uns alle zusammen klatschnass in sein Haus gelassen. Dort waren wir sicher und geschützt. Innerhalb weniger Minuten war das gesamte Erdgeschoss komplett nass, da alle Sachen völlig durchnässt waren. Natürlich haben wir beim Verlassen des Hauses noch alles trockengewischt und uns herzlichst bedankt.

Am Abend kam die Frage auf: „Würden wir in solch einer Situation genau das Gleiche tun?“ Wir haben über Nächstenliebe gesprochen. Das ist die innere Einstellung, Mitmenschen zu helfen.

Abschließend möchte ich jedem empfehlen, mal an einer Pilgerfahrt teilzunehmen. Die Erlebnisse und Eindrücke in der Natur sind einmalig. In dieser handyfreien Zeit werden kleine Dinge wieder groß und wichtig.“
Kinderreporter Louis Timmermann (15), Gelsenkirchen

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