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Hörgerätefachmann sorgt sich über akustische Verschmutzung

Hörgeräteakustiker-Meister Wolfgang Scheerer aus Kleve

Hörgeräteakustiker-Meister Wolfgang Scheerer aus Kleve

Foto: Andreas Daams

Kleve.   Der Hörgeräteakustiker Wolfgang Scheerer hat sich in Kleve schon als Jugendlicher wohlgefühlt. 2000 eröffnete er sein erstes Geschäft.

Hätte es die berüchtigte „Lehrerschwemme“ in den 80er Jahren nicht gegeben, wäre Wolfgang Scheerer heute Lehrer für Biologie, katholische Theologie oder Sport. „Aber keiner von denen, mit denen ich studierte, wurde übernommen“, berichtet Scheerer. Dabei hatte er an der Universität Köln noch eine sehr gute Zwischenprüfung absolviert. Zeit also für Plan B. Den hatte seine spätere Frau für ihn parat: „Werde bloß kein Manager.“ Ob nicht Hörgeräteakustiker etwas sei?

Filialleiter in Duisburg

Wolfgang Scheerer betreibt heute zwei Hörakustik-Geschäfte in Kleve und je eines in Kalkar, Weeze und Goch. Zwei seiner drei Kinder sind mit im Betrieb. Der gebürtige Duisburger hat Kleve schon früh für sich entdeckt. Neun Jahre war er Schüler auf der Gaesdonck, danach absolvierte er seinen Zivildienst in Kleve, unter anderem am Theodor-Brauer-Haus. „Kleve hat mir so gut gefallen, dass ich gerne hierhin zurück wollte.“

Erstmal ging es aber von Köln aus wieder nach Duisburg. Ausbildung, Gesellenjahre, Meisterprüfung, dann vier Jahre Filialleiter. „Der Betrieb in Duisburg hat damals alles gemacht, auch die Ohrstücke der Hörgeräte“, erinnert sich Scheerer. Heute sind die Herstellungsverfahren völlig anders. Es gibt hunderte verschiedene Hörgeräte und der Beratungsbedarf ist enorm gestiegen.

Kleve nicht aus dem Auge verloren

Irgendwie hatte Wolfgang Scheerer Kleve aber noch nicht aus dem Auge verloren. Dort sah er eine Marktlücke und eröffnete im Sommer 2000 sein erstes Geschäft. Im Nachhinein eine gute Entscheidung: „Die Kinder waren zufrieden und wir auch.“ Zufriedenheit ist ohnehin ein Grundgefühl von Wolfgang Scheerer, gerade was seinen Beruf angeht: „Es ist sehr erfüllend, und ich gehe jeden Tag zufrieden nach Hause.“

Geändert hat sich im Laufe der Jahre die Akzeptanz von Hörgeräten, hat Scheerer festgestellt. Früher begannen die Menschen zehn, fünfzehn Jahre zu spät mit dem Tragen von Hörgeräten. Heute sieht es besser aus – allerdings haben die modernen Geräte auch keine großen Nachteile mehr im Vergleich zu früheren. Was Scheerer auffällt, ist die ständige akustische Verschmutzung unserer Welt: „Es gibt ja fast keine Ruhe mehr.“ Für die Psyche könne das nicht gesund sein.

Sommerferien mit den Pfadfindern

Sein langjähriges Hobby, die Pfadfinderei, hat Scheerer im letzten Jahr mit seinem anderen großen Hobby, dem Kochen, verschmolzen. Da hat er während der Sommerferien im Pfadfinderlager gekocht, vollwertig, vegetarisch, schmackhaft, preiswert und immer pünktlich. „Dazu habe ich jeden Tag noch Brote gebacken.“ So etwas würde er immer wieder gerne machen. Ansonsten fährt er gerne Fahrrad, liest viel und kümmert sich um eine Initiative in Niebüll, die Kinder in Pinsk unweit von Tschernobyl unterstützt.

„Inzwischen waren auch einige meiner Mitarbeiter dort, auch mein Sohn. Wenn sie zurückkommen, sind sie doch sehr viel zufriedener mit dem, was wir hier haben“, hat er gemerkt. Da ist es wieder: Zufrieden sein. Nicht die schlechteste Maxime.

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