Ausstellung

Heimatverein sucht Kino-Erinnerungen aus Hattingen

Die Sessel stammen aus dem Central-Kino, Filmplakate aus dem Stadtarchiv. Für die Ausstellung im Bügeleisenhaus sucht Lars Friedrich Hattinger Kino-Geschichten.

Die Sessel stammen aus dem Central-Kino, Filmplakate aus dem Stadtarchiv. Für die Ausstellung im Bügeleisenhaus sucht Lars Friedrich Hattinger Kino-Geschichten.

Foto: Fischer

Hattingen.   Die neue Ausstellung im Bügeleisenhaus beschäftigt sich mit der Geschichte der Hattinger Kinos. Dafür werden die Bürger um Mithilfe gebeten.

Mit dem Museum im Bügeleisenhaus geht es im kommenden Jahr ins Kino: Die neue Sonderausstellung: „Zweimal Sperrsitz, bitte“ beginnt am 4. Mai. Sie zeichnet die Hattinger Kinogeschichte nach. Dafür sucht der Heimatverein jetzt nach Kino-Erinnerungen der Bürgerinnen und Bürger.

Vor acht Jahren schloss das Central-Kino an der Bahnhofstraße – der letzte Filmpalast im Stadtgebiet. „Mitte der 1950er-Jahre gab es noch sechs Kinos gleichzeitig“, weiß Lars Friedrich, Vorsitzender des Heimatvereins. In der Geschichte Hattingens habe es sogar zehn Filmtheater gegeben.

An das Central-Kino werden sich wohl die meisten Filmfans erinnern. Lars Friedrich hofft, dass er von diesem und anderen Hattinger Lichtspielhäusern Erinnerungsstücke zusammentragen kann. „Wir suchen alles, was wir bekommen können. Kinokarten, Plakate, Programmhefte oder anderes. Am liebsten aber persönliche Geschichten“, bittet Friedrich die Hattinger um Mithilfe.

Erste Aufführung 1898

Er erinnert sich genau an den ersten Film, den er im Kino sah: „Das war ‘Hurra, hurra, die Schule brennt“, erzählt er lachend. Für die Ausstellung hofft er zum Beispiel auf Geschichten wie die vom musikalischen Filmbegleiter. „Einen Enkel von dem gibt es noch“, weiß Friedrich. Auch ein Eisverkäufer im Central könne eine spannende Geschichte beitragen. „Die Ausstellung wird eher Erinnerungen als Objekte enthalten“, glaubt er.

Das erste Mal bewegte Bilder gab es bereits am 28. Mai 1898 zu sehen – auf der Pfingstkirmes in Blankenstein. „Wilhelm Widau, der eigentlich Kohlehändler war, gastierte dort mit seinem Wanderkino“, berichtet Friedrich. Was auf der mobilen Leinwand gezeigt wurde, ist nicht bekannt. Widau habe aber viele Naturaufnahmen gemacht. Das erste feste Lichtspiel wurde in Nierenhof im Jahr 1900 eröffnet – Kremers Lichtspiel am Bahnhof. Nur acht Jahre später folgte das Edison-Theater an der Bahnhofstraße 24. Nur zwei Jahre wurden dort Aufnahmen gezeigt, bevor das Filmtheater an die Heggerstraße/ Ecke Oststraße umzog.

Drenhaus bietet Kino in Welper

Kino gab es ab 1911 auch im Saal der Glocke. Der Betreiber Drenhaus zog damit 20 Jahre später nach Welper in den Adlersaal an der Henschelstraße. Eben jener Drenhaus eröffnete zudem 1937 die Lichtburg an der Heggerstraße. „Die war links neben Woolworth“, weiß Friedrich.

In die Kino-Hochzeit gehören die Spielhäuser „Burgtheater“ an der oberen Thing­straße, auf Höhe des ehemaligen Schlecker-Marktes, und die „Lichtspiele Friedenseiche“. Beide eröffneten im Oktober 1953. Wenige Wochen später, im Dezember, hieß es auch im Kino am Weiltor: Vorhang auf. Bis 1979 hielt sich dieses Filmtheater, das sich hinter dem heutigen Immobilienbüro an der Großen Weilstraße befand. Es sollte ursprünglich auch für Theateraufführungen genutzt werden, hatte deshalb einen versenkbaren Orchesterraum und eine 80 Quadratmeter große Bühne, erklärt Friedrich. Inzwischen ist der Bau abgerissen.

Odeon, Holodeck und Lancaster im Central-Kino

Der Pächter des Weiltor-Kinos betrieb auch das Central-Kino in unmittelbarer Nähe. Jenes letzte Hattinger Kino war schon 1919 an der Bahnhofstraße 7 eröffnet worden. Die drei Säle, die es zuletzt beherbergte – Odeon, Holodeck und Lancaster – entstanden aber erst mit dem Umbau 1996. Das Gebäude ist jetzt abgerissen.

Eine Sitzgruppe aus dem Central-Holodeck besitzt Claus Barteczko, der sie für die Ausstellung zur Verfügung stellt. Wer ebenfalls Erinnerungen oder Objekte beisteuern kann, ist willkommen. Friedrich weiß: „Es gibt einen Sammler, der Möbel, Projektoren und die Kasse aus dem Central übernommen hat“.

>>> Kino heute und Kontakt zum Heimatverein

Neben den stationären Filmtheatern gab es Kino in Schulen Dorfsälen. Im Schulzentrum Holthausen entstand der Filmclub, der mit der VHS Filme im Kiosk am alten Busbahnhof zeigte. Heute gibt es das Hüttenkino und Vorführungen im Stadtmuseum.

Die Ausstellung im Museum im Bügeleisenhaus läuft vom 4. Mai bis 8. Dezember. Wer Erinnerungen oder Ausstellungsobjekte beisteuern möchte, kann sich an den Heimatverein Hattingen wenden unter 0175 419 419 5 oder E-Mail an info@buegeleisenhaus.de.

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