Kolping Karneval

Gocher Karnevalist geht in den närrischen Ruhestand

Walter Hermsen geht nach 40 Jahren Mitglied im Festkomitee Gocher Karneval in den karnevalistischen Ruhestand.

Walter Hermsen geht nach 40 Jahren Mitglied im Festkomitee Gocher Karneval in den karnevalistischen Ruhestand.

Foto: Andreas Daams

Goch.   Walter Hermsen lässt es nach 40 Jahren Mitglied im Festkomitee Gocher Karneval etwas ruhiger angehen. Zumindest ein bisschen.

Wenn man einen Gocher, Jahrgang 1938, nach seiner ersten Schulzeit fragt, sollte man die heutigen Debatten um Digitalpakt und individuelle Förderung besser mal für einen Augenblick vergessen. „Das war eine Trümmerschule“, erinnert sich Walter Hermsen. Wo nach dem Ende des Krieges eine Halle noch halbwegs intakt war, funktionierte man sie zur Schule um. 48 Kinder aus drei Jahrgängen waren in seiner Klasse. „Und weil meine Eltern für nichts Zeit hatten, musste ich mich selbst um eine Lehrstelle kümmern.“

Ur-Gocher war 20 Jahre lang Tischler

Walter Hermsen, Ur-Gocher, wie er von sich sagt, machte eine Ausbildung zum Tischler. 20 Jahre arbeitete er in dem Beruf, bis er eine schwere Allergie gegen Tropenhölzer entwickelte. „Entweder Sie wechseln Ihren Beruf, oder Sie haben noch acht Monate zu leben“, beschied ihm der Arzt.

Und dann war er Briefträger in Goch

20 Jahre im Beruf – aber Hermsen war doch erst 35 Jahre alt. Denn mit 15 Jahren hatte er angefangen. So war das damals. Er bewarb sich bei der Deutschen Bundespost, wurde gleich genommen und ging dann zunächst nach Krefeld, wo er auch die Beamtenprüfung ablegte. Nach ein paar Jahren wechselte er als Briefträger nach Goch. 1999 ging er in den Ruhestand: „Mit 61 Jahren“, sagt Hermsen, „aber nach 46 Arbeitsjahren.“

Bühne bauen, die Wagenlichter reparieren

Jetzt steht wieder eine Art Ruhestand an. Aber einer der karnevalistischen Art. 40 Jahre war er im Festkomitee Gocher Karneval aktiv. Das möchte er nun nicht mehr so aktiv betreiben wie in all den Jahren zuvor. Da war er für die technische Abteilung zuständig. Ob es darum ging, eine Bühne zu bauen, die Wagenlichter zu reparieren oder den Wagenaufbau instand zu setzen – Walter Hermsen war immer mit dabei.

Den Kolping-Männerchor wollte er sich nicht leisten

Seine karnevalistischen Anfänge hängen ganz stark mit der Kolpingfamilie zusammen. „Ich war häufig im Kolpinghaus, weil dort Lehrgänge stattfanden“, sagt Hermsen. Irgendwann sprach den jungen Lehrling dann der Kolping-Vorsitzende an, ob er denn nicht im Kolping-Männerchor mitsingen wolle. „Meine Antwort war ein deutliches ‚Nein‘“, schmunzelt Hermsen.

„Einen Hut aufsetzen, das reichte nicht“

Dem verblüfften Vorsitzenden erklärte er daraufhin, er könne als Lehrling den Mitgliedsbeitrag nicht zahlen. „Der wurde mir während meiner Lehrzeit dann erlassen.“ Weshalb Walter Hermsen seither jeden Freitag zuverlässig zur Männerchorprobe geht.

Vom Männerchor zur Karnevalsabteilung in Kolping war es dann nur ein kleiner Schritt. Und mit zusätzlicher Aktivität verbunden: „Einfach einen Hut aufsetzen, das reichte nicht. Man musste schon irgendetwas vorführen.“ Hermsen ging in die Bütt.

Kolping-Trio wurde dann zum K.6

Und nicht nur das: Weil er ja so gerne sang, wurde er Frontsänger im damaligen Kolping-Trio, das sich über die Jahrzehnte zum K.6 mauserte. „44 Jahre habe ich dort gesungen und fast alle Karnevalsbühnen von Dormagen bis Nimwegen und von Duisburg bis Emmerich abgegrast.“ Zum Festkomitee kam er zunächst als Delegierter des Kolping-Karnevalvereins, die letzten Jahre war er im Kreis der Senatoren aktiv.

Die Ehefrau muss dahinter stehen

Wie er das alles neben Beruf und Familie mit vier Kindern und sieben Enkelkindern gemacht hat? Da ist die Antwort unmissverständlich: „Die 63 Jahre im Karneval kann man nicht machen ohne eine Ehefrau, die voll dahintersteht.“ Die auch mitmacht, an den Texten schreibt und hilft, die Lieder umzudichten.

In Zukunft will Walter Hermsen zwar nicht mehr so viel mitmachen wie bisher. Aber mit Rat und Tat zur Seite stehen – das ist für ihn selbstverständlich.

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