Gericht weist Steinewerfer in die Psychiatrie ein

Gevelsberg.   Ein psychisch kranker Mann muss für Steinwürfe auf seine Pflegerinnen dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Das hat gestern das Hagener Landgericht beschlossen. Der 55-jährige Mann betonte im Prozessverlauf immer wieder, dass er auf gar keinen Fall in die Psychiatrie gehen wird. „Ich bin kerngesund!“, rief der Beschuldigte.

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Ein psychisch kranker Mann muss für Steinwürfe auf seine Pflegerinnen dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Das hat gestern das Hagener Landgericht beschlossen. Der 55-jährige Mann betonte im Prozessverlauf immer wieder, dass er auf gar keinen Fall in die Psychiatrie gehen wird. „Ich bin kerngesund!“, rief der Beschuldigte.

Der Angeklagte hatte in einer therapeutischen Einrichtung in Gevelsberg gelebt und dort zum Teil faustgroße Steine und – laut Beschreibung der Staatsanwaltschaft – schwere „steinartige Gegenstände“ auf das Pflegepersonal und ein Auto geworfen. Das Heim hatte wegen des Beschuldigten sogar eigens eine Sicherheitskraft eingestellt. Seit den sechs Vorfällen zwischen Juni und August vergangenen Jahres, befindet sich der Gevelsberger allerdings in einer geschlossenen Einrichtung in Lippstadt.

Auch dort wurde er auffällig: Bei einem seiner Ausraster ging er Ärzten buchstäblich an den Kragen, beleidigte und bedrohte sie. Allerdings kam niemand durch die Attacken zu Schaden. Das Gericht hatte in den letzten beiden Verhandlungstagen darüber zu entscheiden, ob der Gevelsberger für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden kann und ob von ihm eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Vor Gericht machte er einen stark verwirrten Eindruck, war zerfahren, sprach während der Verhandlung die Wachtmeister an: „Kennen Sie den Peter O.? Der war das nämlich!“ Des Weiteren bezichtigte er einmal reihum alle Prozessbeteiligten, zu lügen.

Imaginäres Gewehr gezückt

Als die Vorsitzende Richterin Fragen an einen psychiatrischen Gutachter stellte, zielte der Angeklagte mit einem imaginären Gewehr auf sie. Sein Verteidiger Martin Düerkop hatte Mühe, seinen Mandanten einigermaßen ruhig zu halten. Entsprechend fiel auch das Ergebnis des Experten aus: Der Gevelsberger leidet an paranoider Schizophrenie. „Der Beschuldigte war beim Termin bizarr in seinem Auftreten. Er hat Gewaltfantasien und Verfolgungsideen. Auch anfallsartige Gewaltausbrüche gehören zu seinem Krankheitsbild.“

Der Experte kam zu dem Schluss, dass von dem Mann weitere Taten zu erwarten sind, auch weil sich die Krankheit weiter zu verschlechtern scheint. „Es kann jeden Unbeteiligten treffen“, beendete der Gutachter seine Ausführungen, während der Gevelsberger wieder „Lüge!“ dazwischen krähte. Die Staatsanwältin hielt den Mann für schuldunfähig, beantragte aber angesichts seines schweren Krankheitsverlaufs, dass der Mann dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Verteidiger Düerkop stimmte dem zu: „Seine Steuerungsfähigkeit ist nicht nur angekratzt, sondern komplett aufgehoben. Er ist schwer erkrankt.“

Das Gericht folgte den Anträgen. „Es bestehen dringende Gründe für die Annahme, dass weitere Taten zu erwarten sind. Zwar hat sich der Beschuldigte für die Taten teilweise bei den Zeugen entschuldigt, aber die Prognose ist schlecht. Er nimmt seine Medikamente nicht.“ Als der Mann hinausgeführt wurde, brummelte er, dass er jetzt gehen würde. Er sei ja schließlich gesund.

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