Kunst

Emil Schumacher, der vor der Leinwand tanzte

„Emil Schumacher – Inspiration und Widerstand" in der Duisburger Küppersmühle.

„Emil Schumacher – Inspiration und Widerstand" in der Duisburger Küppersmühle.

Foto: Lukas Schulze

Duisburg.   Ein Weltstar aus dem Revier: Das Duisburger Museum Küppersmühle widmet Emil Schumacher die Ausstellung „Inspiration und Widerstand“

Emil Schumacher (1912-1999) zählt zu den wenigen Weltstars aus dem Ruhrgebiet. Um das in Erinnerung zu rufen, sind ab und zu Ausstellungen wie „Inspiration und Widerstand“ in der Duisburger Küppersmühle nötig. Eröffnet am Mittwochabend, bietet die größte Emil-Schumacher-Retro­spek­tive seit zwei Jahrzehnten, 80 raumgreifende bis monumentale Gemälde aus den wichtigen Schaffensphasen.

Auftakt also in den frühen 50ern – da ist Emil Schumacher zwar schon um die vierzig, aber erst jetzt fängt er neu an und löst sich, erschüttert von Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Barbarei, beim Malen von den Gegenständen. Der „Küchenherd“ (1950) fällt noch in die Kategorie Zuspätexpressionismus, aber das „Stadtgefüge“ vier Jahre später hat nur mehr Umrisse von Häusern und Flächen, die mal Gegenstände waren. Abstrakter Expressionismus, wenn man so will, und schon bald löst sich Schumacher gänzlich von gegenständlichen Vorbildern. Er malt, wohin seine Impulse ihn tragen. Kunst, lange gemaßregelt und geknechtet von politischen Ansprüchen, sollte radikal frei sein. Nicht von ungefähr pflegte Emil Schumacher bis ins hohe Alter vor seinen Leinwänden zu tanzen. Die Floskel vom Schwingen des Pinsels erfüllte er mit neuem Leben, gegen „den Mief der Vergangenheit“. Leidenschaft geronn zu Ölspuren auf der Leinwand.

Schumacher, der schon mit 16 vom heimatlichen Hagen aus nach Paris geradelt war, um teilzuhaben am Leben der Künstler dort, hatte die Kunstgewerbeschule in Dortmund besuchte, schlug sich als freier Maler durch, überwinterte im Zweiten Weltkrieg als technischer Zeichner in einem Rüstungsbetrieb. In der Wiederaufbaurepublik Deutschland sollte sein Stern aufgehen, als führender Maler des „jungen westens“ mit einer ersten Ausstellung 1948 im leerstehenden Althoff-Warenhaus Recklinghausen. Ein Jahrzehnt später begannen seine Gemälde zu glühen im legendären „Schumacher-Rot“ bis hin zu Bildern wie „Sorpe“, das aus glühender Lava zu bestehen scheint, die am Rand schon erkaltet. Es waren Jahre des Experiments, in denen auch schon mal eine Handvoll Nägel über die Leinwand geworfen und mit Farbe fixiert wurde, bevor Günther Uecker eine Marke daraus machte.

In den 60er-Jahren wurden seine Leinwände dreidimensional: Eine amerikanische Galerie hatte ihn gebeten, auf leichtere Untergründe als auf Holztafeln zu malen. Schumacher nahm zentimeterdicke Türblätter, deren Füllung aus leichter Pappe oder Ähnlichem bestand. Und als er einmal, haltlos unzufrieden mit dem Mal-Ergebnis, mit einem Hammer auf das Bild hieb, stellt Schumacher fest, dass die Löcher das Bild retteten und aus den wulstigen, geschlierten Farbgebirgen erst recht regelrechte Landschaften machten.

Schumachers Leben war indes nicht frei von Krisen. Zur Documenta 1968 wurde er schon nicht mehr eingeladen, Pop- und andere Kunst-Arten beherrschten nun das Terrain. Aber der Maler, der es bei aller Weitgereistheit liebte, jeden Tag rund um Hagen zu spazieren, erfand sich neu. Seine „Bogenbilder“ entstanden, später baut er Steine und glänzenden Asphalt in seine Bilder ein, bevor er eines Tages, vorübergehend, zur Figürlichkeit zurückkehrte. Allerdings auf archaische Weise, mit Umrisszeichnungen, die aus der Höhlenmalerei zu stammen scheinen und perfekt zu den wilden Farbwänden seiner Bilder passten.

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