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Die liebsten Eckchen des Hattinger Stadtführers

Ulrich Sümmermann war viele Jahre Stadtführer in Hattingen. Mit 86 Jahren gab er sein Amt nun auf und widmet sich anderen Aufgaben.

Foto: Fischer

Ulrich Sümmermann war viele Jahre Stadtführer in Hattingen. Mit 86 Jahren gab er sein Amt nun auf und widmet sich anderen Aufgaben.

Hattingen.  Jahrelang führte Ulrich Sümmermann Besucher durch Hattingen. Zum Abschied spricht er über die Favoriten der Touristen und seine eigenen.

15 Jahre lang hat Ulrich Sümmermann (86) Menschen durch Hattingen geführt. Und das leidenschaftlich gerne. Nun wurde er aus seinem geliebten „Amt“ verabschiedet. WAZ-Mitarbeiterin Eva Arndt sprach mit Ulrich Sümmermann über die häufigsten Fragen und schönsten Erlebnisse.

Sie sind völlig fit und lieben es, Menschen Hattingen zu zeigen. Warum hören Sie auf?

Sümmermann: Es gibt viele Leute, die einfach den Punkt nicht kennen, wann sie aufhören sollten. Ich möchte aufhören, wenn es noch gut läuft, nie habe ich negative Rückmeldungen bekommen. Das soll so bleiben. Außerdem muss ich mit 86 Jahren bei 30 Grad im Schatten keine Führung mehr machen.

Wie sind Sie dazu gekommen, Stadtführer zu werden?

Ich hatte eine Landschafts- und Tiefbaufirma. Als ich dann in Rente war, habe ich mich beworben, bin ein paar Mal mitgegangen und hab mich dann getraut, es selbst zu machen. Wenn man im Beruf ist, hat man ja zu so etwas keine Zeit.

Ist Hattingen Ihre Heimatstadt?

Nein, ich bin 1950 als 18-Jähriger von Pommern nach Hattingen gekommen. Es war nicht meine Heimatstadt, aber es ist meine Heimat geworden. Ich finde diese Stadt unglaublich schön.

Wieviele Führungen haben Sie durchschnittlich gemacht?

Man kann sagen, durchschnittlich waren es drei im Monat. Im Winter etwas weniger, dafür im Sommer mehr.

Was hat Ihnen an den Führungen besonders Spaß gemacht?

Wenn Privatgruppen gebucht hatten. Manchmal war eine Hochzeit ein Anlass oder ein Kegelclub wollte eine Stadt erkunden. Die Teilnehmer waren dann immer ganz besonders aufmerksam. Ich habe auch gerne Schüler durch die Stadt geführt, je jünger desto lieber.

Und was war ihr persönlicher Höhepunkt in all den Jahren?

Ich hatte mal eine Gruppe aus Osteuropa, von Estland, Lettland, Litauen, Polen, Weißrussland und anderen Ländern. Die kamen vom Goethe-Institut, sprachen deutsch und waren so respektvoll und interessiert. Und sie waren fassungslos über die Schönheit der Altstadt und die Freundlichkeit der Menschen hier. Das war sehr beeindruckend.

Hatten Sie dabei auch schon mal mit nervigen Menschen zu tun?

Eigentlich ganz selten. Ich erinnere mich nur an einen Tag in der Weihnachtszeit, da haben die Teilnehmer an den Buden so viel Alkohol getrunken, dass sie überhaupt nicht mehr aufnehmen konnten, was ich gesagt habe. Da war ich sauer.

Haben die Teilnehmer viele Fragen gestellt und was wollten sie wissen?

Die haben immer wieder unfassbar viel wissen wollen. Das war ganz spannend. Im Mittelpunkt stand außer der Altstadt natürlich immer die Henrichshütte. Wie es nach der Schließung weiterging, ob und wie der Strukturwandel geschafft wurde, wie Hattingen den Verlust der Arbeitsplätze überwunden hat.

Gab es auch völlig verrückte und blöde Fragen?

Nein, nie. Es gibt keine blöden Fragen. Und wenn ich mal auf eine Frage keine Antwort wusste, dann habe ich gesagt, dass ich passen muss.

Ist die Arbeit als Stadtführer anstrengend?

Man muss immer voll konzentriert sein. Wir sind ja Dienstleister. Die Menschen haben Geld dafür bezahlt, dass sie eine Führung bekommen und haben einen Anspruch darauf, dass Sie bestens behandelt und informiert werden.

Haben Sie ein Lieblings-Eckchen in Hattingen, das Sie besonders gerne gezeigt haben?

Das mittelalterliche Rathaus finde ich sehr schön und natürlich den Kirchplatz. Obwohl ich kein Kirchenführer bin, habe ich die Gruppen immer in die Kirche mitgenommen, es ist einfach so schön da. Und ich mag besonders das Steinhagentor, das vor zehn Jahren so umstritten war und schlechtgeredet wurde.

Was mochten die Besucher am liebsten?

Immer die Altstadt mit den Fachwerkhäusern.

Was machen Sie ab jetzt in der Zeit nach den Stadtführungen?

Ich habe ein Haus mit großem Grundstück in der Winzer Mark, treibe Sport, bin im Kultur- und Bürgerverein. Dass ich morgens auf der Couch sitze und der Fernseher läuft, wird man bei mir nicht erleben.

>>> Stadtführungen in Hattingen

Offene Führungen gibt es jeden Samstag um 15 Uhr. Sie dauern eine Stunde und kosten fünf Euro pro Person. Treffpunkt: Altes Rathaus, Untermarkt. Anmeldungen nicht erforderlich. Die offene Nachtwächterführung läuft von Oktober bis März jeden ersten und dritten Donnerstag. Treffen: 19 Uhr am Alten Rathaus. Kosten: sieben Euro.

Gebuchte Führungen für Gruppen und Schulklassen bis maximal 25 Personen kosten 55 Euro für eine Stunde und 75 Euro für anderthalb Stunden. Sie sind mindestens vier Tage vorher zu buchen. Nachtwächterführungen müssen Gruppen 14 Tage im Voraus buchen – für 70 Euro.

Kontakt zum Stadtmarketing: 02324/ 951395 oder info@hattingen-marketing.de

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