Autohändler

Bei vielen herrscht Wut über den Diesel-Kompromiss

Bisher weiß kein Händler und kein Dieselfahrer, wann wer wo bei einem Dieselfahrverbot fahren darf. Bei jährlich steigender Pkw-Zahl - hier der Ortseingang Nierenhofer Straße - dürften noch etliche Diskussionen geführt werden.

Bisher weiß kein Händler und kein Dieselfahrer, wann wer wo bei einem Dieselfahrverbot fahren darf. Bei jährlich steigender Pkw-Zahl - hier der Ortseingang Nierenhofer Straße - dürften noch etliche Diskussionen geführt werden.

Foto: Fischer

Hattingen.   Viele Hattinger Autohändler ärgern sich, weil die Umsetzung des Diesel-Konzeptes unklar ist. Der Bürger müsse für den Hersteller-Betrug bezahlen.

Nach Verhandlungen bis in die Nacht hat die Berliner Koalition den „Diesel-Kompromiss“ verkündet. „Wir hängen alle in der Luft, keiner weiß, wie der Kompromiss umgesetzt werden soll. Wir werden doch alle nur von der Politik veräppelt.“ So der Tenor der meisten Hattinger Autohäuser.

Das Konzept betreffe Kommunen, Geschäftsleute und private Autobesitzer im EN-Kreis, die häufig in vom Fahrverbot bedrohte Städte, zum Beispiel Bochum, pendelten, erklärt SPD-Bundestagsabgeordneter Kapschack.

„Cool und gelassen“ geht wohl nur Thorsten Podlech, Geschäftsführer von VVP Podlech mit der derzeitigen Diskussion um. „Wir haben zwar keine Neuwagen mehr, aber wir machen Reparaturen, nach Unfällen zum Beispiel. Wir arbeiten mit unseren 65 Mitarbeitern auch für ein Unternehmen, das 3000 Fahrzeuge in Berlin hat. Die stellen jetzt die meisten um von Diesel auf Erdgas.“

Probleme für Handwerker

Ein Dieselfahrzeug sei im Augenblick zwar nicht mehr ganz so „sexy“, aber die Leute, die 40.000, 50.000 oder 60.000 Euro für einen Diesel auf den Tisch legten, interessiere die Diskussion doch gar nicht. Die fahren ihre Leasingfahrzeuge bis sie aus den Verträgen raus seien und holten sich dann neue.

Echte Probleme sieht Thorsten Podlech auf die Handwerker zukommen. „Wenn die einen größeren Wagen brauchen, zum Beispiel einen Sprinter, dann bekommen sie den gar nicht anders als mit Diesel. Das ist wirklich schlimm.“ Ansonsten rät der Autofachmann dazu, abzuwarten. „Ich würde erst einmal mit einem Polizisten oder einer Politesse sprechen und sehen, was passiert, wenn Fahrverbote erteilt worden sind. Es ist doch preiswerter, 80 Euro zu bezahlen und einen Punkt in Flensburg in Kauf zu nehmen, als mir direkt einen neuen Wagen zu kaufen“, sagt er ganz pragmatisch. Noch wisse ja kein Mensch, wie der Berliner Kompromiss umgesetzt werden soll.

Chaos schon bei KAT und Abwrackprämie

Ein anderer Autohändler erinnert daran, dass ähnliches Chaos bei der Abwrackprämie herrschte und bei dem KAT-Problem genauso. „Es ist alles eine riesige Geldmacherei, die auf dem Rücken der kleinen Leute stattfindet.“ Man solle sich doch nicht vorstellen, dass es nur reiche Leute gibt. „Viele holen zum Beispiel einen ältere Diesel für 2000 oder 3000 Euro, damit der Sohn oder die Tochter nach Münster zum Studium pendeln kann. Denn da koste eine einzige Studentenbude mittlerweile 600 Euro. Wenn die demnächst nicht mehr fahren dürfen, weil sie einen alten Diesel fahren, das versteht doch kein Mensch mehr. Die zahlen doch wieder mal die Zeche für die Betrügereien der Hersteller.“

Und noch etwas regt den Fachmann über alle Maßen auf. Man könne ältere Diesel jederzeit in den Osten verkaufen, wie es ja schon seit Jahren gemacht wird. „Was ist das eigentlich für eine Politik? Gibt es einen Vorhang, der an den Grenzen Deutschlands endet. Hier ist dann die gute Luft und in Polen beispielsweise bleibt dann die schlechte Luft stehen?“

Das Theater, sagt ein anderer, machten die Politiker nur, damit sie in Berlin wiedergewählt würden. Es sei einfach unerträglich.

>>> Rabatte oder Umtauschpämien für Dieselfahrer

Das Konzept der Koalition sieht vor, dass Diesel-Halter Fahrzeuge entweder gefördert durch Prämien und Rabatte umtauschen (Euro 4 und 5) oder nachrüsten (Euro 5) lassen können.

Kommunalfahrzeuge über 3,5 Tonnen, zum Beispiel Müllwagen, sollen nachgerüstet werden. Die Bundesregierung soll 80 Prozent der Kosten tragen, 20 Prozent die Kommunen.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben