Mensch am Mittwoch

16-jährige Rednerin mit vielen Talenten

Lilith Boßmann ist Landessiegerin beim Wettbewerb "Jugend debattiert".

Lilith Boßmann ist Landessiegerin beim Wettbewerb "Jugend debattiert".

Foto: Anke Gellert-Helpenstein

Goch.   Lilith Boßmann hat starke Argumente, startet beim Bundesentscheid „Jugend debattiert“. Sie brennt für mehr, als „nur“ für Debatten. Ein Portrait.

Sie ist sportlich, jung, sympathisch – und schlagfertiger und redegewandter als die meisten Erwachsenen. Lilith Boßmann (16), Gaesdonck-Schülerin, hat im Land die stärksten Argumente und startet beim Bundesentscheid „Jugend debattiert“ am 22. Juni in Berlin. Die NRZ wollte wissen, wofür die 16-Jährige noch brennt, wenn sie nicht debattiert.

Die pure Lebensfreude in den Augen

Beim Besuch des Teenagers auf dem elterlichen Hof genau an der deutsch-niederländischen Grenze in Babberich bei Emmerich strahlt die 16-Jährige wie die Sonne am Besuchstag. Die pure Lebensfreude sprüht aus Liliths Augen, daran würde ziemlich sicher auch Regenwetter nichts ändern. Das liegt nicht zuletzt auch an der angenehmen Ausstrahlung des Hofs am kleinen See mit jeder Menge Flora und Fauna drum herum. Ansteckend schön. Und es liegt wohl auch an einer Familie, die offensichtlich der in vieler Hinsicht begabten jungen Frau vermitteln kann, wie wichtig es ist die Balance zwischen kreativer Schaffenskraft und Ruhe zu halten. Mutter Boßmann beschreibt ihre Tochter als Mensch mit „enormer Energie, voller Leidenschaft, sehr viel Klarheit, auch emotional. Sie kann viele Sachen sehr klar benennen!“

Ein Zuhause zum Auftanken

„Hier in meinem Zuhause kann ich jeden Tag, wenn ich von der Gaesdonck nach Hause komme, auftanken“, weiß Lilith um das Privileg zu leben, wie und wo sie lebt. Dringend benötigter Ausgleich eben zu einem sehr forschen, sehr zielgerichteten und erfolgreichen Teenagerleben. Denn Lilith ist nicht nur eine sehr gute Schülerin auf der Gaesdonck, sie sicherte sich jüngst beim Landesentscheid des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ den ersten Platz und vertritt NRW nun am 22. Juni in Berlin. Erst heute ist sie wieder für einige Tage auf einem Rhetorik-Seminar, das sie auf den Bundeswettbewerb noch einmal gezielt vorbereiten soll. Das Seminar ist sozusagen das „Preisgeld“ für den Sieg auf Landesebene.

Talent für formal perfektes Debattieren

Ihr Talent für formal perfektes Debattieren, gefüllt mit klaren, schlagfertigen Aussagen und Argumenten für den jeweiligen Standpunkt, ist für sie aber alles andere als ein Freifahrtschein in die Politik. „Aktuell ist mein Hauptinteressensgebiet nicht die Politik“, betont die sportliche 16-Jährige, die regelmäßig schwimmt, reitet und Hockey spielt. „Ich finde es ausgesprochen schade, dass viele Politiker so schlecht behandelt werden. Natürlich schaue ich auch kritisch hin, aber auch sehr wertschätzend“, betont Lilith.

Brennen für die Schauspielerei

Ihr Weg scheint es zumindest aktuell nicht zu sein. Seit einiger Zeit brennt sie förmlich für die Schauspielerei. Schon im Kindergarten entdeckte sie ihr Interesse am Mimenspiel. „Die Schauspielerei zieht mich an, fasziniert und interessiert mich“, verrät Lilith, die aber ein ebenso großes Interesse an Psychologie und Jura hat. Aber Schauspielerei steht zur Zeit an erster Stelle.

Schauspielkurs ins Leben gerufen

An der Gaesdonck hat sie einen Schauspielkurs ins Leben gerufen „weil’s den dort noch nicht gab. Und wenn ich für etwas brenne, dann setze ich das auch durch, mache es möglich.“ Was man ihr sofort glaubt. Mittlerweile hat sie für ernsthafte Ausbildung Kurse im Fach Schauspiel u.a. in England besucht. „Ob Jura, Psychologie, Schauspielerei – in allen drei Gebieten geht es sehr stark um Empathie. Ohne Empathie geht nichts“, ist sie sicher. Aber noch besucht sie die Klasse 10 und muss sich nicht für einen festen Weg entscheiden. Verschiedene Praktika werden ihr noch Einblicke in andere Welten geben. So bereichert Lilith Boßmann in der kommenden Woche auch die NRZ Redaktion in Emmerich als Praktikantin.

Training für die Endausscheidung

Nicht zu kurz kommt natürlich bis zum Bundesentscheid „Jugend debattiert“ das entsprechende Training für die Endausscheidung. „Ich diskutiere und debattiere einfach zu gerne“, gibt sie im Gespräch mit der NRZ zu. Dabei tritt die Gaesdonckerin keinesfalls wie ein Besserwisser auf, obwohl sie vieles hinterfragt. „Das tue ich schon gerne und viel. Das liegt daran, weil ich im Leben einfach alles verstehen möchte.“

Gesprächspartner brauchen manchmal Geduld

„Das ist manchmal anstrengend“, gibt die 16-Jährige zu. Sie weiß, dass ihre Gesprächspartner manchmal Geduld brauchen. Lilith Boßmann fordert durchaus nicht nur den Freundeskreis, ihre Mitschüler, sondern auch ihre Lehrer. Schult sich in Sachen Ausdruck, Sprache, Stil, Fachwissen, Überzeugungskraft quasi immer. Nicht nur für die nach extrem strengen Regeln durchgeführten Debatten auf Wettbewerbsebene, sondern auch für den ganz normalen Alltag in einem nicht immer ganz so normalen Teenagerleben.

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