Schlösser, Burgen, Ruinen

Wie Martin Luther ein Liebesnest an den Niederrhein brachte

Das Moerser Schloss im derzeit winterlich kargen Schlosspark.

Foto: Volker Hartmann

Das Moerser Schloss im derzeit winterlich kargen Schlosspark. Foto: Volker Hartmann

Moers.   Neue Serie über „Schlösser, Burgen und Ruinen“ in der Region: Das Schloss Moers blickt 500 Jahre zurück in die spannende Zeit der Reformation.

Was hatte sich Gräfin Walburgis von Neuenahr-Moers nur dabei gedacht, als sie sich diesen 15 Jahre jüngeren Mann, einen Adolf auch noch, ins Haus holte und ins Ehebett? Als hätte die schöne Grafschaft Moers, in deren Schlossmauern Walburgis residierte, nicht genug Scherereien am Hals.

Die Folgen von Martin Luthers 95 Thesen

Es waren schwierige Zeiten damals. Denn nicht allzu viele Jahre zuvor hatte ein gewisser Augustinermönch namens Martin Luther am 31. Oktober 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg seine 95 Thesen angeschlagen, Anlass zur Spaltung der Kirche gegeben – was unvorhersehbare Auswirkungen auf die Grafschaft Moers hatte. Sie wurden für Gräfin Walburgis durch ihre Ehe mit Adolf von Neuenahr-Alpen so verheerend, dass eines Tages die Spanier vor der Türe standen.

Woher wir das wissen? Natürlich steht’s in den Geschichtsbüchern geschrieben, falls man gerade die richtigen zur Hand hat. Aber man kann es auch gleich vor Ort erfahren, denn das Grafschafter Museum im Schloss Moers hat die eigene Geschichte nach der Sanierung seit 2013 vorbildlich zeitgemäß und didaktisch aufgearbeitet.

Und zum 500. Jahrestag der Reformation gibt es auch Luther-Führungen. Die übernimmt Alexander Borchard, 34, Museumspädagoge, der so modern, locker und dennoch kenntnisreich aus jener frühen Neuzeit, der Renaissance und der Zeit der Reformation plaudert, dass man meint, es habe sich im Laufe der Jahrhunderte kein Körnchen Staub auf die Schriften und Folianten gelegt. Auch Gräfin Walburgis taucht dabei immer wieder auf und erzählt – als moderne 3D-Projektion, und dargestellt von der Schauspielerin Eva Müller.

Bekenntnis zum Luthertum

Zurück zur historischen Walburgis. Den Grundstein für Verdruss hatte ihr Vater Wilhelm gelegt, denn im Jahr 1532, also wohl kurz bevor sie auf die Welt kam, bekannte er sich in Briefen zum Luthertum. Er entsandte seinen Hofprediger Johannes Uden nach Wittenberg, ins Haus Luthers – und seinen Sohn Hermann schickte er zum Studium hinterher. Als Uden wieder da war, übertrug ihm der Graf gleich zwei Vikarien in der Pfarrkirche Moers – das Luthertum war inoffiziell am Niederrhein angekommen, jener Feste des Katholizismus. Man darf annehmen, dass Walburgis zu den Ersten gehörte, die im protestantischen Glauben aufgezogen wurde.

Walburgis, deren Geburtsdatum man auf 1533 schätzt, heiratete 1571 in zweiter Ehe diesen Adolf von Neuenahr-Alpen, der es in sich hatte. Als Bruder Herrmann dann 1578 starb, trat sie mit Adolf die Herrschaft über die Grafschaft an.

Da begannen die Schwierigkeiten: Adolf unterhielt beste Beziehungen zum Kölner Erzbischof und Kurfürst Gebhard Truchsess von Waldburg, der arg mit dem Zölibat zu kämpfen hatte, und dank Adolf zum Protestanten wurde, um eine Stiftsdame zu heiraten. Im Schloss Moers richtete Adolf beiden ein Liebesnest ein.

Das konnten sich die Katholiken nicht bieten lassen, auch wegen der engen Verknüpfung von kirchlicher und weltlicher Macht. Und so belagerten die katholischen Spanier das schöne Moers, besetzten es elf Jahre lang, bevor sie vom protestantischen Moritz von Oranien 1597 wieder vertrieben wurden. Dass Walburgis, dank eines Schießpulverexperiments ihres Gatten abermals verwitwet, nun nach Moers zurückkehren konnte, nützte ihr kaum noch etwas, sie starb drei Jahre später.

So präsent wie im Moerser Schloss sind die Auswirkungen der Reformation längst nicht an allen alten Gemäuern an Rhein und Ruhr. Doch Museumsleiterin Diana Finkele kennt die Geschichte weit vor und nach dieser Zeit ebenfalls, als hätte sie sie miterlebt. Vom gefundenen Glasbesteck aus Römerzeiten übers Rokokozimmer bis in die Jetztzeit.

Und immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken. „Wenn Sie hier einen Spaten in den Boden stecken, finden Sie etwas“, sagt sie. So fand man etwa bei Arbeiten an der hochmittelalterlichen Ringmauer einen damals oft benutzten, aber selten erhalten gebliebenen Lehmkuppelofen – ein Gebrauchsgegenstand, der eigentlich nicht stabil oder wertvoll genug war, um für die Ewigkeit gebaut worden zu sein, aber unerklärlicherweise dennoch die Jahrhunderte überstand.

Schloss, Schlosspark und Schlosstheater

Am Moerser Schloss, zu dem auch das Schlosstheater gehört, und im umliegenden Park begegnet man der Stadtgeschichte auf Schritt und Tritt. Und im mittelalterlichen Musenhof wird ab April auch für jüngere Besucher das Leben und Wirken der ehemaligen Schlossbewohner wieder lebendig. Mit tiefen Einblicken in die Zeit noch weit vor Luthers revolutionären Thesen.

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