Schlösser

Von der sichtbaren Pracht und den unsichtbaren Dienern

Pfirsichblütenrosa war das Schloss Benrath schon zu Zeiten des Kurfürsten Carl Theodor im 18. Jahrhundert. Die Sommerresidenz spiegelt sich im Weiher.

Foto: Kai Kitschenberg

Pfirsichblütenrosa war das Schloss Benrath schon zu Zeiten des Kurfürsten Carl Theodor im 18. Jahrhundert. Die Sommerresidenz spiegelt sich im Weiher. Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.   Kurfürst Carl Theodor ließ das prachtvolle Schloss Benrath bauen, samt großem Park und vielen geheimen Gängen – und war selbst doch kaum dort.

Als Kurfürst Carl Theodor vom Spaziergang in seinem Privatgarten ins Sommerschloss zurückkehrt, mag er die Ruhe im hohen Kuppelsaal genossen haben und danach das Mahl im großen, stuckverzierten Vestibül. Doch hinter den Mauern eilt das Gesinde. Wie in einem Bienenstock geht es die geheimen Gänge entlang. Sie sind so schmal, dass man die Arme nicht ausstrecken kann. Treppen rauf und runter. Auch unterirdisch ist der Adelssitz mit der Küche im benachbarten Flügelbau verbunden. Die besten Diener sind unsichtbar . . .

So hätte es einst im 18. Jahrhundert sein können im Schloss Benrath. Und vielleicht war es auch genau so. Für wenige Stunden lang. Denn der Kurfürst von der Pfalz weilte nicht mal einen ganzen Tag in seiner Sommerresidenz. Seine Frau Elisabeth Auguste ganze zwei Tage.

Als der Architekt Nicolas de Pigage 1771 das Schloss im heutigen Düsseldorf fertiggestellt hatte (Benrath wurde erst 1929 eingemeindet), warteten auf den Kurfürsten neue Aufgaben in München. „In Benrath lebte lediglich der Verwalter, der das Ganze für den Tag X vorhielt“, sagt Professor Stefan Schweizer, wissenschaftlicher Vorstand der „Stiftung Schloss und Park Benrath“.

Ein Orchester saß in der Kuppel neben einer Öffnung

So wie sich heute die Wohnungen ähneln – drei Zimmer, Küche, Bad – gab es auch früher eine Norm für den Adelssitz. Wohnzimmer gab es nicht im heutigen Sinne, das Schlafgemach war wichtig und man traf sich nebenan im Gesellschaftsraum. In Benrath lauschte man im prachtvollen Kuppelsaal der Musik, die von oben den Raum erfüllte: Wie beim Pantheon in Rom ist die mit Rosen-Stuck und Fresken verzierte Kuppel geöffnet, allerdings gibt es darüber noch ein Dach. Ein kleines Orchester saß in der oberen Etage im Kreis neben der Kuppelöffnung. Es spielte – und war zugleich unsichtbar.

Im Obergeschoss sind die Decken niedriger. Hier wohnten die Adelsleute, die das Fürstenpaar begleiteten. In den zwei Flügelbauten gab es weitere Räume, auch für die Diener, die zu mehreren Dutzenden anreisten. Heute sind dort zwei Museen untergebracht: ein Naturkundemuseum und ein Museum für Europäische Gartenkunst.

Von weitem wirkt das Schloss makellos

Die Einrichtung im Schloss ist zu einem großen Teil noch erhalten, so der 48-jährige Schweizer. Lediglich Möbel wurden aus der Zeit hinzugekauft. Auch während des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloss nur geringfügig beschädigt. Von Weitem wirkt es makellos. Und doch wird das Schloss ab diesem Jahr saniert, „mindestens zehn Jahre lang“, so Schweizer, „bei laufendem Betrieb“. 20 Millionen Euro vom Bund seien bewilligt, Gelder von Stadt und Land kämen hinzu. Die Feuchtigkeit mache dem Bau zu schaffen. Im Unsichtbaren lauert die Gefahr fürs Mauerwerk.

Die Farbe der Fassade bleibt. Sie passt zu den blühenden Magnolienbäumen, die neben dem einstigen Sitz des Hochadels stehen. Genau genommen handelt es sich jedoch um „Pfirsichblütenrosa“, sagt der Kunsthistoriker Schweizer. Schon zu Zeiten des Kurfürsten war das die bevorzugte Farbe. Vom Schlossdach blickt die Jagdgöttin Diana. Im Inneren ist sie noch mal in der Kuppel zu sehen, oberhalb der Putten mit Füllhörnern sowie einem toten Eber im Stuck. Benrath war ein Jagdschloss. Dafür ritt man in den Eller Forst. Vermutungen, man habe auch im Park gejagt, seien falsch: „Der Park ist gestaltet wie ein Garten, er besaß Wege, Kanten aus Sandstein, das hätten sie ja mit Jägern zunichtegeritten.“

Die Gärten dienten der Belustigung...

Der Park mit Französischem Garten erstreckt sich bis zum Rhein. Anfang des 19. Jahrhundertes wurde ein Teil im englischen Stil umgewandelt mit geschwungenen Wegen und einer großen Baumvielfalt: „Mammutbaum aus Nordamerika, Scheinzypressen, Akazien. . .“, zählt Schweizer auf. Über 60 Hektar ist das Gelände groß. In einem Weiher spiegelt sich das Schloss: Das war etwas Besonderes in einer Zeit, in der es noch keine Fotografie gab. „Gärten dienten natürlich der Belustigung. Man kann sich Fräuleins vorstellen, die im Weiher ihre Füße eingetaucht haben. Aber es ist eben auch eine Demonstration von technischen Fähigkeiten.“ Der Kurfürst zeigte seine Macht über die Natur.

Auf der Höhe des Weihers stand zuvor ein Jagdschloss aus dem 17. Jahrhundert, das der Kurfürst jedoch abriss, weil es baufällig war. Der Gebäudeteil in der Nähe, heute „Orangerie“ genannt, stammt noch aus dieser Zeit. Aber schon zuvor, im 13. Jahrhundert, hat auf diesem Gelände eine Burg gestanden.

Erstaunlich, wie sehr Carl Theodor das Schloss auch während seiner Abwesenheit pflegen ließ. „Im Falle des früheren Ablebens des Kurfürsten wäre das Schloss auf die Kurfürstin übertragen worden. Es sollte ihr Alterssitz sein“, sagt Schweizer. Das Relief über dem Eingang mit Wappen und Putten, Löwen und Kurhut mache den Plan sichtbar: „Dort sieht man ein kleines Medaillon – es ist ein Porträt von ihr.“

Führungen, Konzerte und eine Ausstellung

Führungen im Schloss: etwa „Verborgene Räume“ oder „Handpuppenführung“ für Kinder ab 4 Jahren. Es gibt zudem ein Osterferienprogramm in den Museen (www.schloss-benrath.de).

Im Ostflügel war 80 Jahre lang ein Gymnasium untergebracht. Vom 27. April bis 28. Mai erinnert eine Ausstellung daran.

Beim „Schloss Benrath Lichterfest“, 30. Juni, spielen ab 22 Uhr die Düsseldorfer Symphoniker im Park. Sitzplatz ab 41 Euro.

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