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Schloss Styrum: Eine Schönheit im Schatten des Wasserturms

Das Schloss Styrum in Mülheim ist bereits über ein Jahrtausend alt. Zur Mülheimer Gartenschau im Jahr 1992 wurde es aufwendig renoviert.

Foto: Kerstin Bögeholz

Das Schloss Styrum in Mülheim ist bereits über ein Jahrtausend alt. Zur Mülheimer Gartenschau im Jahr 1992 wurde es aufwendig renoviert. Foto: Kerstin Bögeholz

Mülheim.  Das Schloss Styrum in Mülheim ist ein „Schloss für alle“. Im Schatten des Wasserturms gelegen beherbergt es im Keller ein Zierfisch-Aquarium.

Es ist schon eine Weile her, so kurz vor der Jahrtausendwende, da drehte Rainer Komers einen Film über das Schloss Styrum, dessen Titel es auf den Punkt brachte: „Ein Schloss für alle“. Genauso ist es noch heute, denn das Gemäuer an der Ruhr dient einer ganzen Reihe unterschiedlicher Zwecke. Wer heiraten oder anderweitig repräsentativ feiern möchte, kann dies gleich vor Ort tun: Ja-Wort in der Schlosskapelle, Feier im festlich eingedeckten Saal, der eigens für diese Zwecke geöffnet wird.

Zudem hat eine ganze Reihe von Künstlern, zu denen auch der Filmemacher Rainer Komers gehört, ihr Atelier in den Mauern von Schloss Styrum bezogen. Ein Glaspavillon, der wie ein Wintergarten anmutet, gehört zu einer Altentagesstätte. Und, oha, im Kellergewölbe gibt es Spinnen, Schlangen, Frösche und... ja, Fische, denn hier haben die Aquarienfreunde 07/48 ihre Becken und Terrarien gefüllt. Ein Schloss für alle eben. Und das seit mindestens 25 Jahren.

Große Renovierung zur Mülheimer Gartenschau

Denn im Jahr 1992 kam die Mülheimer Gartenschau MüGa – und bescherte dem Schloss eine große Renovierung. Nun sind 25 Jahre keine sonderlich große Zeitspanne für ein Bauwerk, das zum ersten Mal vor 950 Jahren, also im Jahr 1067, erwähnt wurde und dessen Kern zumindest bis ins 13. Jahrhundert datiert. 1992 wurde alles hübsch und neu, auch im sehr schmucken, aber nicht gerade herausragend imposanten Schlosspark.

Dort steht ein Bauwerk, das jenes altehrwürdige Gebäude schon seit recht langer Zeit in den Schatten stellt: der Wasserturm Aquarius, den Ruhrbaron August Thyssen 1893 dort errichten ließ. Kurz zuvor hatte er Schloss Styrum gekauft, Wohnsitz für die Generaldirektoren seiner Firma. „Ich habe mich manchmal gefragt: Warum hat Thyssen direkt neben das Schloss diesen Turm gesetzt? Man kann es fast als Symbol für die neue, industrialisierte Gesellschaft sehen – gegenüber der alten Adelsgesellschaft, für die das Schloss steht. Es symbolisiert vielleicht den Sieg der Industriepioniere, wie Thyssen einer war“, so Andreas Macat, Leiter des Aquarius Wassermuseums.

Der Wasserturm im Schlosspark

Dass Thyssen für sein Eisenwalzwerk Wasser brauchte und deshalb ein Wasserwerk ein paar hundert Meter weiter an der Ruhr errichtete, leuchtet ein. Warum aber der Turm in den Schlosspark musste, dafür gibt es keine Erklärung. Der Aquarius gehört der RWW, also der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft, und beherbergt ein hochmodernes Multimedia-Museum.

In diesem architektonisch eindrucksvollen, denkmalgeschützten Industriebau erfahren die Besucher auf 14 Ebenen alles, was sie über das kühle Nass wissen müssen, von der Entschlüsselung des Wassermoleküls durch Antoine Lavoisier, der widerlegte, dass es sich bei Wasser um ein Element handelt, bis hin zur modernen Wasserwirtschaft – und der Analyse des eigenen „Wasserfußabdrucks“, mit dem man ausrechnen kann, wie viel Wasser man durch seinen Lebensstil verbraucht.

Heute liegt der tägliche direkte Wasserverbrauch eines Menschen in Deutschland bei 120 Litern. Aber indirekt, etwa durch das zur Herstellung von Lebensmitteln, Kleidung und anderen Verbrauchsgütern verwendete Wasser, konsumieren wir vier- bis fünftausend Liter Wasser. Das klingt viel, wird aber deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass allein für die Herstellung der Kaffeebohnen in einer Tasse Kaffee gut 140 Liter Wasser notwendig sind.

500 Fische leben im Aquarium im Keller des Schlosses

Nun springen wir vom Aquarius zum Aquarium, das im Kellergewölbe des Schlosses seine Heimat hat. Hier treffen wir Dirk Herchenhahn, den Vorsitzenden der Aquarienfreunde 07/48, die gemeinsam mit der Gesellschaft für Aquarienkunde gut 500 schuppige Wasserbewohner beherbergt. Der Gewölbekeller stammt aus dem 13. Jahrhundert – und ist wohl der älteste Teil des Schlosses.

Die Wände sieht man hinter den prächtigen Aquarien, in denen etwa Ameca-Kärpflinge ihre Runden ziehen. Auch ein paar Vogelspinnen und eine Kornnatter kann man dort treffen, was jetzt etwas gruselig wäre, wenn sie nicht so hübsch in ihren Terrarien ausgestellt wären. Sonntagsnachmittags ist für Ausflügler geöffnet.

Die japanische Foto-Künstlerin Hiroko Inoue zu Gast

Auf der anderen Seite des Schlosses und zwei Etagen höher treffen wir Rainer Komers, der zurzeit die japanische Foto-Künstlerin Hiroko Inoue in seinem Atelier zu Gast hat, mit der er schon mehrere Projekte realisiert hat. Auf den Gängen vor den Ateliers sieht es noch ein bisschen hochherrschaftlich aus, die Ateliers hingegen sind eher Arbeitsräume. So wie der von Komers.

Gemeinsam mit Inoue war er aber auch schon in der japanischen Stadt Kobe, auf den Spuren des Erdbebens von 1995. Und auch hier, in vielen Einstellungen, die sich mit der Hafenstadt auseinandersetzen, findet sich als Leitmotiv das Wasser. Ebenso in den Fotoarbeiten von Hiroko Inoue, die das herabfallende Wasser an Industriekühltürmen im Revier abbildete. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, Styrum wäre ein Wasserschloss für alle.

>> Infos zum Schloss

Anschrift: Moritzstraße 102 in Mülheim, Haltestelle Bahnhof Styrum oder Meißelstraße. Ein Parkplatz ist am Schloss vorhanden.

Das Schloss ist nicht frei zugänglich, das Wassermuseum Aquarius öffnet täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr. Das Zierfisch-Aquarium im Schloss öffnet sonntags zwischen 13 und 15 Uhr.

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