Rund ums Ei

Alles, was Sie schon immer übers Ei wissen wollten...

Bunte Schale, köstlicher Kern: Jene Eier, die während der Fastenzeit nicht gegessen werden durften, wurden zu Ostereiern.

Foto: Ingo Otto

Bunte Schale, köstlicher Kern: Jene Eier, die während der Fastenzeit nicht gegessen werden durften, wurden zu Ostereiern. Foto: Ingo Otto

Essen.  Was das Osterei mit Goethe zu tun hat, welche Rolle der Hase spielt, warum man Eier so gut werfen kann und weshalb Wein heute aus dem Ei kommt.

Warum ausgerechnet Eier? Klar, es ist seit jeher ein Symbol für Fruchtbarkeit und Leben – weswegen es naheliegenderweise in Zusammenhang mit dem Osterfest im Allgemeinen und der Auferstehung Jesu im Besonderen gebracht wird. Das Schlüpfen des Kükens aus dem Ei ist für manche Betrachter vergleichbar mit dem Ausbrechen Jesu aus der Grabeshöhle. Sowohl bei den Griechen und Ägyptern, als auch bei Urchristen war es auch Brauch, Verstorbenen Eier mit ins Grab zu geben, um – auch in Bezug auf die Auferstehung – den Verstorbenen eine ebensolche zu ermöglichen.

Im Mittelalter durften in den sechs Wochen Fastenzeit neben Fleisch auch keine Eier verzehrt werden. Was die Hühner natürlich trotzdem nicht davon abhielt, Tag für Tag ein neues zu legen. Doch wohin mit dem verschmähten Nahrungsmittel – das auch noch als besonders heilig galt, wenn es aus der Karwoche stammte? Um diese Eier für einen längeren Zeitraum haltbar zu machen, wurden sie vorsorglich hart gekocht. Und um einer Verwechslung mit frischen Eiern vorzubeugen, in Farbe getaucht. Das damals bevorzugte Rot sollte an das Blut Christi erinnern. Längst erstrahlen Ostereier in sämtlichen Farben, die je nach Region traditionell eine unterschiedliche Bedeutung innehaben. Die Farbe Gelb kann den Wunsch nach Erleuchtung repräsentieren, Grün Jugend und Unschuld verkörpern und Orange Kraft und Ehrgeiz symbolisieren. Mittlerweile verfahren jedoch wohl die meisten nach der Prämisse: Hauptsache schön bunt. Denn je strahlender die Schale, umso eher wird das Ei schließlich in seinem Osterversteck gefunden.

Dass das Ostereiersuchen populär wurde, liegt an Deutschlands Dichterfürst: Johann Wolfgang von Goethe selbst fand – trotz einer nicht sonderlich christlichen Lebenseinstellung --, großen Gefallen an diesem Zeitvertreib. Mit 27 Jahren begann er, in seinem Garten in Weimar alljährlich die Kinder seiner Freunde und Bekannten zum Eiersuchen einzuladen; später richtete der Schriftsteller das Spektakel für seine Kinder und Enkelkinder aus. Eine Tradition war geboren.

Wie der Hase zum Ei kommt – und ins Wattenmeer

Was aber immer noch nicht erklärt, wie der Hase schlussendlich zum Ei kam. Das hat angeblich mal wieder alles mit dem lieben Geld zu tun: Früher wurden traditionell am Gründonnerstag Schulden beim Gläubiger getilgt – und Zinsen häufig mit Eiern und Hasen beglichen. Doch das ist nur eine mögliche Erklärung. Denn das Hasentier war immer schon mehr als ein köstlicher Braten im Ofen. Aphrodite, der griechischen Göttin der Liebe und der Schönheit, wurde der Hase ebenso als Symboltier zugeordnet wie der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin Ostera. Was dazu passt, dass Hasen sich wie die sprichwörtlichen Karnickel vermehren und jährlich rund 20 Junge zur Welt bringen. Und im Byzantinischen Reich stand der Hase tatsächlich für Jesus Christus. Als die Schokoladenindustrie in den ­1950er Jahren schließlich den Hasen für sich entdeckte, war die direkte Verbindung zu Ostern nicht mehr zu bremsen.

Im Übrigen gibt es tatsächlich einen Hasen, der Eier legt: Der Seehase ist (nicht nur) im Wattenmeer beheimatet, hat Flossen statt langer Ohren – und die weiblichen Seehasen produzieren den sogenannten deutschen oder falschen Kaviar. Der wiederum wunderbar zu hartgekochten Eiern passt. Kathrin Gemein

Im zweiten Leben ein Flugobjekt

Das Ei hat die perfekte Form. Und damit auch die perfekte Flugkurve. Diese Eigenschaft und der buchstäbliche Knalleffekt beim Auftreffen auf ein festes Hindernis machten das Ei zum Mittel der Wahl einer, nun ja, handfesten Protestkultur. Nördlich der Alpen wurden und werden bevorzugt Eier, gerne auch faule, geworfen, während es im mediterranen Raum eher Tomaten sind. Ziel sind zumeist Politiker (des jeweils anderen Lagers). So trafen 1966 die rohen Eier bei einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg die Fassade des Berliner Amerikahauses. Ein Ereignis mit Symbolcharakter: In Deutschland gab es von nun an eine Protestbewegung gegen den „großen Bruder“ USA. Historisch ähnlich einschneidend waren auch die Eierwürfe auf den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl am 10. Mai 1991 während seines Besuchs in Halle. Rückblickend gilt dieses Datum als der Tag, ab dem die deutsche Wiedervereinigung eben nicht mehr nur „Friede, Freude, Eierkuchen“ war. (cle)

Das moderne Weinfass ist ein Ei

Bislang lautete bei der Weinherstellung die Grundsatzfrage: Barriquefass oder Stahltank? Immer häufiger aber werden Weine im Beton-Ei gereift. Und das hat seinen Namen tatsächlich von seiner Form. Die nämlich erinnert nicht nur so ungefähr an ein Ei, sie gleicht letzterem tatsächlich wie eines dem anderen. Denn das Ei ist perfekt geformt: Es folgt dem goldenen Schnitt und seine Statik ist trotz hauchdünner Schale beispielslos stabil – weshalb diese Form ja auch bei historischen Kuppelbauten buchstäblich zum Tragen kommt. Beim Wein aber ist ein anderer Aspekt wichtig: Im Ei gibt es keinen toten Winkel. Der Wein zirkuliert und reift so gleichmäßiger als im klassischen Fass. Aus Beton ist das Beton-Ei schließlich, weil dieser Baustoff – ähnlich den klassischen Holzfässern ­– atmet, durch winzige Poren also einen Luftaustausch möglich macht. Nur den Holzgeschmack, den besonders beim Weißwein immer weniger Winzer wünschen, überträgt der Beton natürlich nicht. Übrigens: Schon die Massenweine der 1970er- und 1980er-Jahre wurden gerne in Betontanks ausgebaut. Allerdings waren diese noch fassrund und im Inneren mit Harzen oder Lacken versiegelt. Mit dem Beton-Ei hatten sie also so gut wie nichts gemein. (cle)

Wissenswertes über Calimero

Am Anfang war das Ei. Genauer gesagt waren es fünf, als Calimero, das Zeichentrickküken, am Abend des 14. Juli 1963 im italienischen Schwarzweißfernsehen das Licht der Welt erblickte. Doch mehr als die vier Silben seines Namens braucht es bis heute nicht, damit gleich mehrere Generationen eine leicht nervige Melodie im Ohr haben: „Cali-mero / mit Som-brero / Küken aus Palermo / du bist unser großer Heee-ro.“ Der Rest ist Geschichte: schwarzes Küken, halbe Eierschale auf dem Kopf, trauriger Blick, Kindheitserinnerung! Oder auch nicht. Denn Calimeros Geschichte ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Missverständnis 1: Calimero ist nicht schwarz. Als er 1963 aus Ei Nr. 5 schlüpfte, war er so weiß wie seine vier Geschwister. Erst ein unfreiwilliges, postnatales Schlammbad verdunkelte sein Gefieder dermaßen, dass ihn sogar seine Mutter nicht mehr als eigen Fleisch und Blut erkennen wollte. Missverständnis 2: Hängt unmittelbar damit zusammen, denn Calimero war ursprünglich bloß Werbebotschafter für das Waschmittel AVA, in dessen Spots und Lauge das arme, angeschwärzte Küken zum Happy End stets wieder blütenweiß gewaschen wurde. Missverständis 3: Der deutsche Titelsong. Denn Calimeros Kopfbedeckung ist ebensowenig ein „Sombrero“ wie es sich um ein „Küken aus Palermo“ handelt. Italienkundige dürften es stets an Landschaft, Kleidung und Gebräuchen erkannt haben: Calimero, benannt nach einer Mailänder Kirche, stammt – wie seine Schöpfer Toni und Nino Pagot – aus Norditalien. Kurzum: So wie die späteren TV-Serien- und 3D-Adaptionen, DVDs und Kinderbücher Calimeros temporäres schwarzes Federkleid zum Wesensmerkmal umdichteten, opferten die deutschen Titelsongtexter seine regionale Identität einem zweitklassigen Reim. „È un’ingiustizia però!“ sagt Calimero gern und oft (im Original angeblich sogar mit venezianischem Akzent): „Aber das ist ungerecht!“ Und wer wollte da widersprechen? (csch)

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