Innovation Day

Ruhrgebiet will Medizintechniker aus ganz Deutschland locken

„Ichó“ heißt die interaktive Therapiekugel, die Maximilian Friedrich und drei seiner Mitstudenten aus Düsseldorf entwickelt haben.

Foto: Knut Vahlensieck

„Ichó“ heißt die interaktive Therapiekugel, die Maximilian Friedrich und drei seiner Mitstudenten aus Düsseldorf entwickelt haben. Foto: Knut Vahlensieck

Essen.   Düsseldorfer Studenten präsentieren eine Therapie-Kugel für Demenzkranke. Ein Bochumer Unternehmer unterstützt sie bei der Innovation.

Vier Studenten aus Düsseldorf haben eine interaktive Kugel entwickelt, die bei der Therapie Demenzkranker zum Einsatz kommen soll. Sie wissen, dass sie ohne Partner und Kapital ihren „ichó“ nicht auf den Markt bringen können. Deshalb haben sie sich beim Innovation Day der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr beworben. Am Montag durften die Studenten in Essen ihren Prototypen einem namhaften Fachpublikum aus der Medizintechnik vorstellen – in der Hoffnung, dass etablierte Konzerne auf ihre Erfindung aufmerksam werden.

Die Gesundheitswirtschaft im Ruhrgebiet hat die Industrie knapp als größten Arbeitgeber im Ruhrgebiet abgelöst. „Wir haben hier in der Metropole Ruhr beste Voraussetzungen, um bei der Medizintechnik und den Gesundheitsdienstleistungen wie Telemedizin oder digitale Patientenbetreuung zum süddeutschen Raum aufzuschließen“, sagt Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr. Um junge Unternehmen der Branche ins Revier zu locken, hat er bundesweit Start-ups aufgerufen, sich zu melden. 40 Projekte gingen ein. Eine Jury wählte zehn aus.

Therapie-Kugel für Demenzkranke

Sie durften sich am Montag nicht nur auf der Zeche Zollverein in Essen präsentieren, sie bekamen auch Unterstützung an die Hand. So wie Maximilian Friedrich, Leftheri Efthimiadis, Mario Kascholke und Steffen Preuß. Die Düsseldorfer Studenten mit ihrer „ichó“-Entwicklung für die Therapie Demenzkranker nahm der Bochumer Unternehmer Guido Beck unter seine Fittiche. Vor 25 Jahren hat er sich selbst mit seiner Agentur Beckdesign selbstständig gemacht. Sie hat inzwischen 20 Mitarbeiter und beliefert Kunden von Bochum aus mit Konzepten für Kommunikation, Design und Vermarktung. „Auch mir wurde in der Anfangsphase geholfen“, sagt Beck.

Deshalb engagiert er sich seit sechs Jahren als Mentor für das Bochumer Programm „Senkrechtstarter“ und ist nun auch beim Innovation Day dabei. Nur vier Wochen hatte er Zeit, Kontakte zu knüpfen und einen seiner Kunden zu überreden, einen Prototypen für den „ichó“ zu bauen, den es bis dahin noch gar nicht gab. Pünktlich zur Präsentation gestern in Essen war der Ball fertig. Die Düsseldorfer Studenten haben ihn mit Sensoren, Licht- und Geräuscheffekten ausgestattet.

„Wir brauchen einen finanzstarken Partner.“

„Die Technik soll die Demenzkranken bei ihrer Motorik und Kommunikation unterstützen“, sagt Leftheri Efthimiadis. Seit rund zwei Jahren tüftelt er mit seinen Kommilitonen an der Innovation. Bis zur Serienreife ist es aber noch ein weiter Weg. „Wir brauchen einen finanzstarken Partner“, erklärt Maximilian Friedrich.

Das sieht auch ihr Mentor so: „Diesen Sprung schafft ein Start-up nicht allein. Das ist eine Sackgasse“, sagt Guido Beck. Allein die Herstellung der Spritzguss-Form für den Ball koste gut und gern 150 000 Euro. Große Medizintechnik-Unternehmen saßen gestern im Saal, als „ichó“ präsentiert wurde. Ob eines anbeißt und auf Zollverein vertretene Start-ups demnächst im Ruhrgebiet entwickeln und produzieren werden, wird die Zukunft zeigen.

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