Umfrage

Einzelhändler spüren die Online-Konkurrenz im Nacken

Beim Altstadtfest in Bad Laasphe ist der Besucher-Andrang erfahrungsgemäß groß – und ein verkaufsoffener Sonntag für die Händler daher besonders attraktiv.

Foto: Wolfgang Thiel

Beim Altstadtfest in Bad Laasphe ist der Besucher-Andrang erfahrungsgemäß groß – und ein verkaufsoffener Sonntag für die Händler daher besonders attraktiv. Foto: Wolfgang Thiel

Siegen-Wittgenstein.   Eine Blitz-Umfrage der IHK zum Thema „Verkaufsoffene Sonntage" zeigt auch: Oft zwingt der Druck von Mitbewerbern zum Mitmachen.

„Je stärker die Online-Konkurrenz im Nacken des stationären Einzelhandels sitzt, desto wichtiger sind für die Unternehmen verkaufsoffene Sonntage als Marketing-Instrument.“ Mit diesen Worten fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener die vorliegenden Ergebnisse einer aktuellen Blitz-Umfrage im heimischen Einzelhandel zusammen.

127 Händler aus Wittgenstein, Siegerland und Olpe haben sich an der Umfrage beteiligt. „Vor allem Firmen, die in den Segmenten Schuhe, Lederwaren und Bekleidung unterwegs sind, sehen in verkaufsoffenen Sonntagen eine große Chance, ihr Dienstleistungsspektrum einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und sich damit deutlich von der Online-Konkurrenz abzuheben“, erläutert Gräbener. „Für die Lebensmittel-Sparte spielen verkaufsoffene Sonntage indessen derzeit noch keine herausragende Rolle.“

Verkäufer im Internet kennen keinen Ladenschluss

61 Prozent der befragten Händler halten die verkaufsoffenen Sonntage als Imageträger für die langfristige Kundenbindung für „wichtig“ oder „sehr wichtig“.Die IHK hatte die Unternehmen befragt, weil zuletzt etliche Gerichte den in NRW durch die Landesregierung im Jahre 2013 wieder eingeführten „Anlassbezug“ tendenziell restriktiv auslegten und der kommunalen Genehmigungspraxis für verkaufsoffene Sonntage dadurch spürbare Fesseln angelegt wurden. Klaus Gräbener: „Das alles ist aus Sicht nennenswerter Teile des stationären Handels nur schwer nachvollziehbar. Online-Händler kennen schließlich auch keinen Ladenschluss. Und einen Anlassbezug für deren Tätigwerden an Wochenenden fordert auch niemand. Im Gegenteil: Sie machen ihre besten Geschäfte an Sonn- und Feiertagen. Ohne dass irgendjemand protestiert. Das stößt Teilen des stationären Handels offenbar bitter auf.“

80 Prozent seines Umsatzes macht der Bad Laaspher Foto-Fachhändler Martin Achatzi inzwischen mit seinem Online-Shop, den er schon seit 1994 betreibt.Er hat den Bogen raus bei der Vermarktung seines Sortiments, bietet die Ware sowohl der lokalen Kundschaft in seinem Laden an der Lahnstraße an, als auch potenziellen Käufern darüber hinaus im Internet.

Martin Achatzi: Die Mischung macht’s

Was bringt dem Unternehmer die Präsenz im Internet für den Bereich Verkauf und Marketing tatsächlich? „Gerade der Multichannel-Händler hat derzeit Erfolge“, hat Achatzi festgestellt. „Also jener, der einen ,echten’ Laden, eine Online-Präsenz sowie eine Seite in den Sozialen Medien bespielt. Die reinen Online-Versender, die Garagen-Händler sind dagegen auf dem Rückzug.“

Müssten zum Beispiel heimische mittelständische Unternehmen da womöglich mehr tun? „Heimische Händler sollten zumindest eine Facebook-Seite haben“, findet Achatzi. „Das kostet rein gar nichts. Nur wer online zu finden ist, hat auch die Chance zum Kontakt mit neuen Kunden. Denn dieser sucht zuerst im Netz.“

Zahl der Tage beibehalten

48 Prozent der Händler sagen: Die Zahl der offenen Sonntage ist genau richtig bemessen. Sie sollte deshalb beibehalten werden. Die Umfrage brachte außerdem hervor, dass sich zwei Drittel der befragten Einzelhändler an verkaufsoffenen Sonntagen beteiligen.

Knapp ein Drittel vertritt die Auffassung, dass Laden-Öffnungen am Sonntag häufiger vorkommen sollten. Jeder fünfte Einzelhändler meint hingegen, der Staat solle die Anzahl reduzieren.

Stadtfest als Erfolgsgarant

52 Prozent sehen ein gleichzeitiges Event wie etwa ein Stadtfest als Erfolgsgaranten. In dieser Frage liegen die Meinungen nahe beieinander. Zudem würden immerhin zwei Fünftel der Händler eine Gesetzesinitiative unterstützen, die eine Laden-Öffnung an einem Sonntag ohne den so genannten Anlassbezug ermöglicht. Dazu IHK-Handelsreferent Marco Butz: „Dies erstaunt umso mehr, als etliche Unternehmen in der Umfrage anmerkten, man sollte an sich die Geschäfte an Sonntagen geschlossen halten. Diese Händler machen gewissermaßen bei der Sonntagsöffnung nur mit, weil alle anderen auch mitmachen. Sie lassen sich daher bei dieser Frage nicht allein von der eigenen persönlichen Einschätzung leiten, sondern von der Konkurrenz-Situation im bearbeiteten Markt.“

Wie wichtig ein verkaufsoffener Sonntag für das eigene Geschäft ist, scheint daher maßgeblich von den angebotenen Produkten und Dienstleistungen beeinflusst zu werden. Marco Butz: „Wer Bekleidung oder Schuhe anbietet, der schätzt an verkaufsoffenen Sonntagen vor allem die Möglichkeit, das Beratungs- und Service-Angebot zu präsentieren und in einer entspannten Atmosphäre neue Kunden anzusprechen. Wer hingegen Produkte des täglichen Bedarfs führt, für den spielt dies nur eine untergeordnete Rolle.“

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