Wirtschaft

Wittener Verein verbindet Öko-Landbau mit Bildung

Am Christopherushof im Wullen möchte der Verein ein Grundstück nutzen, um dort Gemüse und Heilkräuter anzubauen. Dadurch soll auch eine Vernetzung mit Medizinstudenten der Universität stattfinden, die das Gelände betreuen und dabei Punkte für ihr Studium sammeln könnten.

Foto: Hans Blossey

Am Christopherushof im Wullen möchte der Verein ein Grundstück nutzen, um dort Gemüse und Heilkräuter anzubauen. Dadurch soll auch eine Vernetzung mit Medizinstudenten der Universität stattfinden, die das Gelände betreuen und dabei Punkte für ihr Studium sammeln könnten. Foto: Hans Blossey

witten.   Am Annener Berg lernen Kinder Schafzucht, Flüchtlinge können an Brauckstraße Gemüse pflanzen. Verein will Mensch und Umwelt in Einklang bringen.

Ob Waldorf-Institut mit europaweiter Lehrerausbildung, Blote-Vogel-Schule oder vielleicht bald mit Flüchtingshaus – der Annener Berg hat sich immer schon als Zukunftsort verstanden. Jetzt peilt der dort gegründete Verein „Entwicklungsgesellschaft für ganzheitliche Bildung“ neue Projekte an, denen natürlich auch das Menschenbild Rudolf Steiners innewohnt.

Besonders junge Leute sollen aktiv an Landbau und Ökologie, an Ernährung und Gesundheit, aber auch an wirtschaftliche Zusammenhänge herangeführt werden und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Die im Oktober vorigen Jahres gegründete Entwicklungsgesellschaft geht auf eine Elterninitative der Blote-Vogel-Schule von 2014 zurück. 20 Mitglieder hat der Verein aktuell, im fünfköpfigen Vorstand sitzt auch VHS-Projektleiter Markus Wiebusch. „Denn wir wollen uns weiter mit Bildungs- und Sozialinstitutionen vernetzen“, sagt Benjamin Greulich. Der 41-jährige Herdecker ist ein Schülervater und Gründungsmitglied des Vereins.

Zu den Partnern und Förderern zählen die Stiftungsbank GLS Treuhand, die einen niedrigen fünfstelligen Betrag beisteuerte, damit der Verein gegründet werden konnte, die Herdecker Dörken-Stiftung, Rolf Ostermann („er ist ein Unterstützer der ersten Stunde“, so Greulich) und in Zukunft die Kulturinitiative Stellwerk, die bereits das Wiesenviertel im Herzen Wittens belebte. „Deshalb hätten wir auch Philip Asshauer vom Stellwerk gerne im Kuratorium“, meint der 41-Jährige.

Der Verein ist zudem Träger der „Bildungssolidarischen Landwirtschaft“ (Bisolawi). Darin werden die Ansätze der Entwicklungsgesellschaft greifbar: „Ab März bieten wir einen Grundkurs Schafhaltung an. Außerdem starten wir im selben Monat an der Flüchtlingsunterkunft Brauckstraße mit Urban Gardening. Die Menschen sollen den Garten dort selbst verwalten und können das angepflanzte Gemüse gleich für sich verwerten“, gibt Greulich Beispiele für die Bisolawi-Lebenspraxis.

Der Verein ist gerade in der Antragsphase mit bundesweiten Stiftungen, um die dreijährige Entwicklungszeit der Bildungssolidarischen Landwirtschaft auf ein gesichertes Fundament zu stellen. Außerdem sind 15 Jugendliche in einer berufsvorbereitenden VHS-Bildungsmaßnahme am Annener Berg mit Gehölz- und Heckenschnitt beschäftigt, als nächsten Schritt bauen sie Gemüse am Stockumger Vöckenberg an.

„Daher und vom Demeter-Gärtnerhof am Annener Berg kommen erste Mengen, um sie an Küchen wie jener der Blote-Vogel-Schule oder des dortigen Kindergartens abgeben zu können“, beschreibt Greulich das System. Und weiter: „Um wirtschaftlich tragfähig zu sein, ist es unser Ziel, mehr Mitglieder zu finden und auf zehn Hektar Anbaufläche zu kommen.“

Dafür ist auch ein Grundstück neben dem Christopherushof im Wullen im Visier, wo Gemüse und Heilkräuter angebaut werden. Dadurch soll eine Vernetzung mit Medizinstudenten der Uni erfolgen, die das Gelände betreuen und dabei Punkte für ihr Studium sammeln könnten, so schwebt es den Vereinsmitgliedern vor. Außerdem sei man bereits mit Stadtbaurat Rommelfanger im Gespräch, um eine Randfläche des Pferdebachtals als Schafsweide zu nutzen. Allerdings nur auf Zeit und ohne Zäune zu setzen.

Die Wiesenviertelkneipe Knut’s tischt bereits Dortmunder Bio-Rindfleisch aus einer Bisolawi-Kooperation auf. Künftig sollen da noch mehr solche Produkte landen. So rollt sich allmählich ein roter Faden vom Annener Berg über das Uni-Umfeld bis mitten in die Stadt.

Der Verein sucht weiterhin neue Mitglieder. Sie können sich über www.entwicklungs-gesellschaft.org informieren. Über die Seite bekommen Interessenten auch Kontakt zu Gründungsmitglied Benjamin Greulich.

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