Gesundheit

Wittener Forscher sagt Krebs den Kampf an

Prof. Florian Kreppel in seinem Labor in Witten-Annen. Mit getarnten Viren und chemischen Tricks will der 44-Jährige bösartige Tumore zerstören. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Prof. Florian Kreppel in seinem Labor in Witten-Annen. Mit getarnten Viren und chemischen Tricks will der 44-Jährige bösartige Tumore zerstören. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.   Prof. Florian Kreppel arbeitet mit seinem Team an der Uni Witten/Herdecke an einer neuen Krebstherapie. Erkältungsviren sollen Tumore zerstören.

Dass manche Krebserkrankungen vielleicht einmal mit Erkältungsviren bekämpft werden können – daran forscht derzeit ein Wissenschaftlerteam an der Uni Witten/Herdecke unter der Leitung von Prof. Florian Kreppel. Der Biochemiker ist dort seit Oktober Inhaber des neuen Lehrstuhls für Biochemie und molekulare Medizin. Der 44-Jährige wechselte von der Universität Ulm in die Ruhrstadt.

Bereits seit zehn Jahren beschäftigt sich Kreppel mit der Entwicklung einer neuen, zusätzlichen Waffe gegen den Krebs. In Witten arbeitet der gebürtige Münchner mit einem achtköpfigen Team aus Biochemikern, Biologen, Biotechnologen und Medizinern zusammen. Das Ziel: Erkältungsviren sollen so verändert werden, dass sie vom menschlichen Immunsystem unbemerkt in das Tumorgewebe eindringen können und es von innen zerstören.

Das Immunsystem des Erkrankten wird alarmiert

„Wir arbeiten mit einem bestimmten Erkältungsvirus, das wir in einen Tumor injizieren. Das Virus vermehrt sich in den Tumorzellen bis diese platzen“, erläutert der Wissenschaftler. Dadurch werde das Virus freigesetzt und könne in benachbarte Tumorzellen eindringen. „Das Virus erzeugt also einen erheblichen Schaden im Tumor.“ Dadurch werde wiederum das Immunsystem des Erkrankten alarmiert. „Gemeinsam mit dem Virus bekämpft es den Tumor“, so Kreppel.

Da Tumore und Metastasen im menschlichen Körper an schlecht erreichbaren Stellen sitzen können, möchten Kreppel und sein Wissenschaftlerteam diese über die Blutbahn erreichen. Nur könne man Viren nicht einfach in die Blutbahn spritzen. „Denn sie werden dort vom Blutsystem angegriffen und neutralisiert.“ Um dies zu verhindern, hat der Professor den Viren im Labor sogenannte molekulare „Badehauben“ verpasst. „Und zwar genau an den Stellen, an denen das Blutsystem die Viren angreift.“ Die „Badehaube“ ist ein Kunststoff. „Mit einer kleinen genetischen Veränderung auf der Virusoberfläche und einer chemischen Reaktion kann ich die ,Badehaube’ auf dem Virus anbringen. So werden die Viren nicht mehr vom Immunsystem erkannt.“

Mehrere Jahre Arbeit im Labor bis zur klinischen Studie

Der Biochemiker und sein Team rechnen mit mehreren Jahren Arbeit im Labor, bis die neue Therapie einmal in klinischen Studien am Menschen zeigen muss, „ob sie funktioniert“. Was Florian Kreppel wichtig ist: „Die neue Therapie wird bereits bestehende Behandlungsmöglichkeiten ergänzen können. Sie wird eine zusätzliche Option sein, aber zum Beispiel keine Chemotherapie ersetzen.“ Es gehe darum, einmal „eine zusätzliche neue Waffe gegen den Krebs in der Hand zu haben“.

Die getarnten Viren werden ihre Arbeit nur an gut durchbluteten Tumoren verrichten können. Kreppel: „Wir konzentrieren uns derzeit auf die Behandlung von Leberkrebs.“ Aber die Therapie könnte auch bei Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs Wirkung zeigen. „Denn das sind Krebsarten, die in der Regel gut durchblutet sind.“

„Ich habe in Witten eine große Forschungsfreiheit“

Der Biochemiker setzt nicht nur Viren „Badehauben“ auf, sondern auch synthetischen Trägersubstanzen, „die man als Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten einsetzen kann, gegen die es bislang keine Impfstoffe gibt – zum Beispiel Hepatitis C“.

Worüber sich der 44-jährige Professor freut: „Ich habe in Witten eine große Forschungsfreiheit. Das ist notwendig, um auch Erfolg zu haben.“

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