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Türkei-Politik spaltet Familien und Freunde in Witten

Setzen sich für Demokratie in der Türkei ein: Jürgen Wolf, Joachim Schramm, Knut Unger (v. li., hinten) sowie Hüseyin Colak, Zülfü Altunok und Ralph Klein (v.li., vorne) vom neuen Wittener Forum. Das lädt am 20. 3. zu einer Infoveranstaltung über das Verfassungsreferendum nach Heven ein.

Foto: Thomas Nitsche

Setzen sich für Demokratie in der Türkei ein: Jürgen Wolf, Joachim Schramm, Knut Unger (v. li., hinten) sowie Hüseyin Colak, Zülfü Altunok und Ralph Klein (v.li., vorne) vom neuen Wittener Forum. Das lädt am 20. 3. zu einer Infoveranstaltung über das Verfassungsreferendum nach Heven ein. Foto: Thomas Nitsche

witten.   Die Politik Erdogans spaltet die türkische Gemeinde in Witten. Eine Initiative ruft zum Nein beim Verfassungsreferendum auf. Es gibt sogar Angst.

Die Botschaft klingt drängend und klar: „Sagt Nein zum Verfassungsreferendum am 16. April! Sagt Nein zur Alleinherrschaft von Erdogan!“ Dieser Aufruf steht auf einem Handzettel, mit dem das neu gegründete „Wittener Forum für Demokratie und Menschenrechte in der Türkei“ am heutigen Montag um 18.30 Uhr zu einer Info-Veranstaltung ins Hevener Vereinslokal „Zur Dritten Halbzeit“ am Haldenweg 2 einlädt. Der Eintritt ist frei.

„Was ist das Verfassungsreferendum überhaupt? Wie ist es dazu gekommen? Welche Kräfte stehen dahinter? Das sind einige der Fragen, die an diesem Abend beantwortet werden sollen“, sagt Knut Unger von der neuen Wittener Initiative. Außerdem wird der Journalist und Politologe Ismail Küpeli, der die Vorgänge in der Türkei seit langem intensiv beobachtet, am Haldenweg darüber erzählen und Nachfragen der Zuhörer beantworten.

2477 Bürger mit türkischer Staatsbürgerschaft in Witten

Denn auch die Wittener lässt die gesellschaftspolitische Entwicklung in der Türkei nicht kalt. Allein schon deshalb, weil 2477 Bürger mit türkischer Staatsbürgerschaft in der Ruhrstadt leben. 1550 von ihnen sind im wahlberechtigten Alter, können also beim Referendum, das Erdogan noch mehr Macht geben würde, abstimmen. Aber natürlich leben in Witten weitaus mehr Menschen mit türkischen Wurzeln, die längst die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben oder deren Eltern oder Großeltern einst von dort kamen.

„Ich sehe hier, dass Gäste türkischer Herkunft, die früher noch Freunde waren, sehr gespalten über die Politik dort sind. Das ist traurig“, erzählt ein Wittener Caféhaus-Inhaber, der selbst kurdischen Ursprungs ist und seit über 40 Jahren in der Ruhrstadt lebt.

„Inzwischen geht der Riss durch ganze Familien“, hat auch Jürgen Wolf von den Wittener Linken und Mitbegründer des neuen Forums festgestellt. Dieser Initiative gehören 12 bis 15 Einzelpersonen und Vertreter unterschiedlicher Gruppen wie der Mieterverein, das Friedensforum und das soziokulturelle Zentrum „Trotz Allem“ an.

Nicht nur auf Hilfe aus Deutschland von oben warten

Mitstreiter Zülfü Altunok meint: „Unser Haus – also die Türkei – brennt. Aber wir können nicht nur erwarten, dass politische Hilfe aus Deutschland von oben kommt. Auch die Basis in Witten sollte selbst die Initiative ergreifen. Und wir dürfen uns nicht gegeneinander ausspielen lassen.“

Dass die Gefahr droht, teils sogar Angst herrscht, zeigte sich bei unserer Umfrage, in der sich zahlreiche türkische Mitbürger nicht äußern wollten. So meinte ein Befragter, der um seine Familienmitglieder in Istanbul fürchtet: „Im Internet-Zeitalter kann das doch jeder überall lesen.“

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