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Automat am Wittener Bahnhof wäscht Fahrrad

Für den Leiter der Radstation Frank Lojda ist die neue Technik ein echter Hingucker für Radfreunde.

Foto: Thomas Nitsche

Für den Leiter der Radstation Frank Lojda ist die neue Technik ein echter Hingucker für Radfreunde. Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Die Radstation am Bahnhof hat eine neue Waschanlage. In fünf Minuten beseitigt sie Dreck und Schmutz – schonend und umweltfreundlich.

Etwas enttäuscht ist Frank Lojda, als er mein Fahrrad sieht, das gerade erst aus dem Winterschlaf aufgewacht ist. „Das ist ja gar nicht dreckig“, sagt der Leiter der Radstation am Bahnhof. Doch der 51-Jährige hat Erbarmen: Mein etwas zu sauberes Rad darf die neue Waschanlage testen, die seit gestern im Hinterhof der Radstation steht. In rund fünf Minuten soll der Automat das Gefährt blitzeblank putzen. „Zuerst kommt die Vorwäsche“, sagt Lojda und sprüht mein Rad mit einem Schlauch ab. „Die funktioniert noch händisch und ist in diesem Fall natürlich eigentlich gar nicht nötig.“ Danach schiebt Lojda mein Rad an zwei rotierenden Bürsten vorbei, einmal in die eine Richtung und einmal in die andere. Wie in einer Mini-Auto-Waschanlage sehen die blauen Puschel aus, die sich unentwegt drehen. „Das ist ganz feines Bürsten, die noch schonender sind als das fürs Auto“, sagt Lojda.

Zehn Wasserdüsen im Innern der Anlage sollen zudem dafür sorgen, dass alle Stellen erreicht werden. „Sie sind flexibel einstellbar“, sagt der 51-Jährige. Mehr als zehn Räder hat er bereits am ersten Tag dieser Spezialbehandlung unterzogen. Auch die Polizei habe sich schon über das neue Angebot informiert. Fünf Euro kostet die kleine Reinigung (die in meinem Fall gereicht hätte, wie Lojda mehrmals betont) – und sieben Euro die große, bei der Vorwäsche und Trocknen inklusive sind. Wer sein Rad zur großen Inspektion am Bahnhof abgibt, erhält die Wäsche umsonst.

Das Trocknen erfolgt noch per Hand

Als die Maschine mein Rad genug geschrubbt hat, ist das Trocknen dran. Da ist dann doch nochmal Handarbeit gefragt. Mit einem Lappen wischt Mitarbeiter Stephan Gerke alle Wassertropfen vom Rahmen ab. Alles in allem dauert das Ganze keine fünf Minuten. „Das ist für uns eine echte Arbeitserleichterung“, sagt Frank Lojda. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum er sich das 14 000 teure Gerät angeschafft hat. „Es ist eine neue Attraktion für alle Radfreunde“, sagt der 51-Jährige. „So eine Anlage gibt es in der Umgebung immerhin noch nicht.“

Wenn er seinen Kunden von seiner neuen Errungenschaft erzähle , reagierten viele zunächst ungläubig. „Sie haben die Befürchtung, dass das Rad halbdreckig wieder rauskommt oder Wasser ins Tretlager kommt“, sagt Lojda. Doch die automatische Waschstation sei für alle Zweiräder geeignet – vom elektronischen bis zum Profirennrad.

Das Verfahren soll umweltfreundlich sein

„Und das alles vollkommen umweltfreundlich“, sagt Lojda. Die Anlage habe einen geschlossenen Wasserkreislauf mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 120 Litern. „Durch verschiedene Filter gelangt kein Öl oder Fett ins Wasser.“ Erst wenn das Wasser durch feine Staubkörner oder ähnliches verschmutzt sei, müsse er es austauschen. Wie er auf die Idee gekommen ist, die moderne Technik anzuschaffen? „Ich habe die Anlage bei Kollegen in Münster gesehen und sie mir dann nochmal auf einer Messe in Friedrichshafen angeschaut. Danach habe ich sie sofort bestellt.“

Wer das Gerät mal ganz für sich haben will, kann es übrigens auch buchen: Ein halber Tag kostet um die 400 Euro zuzüglich Steuern. „Wir schieben dann so viele Räder durch, wie wir können“, sagt Lojda.

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