Sexueller Missbrauch

Polizei Oberhausen sucht Sex-Straftäter über Aktenzeichen XY

Der gesuchte Mann ist mittleren Alters, circa 1,70 Meter groß und trug bei beiden Übergriffen blaue Arbeitskleidung. Für Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen, ist eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro ausgelobt.

Foto: Tom Thöne

Der gesuchte Mann ist mittleren Alters, circa 1,70 Meter groß und trug bei beiden Übergriffen blaue Arbeitskleidung. Für Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen, ist eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro ausgelobt. Foto: Tom Thöne

Oberhausen.   Drei Mädchen hat ein Mann mittleren Alters in Oberhausen missbraucht. Knapp drei Jahre nach dem ersten Übergriff fehlt eine heiße Spur vom Täter.

Dieser Fall beschäftigt Kriminalhauptkommissarin Anja Kurz nun schon seit fast drei Jahren: Ein Mann lockt insgesamt drei junge Mädchen in Kellerräume und missbraucht sie dort sexuell. Es gibt zahlreiche Hinweise und Spuren, eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro ist ausgesetzt, doch die Taten sind bis heute ungeklärt, der Unbekannte ist weiter auf freiem Fuß. „Einen solchen Fall hatte ich noch nicht“, sagt selbst die erfahrene Ermittlerin Kurz. Seit über 30 Jahren ist sie bei der Polizei.

Seit 2003 arbeitet sie beim Kriminalkommissariat 11 der Polizei Oberhausen an der Aufklärung von Sexualdelikten. Mit dem kniffligsten Fall ihres Berufslebens geht sie nun in die TV-Sendung „Aktenzeichen XY“ (Mittwoch, 26. April, 20.15 Uhr/ZDF), um vielleicht auf diesem Weg doch noch den entscheidenden Tipp zu bekommen, der bei der Klärung den Durchbruch bringt.

DNA-Material an den Tatorten sichergestellt

Der Mann schlägt erstmals am 25. Juli 2014 auf der Straße Flockenfeld in Alstaden zu. Nachmittags gegen 15 Uhr spricht er eine Fünfjährige an, die draußen gespielt hat. Gemeinsam gehen beide ins Wohnhaus des Kindes. Dort zwingt der Unbekannte das Mädchen, ihn im Genitalbereich anzufassen. Kurz darauf kann er verschwinden. Am 20. Mai 2016 gegen 18.30 Uhr folgt dann eine weitere Tat im Wohnpark Bebelstraße, wo der Mann zwei Schwestern (fünf und sieben Jahre jung) vor der Haustür eines Wohnblocks abfängt, sie nach dem Keller fragt und beide dort nach dem gleichen Muster missbraucht. Nicht ausschließen kann die Polizei, dass es noch weitere Taten des Mannes gegeben hat. „Ich kann mir vorstellen, dass Mädchen so etwas aus Scham verschweigen. Das ist schließlich so ein Fall, wo Eltern ihre Kinder immer vor warnen“, sagt Kriminalhauptkommissarin Kurz.

Es gibt Kriminalfälle, da hat die Polizei eine schlechtere Ausgangslage als bei diesem: Nach den Übergriffen haben die Ermittler DNA-Material des Mannes an den Tatorten sichergestellt. So ist inzwischen zwar gesichert, dass der Unbekannte für beide Fälle verantwortlich ist. Allerdings ist der Mann offenbar noch nie erkennungsdienstlich behandelt worden, einen zur DNA passenden Namen gibt es in der Datenbank der Polizei bislang nicht.

Den Opfern Fotos von Verdächtigen gezeigt

Auf die Veröffentlichung eines Phantombildes, das auf Basis der Beschreibung der beiden Schwestern erstellt worden ist, seien 160 Hinweise auf den möglichen Täter eingegangen, erzählt Kurz, etliche davon auch mit konkreten Namen. Allen ist die Polizei nachgegangen, 60 Männer mussten Speichelproben abgeben, den Opfern wurden dutzende Fotos möglicher Verdächtiger vorgelegt, ein Treffer ist nicht darunter gewesen. Die Crux für die Ermittler: „So sehen viele Menschen in dem Alter aus. Der Mann hat einfach ein Allerweltsgesicht.“ Und selbst das Wissen, dass der Unbekannte am Wohnpark Bebelstraße im Gegensatz zur ersten Tat im Besitz eines Schlüssels war, ist für die Polizei nahezu wertlos. „Es ist gar nicht überschaubar, wie viele davon im Umlauf sind“, sagt Kurz, „das macht es so schwierig.“

„Die heißeste Spur hatten wir kurz nach der zweiten Tat“, erinnert sich Kurz. Der Unbekannte soll den Schwestern im Wohnpark Bebelstraße gesagt haben, er wohne in dem Haus im siebten Stock. Tatsächlich lebte dort ein Mann mittleren Alters. Der aber zeigte sich sofort kooperativ, gab eine Speichelprobe ab: „Und konnte so eindeutig ausgeschlossen werden.“

Persönlicher Appell an den Täter

Ermittlerin Kurz wird am 26. April, wenn die Aktenzeichen-Sendung ausgestrahlt wird, selbst im Studio sein und im Gespräch mit Moderator Rudi Cerne über den Fall berichten. Und sie hat sich vorgenommen, einen persönlichen Appell an den Täter zu richten: „Ich möchte ihm sagen, dass er kein Leid über weitere Familien bringen und dass er sich seiner Verantwortung stellen soll.“ Wenige Minuten nur wird sie neben einem kleinem Einspielspiel-Film Zeit haben, über den Fall zu berichten. Schon nach der Veröffentlichung des Phantombildes gingen Hinweise teilweise aus Nord- oder Süddeutschland ein. „Das Gros kam aber aus Oberhauen und den umliegenden Orten“, sagt Kurz. Sie geht von „einem lokalen Täter“ aus.

Zuviel Resonanz auf ihren Auftritt aber könne es gar nicht geben, wünscht sich die Polizistin. Auch in Oberhausen werden an diesem Abend zusätzlich zwei Beamte im Präsidium sitzen und eventuelle Hinweise entgegen nehmen. „Ich verfolge auch gerne noch weitere 300 Spuren“, sagt die Kommissarin, „es ist schlimm, dass immer mehr Zeit vergeht und dass immer mehr potentielle Taten geschehen können.“

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