PROJEKT

Heftiger Gegenwind weht „Open Space“ für die Jugend entgegen

Dezernentin Sabine Lauxen (links) und Isabella Medici vom Planungsbüro bei der Infoveranstaltung zum Thema „Open Space“.

Foto: Gerd Wallhorn

Dezernentin Sabine Lauxen (links) und Isabella Medici vom Planungsbüro bei der Infoveranstaltung zum Thema „Open Space“. Foto: Gerd Wallhorn

OBERHAUSEN.  Hängematten, geschwungene Wege für Skater, eine Riesen-Hollywoodschaukel – all das ist „Open Space“ – Flächen eigens für die Jugend.

Die Stadtverwaltung macht es sich nicht leicht damit, eine Freifläche zu bestimmen, die speziell auf die Bedürfnisse Jugendlicher zugeschnitten ist. Bei der dritten Veranstaltung zu diesem Thema seit November 2016 wurden erstmals Anwohner der beiden angedachten Flächen mit dem Gedanken vertraut gemacht.

Zwar waren dazu nur rund 15 Teilnehmer ins Café Klatsch im Europahaus gekommen. Aber von ihnen ging heftiger Gegenwind aus. Sie befürchten, künftig abends und nachts keine Ruhe mehr zu finden.

Zwei Flächen sind für die Umsetzung der Idee vom „Open Space“, dem offenen Raum für Jugendliche, übrig geblieben: der Südmarkt an der Friedrich-Karl-Straße und, nur um die Ecke herum gelegen, der Contipark, der durch die Grenzstraße in zwei Hälften geteilt ist: in die Nordhälfte, die an die Willi-Jürissen-Halle angrenzt und bislang schon Gelegenheit zum Fußballspielen bietet, und die Südhälfte, die als grüne Parkanlage zwei große Spielplätze und eine Spielwiese zu bieten hat.

Ideen für die konkrete Gestaltung

Sie blieben übrig, nachdem im November 2016 mit Jugendlichen ein Quartiersspaziergang stattgefunden hatte. Dabei wurden unter anderem auch noch der Blücherplatz und der Königshütter Park besucht. Im Januar sind dann mit Jugendlichen Ideen für die konkrete Gestaltung gesammelt worden.

Daraus hat ein von der Stadt beauftragtes Planungsbüro aus Essen jetzt für den Südmarkt zwei alternative Gestaltungsvorschläge entwickelt. Der eine Vorschlag sieht vor, die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten dort, von Süden nach Norden, nebeneinander aufzureihen: erst eine Aufenthaltsfläche, dann ein Fußballfeld, das von einer großen Kletterpyramide überragt wird, schließlich die heutige Standfläche für das Spielmobil, dann ein Feld für Springen und Hangeln, schließlich eines zum Rollen (mit Roller-Skates) und Spazieren und dann noch eine Hundewiese. Der zweite Vorschlag sieht die gleichen Nutzungen vor, nur dass sie nicht nebeneinander aufgereiht sind, sondern ineinander übergehen.

Für den Contipark wird vorgeschlagen, auf der Nordseite weiterhin Fußball, ferner eine Aufenthaltsmöglichkeit und eine Wand für Grafitti-Künstler vorzusehen, auf der Südseite eine Parkanlage mit einer Palmeninsel, großem Rasen und einem Spielplatz im Südosten, außerdem einen Durchgang zur Stöckmannstraße im Westen. Bislang gibt es von dort nur Durchgänge zur Lothringer Straße im Osten und zur Wachstraße im Süden.

Liebevolle Details wie Hängematten, geschwungene Wege mit für Skater geeigneten Kurvenüberhöhungen oder eine Riesen-Hollywoodschaukel sollen das Angebot abrunden. „Wir möchten, dass junge Leute sich in der Stadt wohlfühlen und hier entspannen können, dass sie dazu nicht in andere Städte fahren müssen“, kommentierte Beigeordnete Sabine Lauxen das Projekt.

Die Dezernentin ergänzte, dass die Pläne finanzierbar und damit auch konkret umsetzbar seien.

Anwohner sagen viel Ärger voraus

Während Jugendliche unter den Teilnehmern diesmal kaum vertreten waren, um sich zu Wort zu melden, erhob sich von Seiten der Erwachsenen heftige Kritik an den Plänen.

„Waren Sie da schon einmal länger?“ wollte eine Frau wissen. „Das ist ein Witz. Das ist das Hundeklo von Oberhausen“, erklärte sie zu den dortigen Wiesenflächen. Abends gebe es an der Grenzstraße eine Ansammlung problematischer Leute. „Wie wollen Sie das in den Griff bekommen?“ fragte sie die anwesenden Vertreter von Stadt und Planungsbüro.

„Da sind doch am Südmarkt altengerechte Wohnungen. Da ist ja Riesenärger programmiert“, erklärte eine ältere Frau. Ein Mann drückte es deutlicher aus: „Krach bis nachts, da haben wir keinen Bock drauf!“ Der dort produzierte Müll lande mit Gewissheit in den Gärten, befürchtete er.

Die Bürger machten deutlich, dass sie sich nicht gegen die spielenden Kinder wenden. „Die stören tagsüber nicht“, sagte eine Anwohnerin. „Wer stört, sind diejenigen, die abends kommen.“ Die Jugendlichen, die das so ausgewählt hätten, aus dem Jugendparlament, so glaubte sie, die würden sich selbst niemals dort aufhalten. Das sei eine ganz andere Klientel. Erst vor einigen Jahren seien die Sitzmöglichkeiten dort abgebaut worden, um die Trinkerszene woanders hin zu verlegen. Was jetzt vorgesehen sei, sei reine Geldverschwendung. Sabine Lauxen plädierte vergeblich, das Projekt als Chance zu sehen, die Umgebung aufzuwerten und attraktiver zu machen. „Das ist keine Chance für uns“, antwortete eine Frau.

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