Serie: Alte Bilder

Kirche steht mitten in Heißen

Historisches Bild: Heißen mit der Gnadenkirche und ländlichem, noch unbebautem Umfeld (vermutIich um 1910)

Foto: Oliver Mueller

Historisches Bild: Heißen mit der Gnadenkirche und ländlichem, noch unbebautem Umfeld (vermutIich um 1910) Foto: Oliver Mueller

Mülheim.   Der Turm der evangelischen Gnadenkirche ist 52 Meter hoch. Hermann Spree hat auf alter Postkarte sein Wohnhaus am Fünter Weg erkannt

Die Kirche, die mit ihrem hohen Turm das kleine Dorf überragt, haben bisher nur wenige Leserinnen und Leser erkannt. Dabei ist das Gotteshaus eine markante Erscheinung. Seit einigen Jahren befindet sich vor dem Turm ein Kreisverkehr im Zentrum Heißen. Die U-Bahn-Station heißt, wie einst bei der Straßenbahn, Heißen Kirche.

„Bei der Serie Alte Bilder neu entdeckt (51), gehe ich davon aus, dass es sich bei dem Dorf um Heißen Kirche handelt. Der Feldweg wird der Frohnhauser Weg sein“, hat Gerd Reifenberg geantwortet. Mehr konnte er zu dem historischen Foto nicht sagen.

Feldweg ist Frohnhauser Weg

„Das Foto ist vor einigen Jahren in einem Kalender der Werbegemeinschaft Heißen erschienen und zeigt den Ortskern von Heißen etwa im Jahr 1908“, ergänzt Hermann Spree und hat weitere Einzelheiten mitgeliefert. „In dem einzeln stehenden Haus links wohne ich heute. Es ist das Haus Fünter Weg Nummer 35. Es wurde 1907 von der Baufirma August Lehnhoff für den Fuhrunternehmer Jacob Nettesheim gebaut. In der Mitte, halb verdeckt von Bäumen, erkennt man das Vereinshaus des CVJM“, fügt Spree hinzu.

Seine Orts- und Geschichtskenntnisse reichen noch weiter: „Die hohen Häuser dahinter stehen heute noch an der Honigsberger Straße. Die beiden hohen Schornsteine gehören wohl zur Zeche Wiesche. Das große Haus am rechten Bildrand ist die ehemalige Bäckerei Finkenburg, heute Broehenhorst. Der Weg davor ist die heutige Paul-Kosmalla-Straße.“

Schornsteine gehören wohl zur Zeche Wiesche

Die alte Kaiser Wilhelm Schule am Fünter Weg sei wohl zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht gebaut gewesen. „Die Stelle von der das Bild gemacht worden ist, wo der Fotograf sein Objektiv und sein Stativ ausgerichtet hat, liegt etwa im Bereich der heutigen Kreuzung B1/Paul-Kosmalla-Straße“, gibt Hermann Spree weitere Orientierungshilfen.

Heißen ist heute der östlichste Stadtteil Mülheims. Das Zentrum liegt auf einem westlichen Ausläufer des Westenhellwegs, der sich an dieser Stelle fast 100 Meter über die Mülheimer Innenstadt erhebt. Heißen wird urkundlich erstmals 796 erwähnt, etwa 650 Jahre danach sind dort 13 Feuerstellen registriert. Heißen ist frühes Zentrum des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet. Ab 1830 wachsen die vielen kleinen Bergwerke zu großen Schachtzechen Humboldt, Rosenblumendelle und die Wiesche zusammen. 1866 wird der Bahnhof Heißen eröffnet und dient nur dem Kohleumschlag. Die Station liegt am Ende des Heißener Bergs, den die Züge ab dem heutigen Westbahnhof, damals Hauptbahnhof, nur mit einer Schublok schaffen.

1878 wird Heißen selbstständige Bürgermeisterei. Der Landrat zieht Ende August 1879 in sein neues Rathaus. Die Eigenständigkeit währt nur einige Jahrzehnte. Mit der nächsten Verwaltungsreform 1910 wird Heißen mit Winkhausen nach Mülheim eingemeindet. Der östliche Teil der Gemeinde mit dem größten Teil Fulerums kommt nach Essen. Einige Jahre später fährt die Straßenbahn von Mülheim Stadtmitte über Heißen nach Essen. 1918 startet Krupp-Prokuristen Max Halbach den Bau der Siedlung Heimaterde.

1878 wird Heißen selbstständige Bürgermeisterei

Die Einwohnerzahlen in Heißen schwanken gegen Ende des 19. Jahrhunderts stark. Um 1880 sind es fast 133 000. 1890 werden nur noch etwa 98 000 Bürger gezählt, während es im Jahr 1900 mehr als 150 000 gewesen sein sollen.

Die Heißener Gnadenkirche wird 1893/94 errichtet. Der Turm ist 52 Meter hoch. Mit seinem spitzen Dach überragt er seither die Häuser der Umgebung. Heute steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz, der Turm wird gerade restauriert. Die Kirche ist fast baugleich mit den evangelischen Kirchen in Speldorf und Styrum.

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