Flüchtlingshilfe

Kanzlerin würdigte Ehrenamt - und eine Mülheimerin war dabei

Gruppenbild mit Kanzlerin. Angela Merkel und Kanzleramtsminister Peter Altmaier empfingen 140 Ehrenamtler aus der Flüchtlingshilfe.

Foto: Kanzleramt

Gruppenbild mit Kanzlerin. Angela Merkel und Kanzleramtsminister Peter Altmaier empfingen 140 Ehrenamtler aus der Flüchtlingshilfe. Foto: Kanzleramt

Mülheim.   Angela Merkel hat Vertreter von 140 Flüchtlingshilfen in Berlin empfangen. Für „Willkommen in Mülheim“ reiste Rosi Konz in die Bundeshauptstadt.

Mit Angela Merkel hat Rosi Konz nicht gesprochen, aber mit Saarländern, Schwaben, Bayern und auch ganz vielen Aktiven aus anderen Ruhrgebietsstädten. Sie alle verbindet, dass sie sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. 140 Helfer aus ganz Deutschland sind in das Bundeskanzleramt eingeladen worden. Der Höhepunkt ist eine Diskussion mit Angela Merkel.

Zwischendurch gibt es aber vor allem viele Möglichkeiten, sich untereinander auszutauschen. Über die vielen Probleme vor Ort, die sich teilweise gleichen, aber oft auch unterschiedlich sind. Rosi Konz, die als Vertreterin von WiM an dem Treffen teilnimmt, hört ganz genau hin. Sie wird in einem Eindruck bestätig: „In Mülheim haben wir alles ziemlich gut hinbekommen.“ Viele der anderen Helfer klagen über Schwierigkeiten im Umgang mit den Behörden. Auch hier sei Mülheim anders. „Es gibt einen guten Kontakt zur Verwaltung.“

Helfen mit realistischem Blick

Rosi Konz ist seit 2015 bei WiM aktiv. Angefangen hatte alles mit einer Spendenübergabe. Damals war die heute 67-Jährige gerade frisch pensioniert, die ehemalige Lehrerin merkte gleich, dass Helfer gesucht werden. Also fragte sie, ob sie mithelfen könne. Von nun an war sie nahezu täglich in der WiM-Zentrale in der Solinger Straße im Einsatz. „Es gibt kaum einen Samstag, an dem ich seitdem nicht dort mitgeholfen habe“, resümiert sie. Mittlerweile hat sie aber auch gelernt: Ehrenamtliches Engagement darf einen nicht auffressen. Man muss Grenzen setzen. „Ich konzentriere jetzt meine Hilfe auf zwei oder drei Tage pro Woche.“

Ein anderer Aspekt, der in den Gesprächen im Kanzleramt aufgegriffen wird: Der realistische Blick auf die Flüchtlinge. Sie dürfen nicht idealisiert werden. „Mir hat dabei meine frühere Arbeit als Lehrerin geholfen. Nicht jeder Schüler ist nett. Trotzdem habe ich eine Aufgabe zu erledigen. Dabei müssen aber Regeln gelten. Ich kann mich durchsetzen. Und werde auch schon mal lauter, wenn nötig. Meine Schüler haben aber auch immer gewusst, dass ich mich für sie einsetze, wenn sie sich an diese Regeln halten.“

Die Kanzlerin nahm sich Zeit

Wo hat Toleranz ihre Grenzen? Auch darüber hat Konz mit anderen Aktiven diskutiert. „Mir ist wichtig, dass die Frauen nicht unterdrückt werden.“ Konz gibt regelmäßig Sprachunterricht. „Die meisten sind schon in anderen Sprachkursen, etwa in der Volkshochschule. Mein Angebot nutzen viele als eine Art Nachhilfe. Die Gruppe ist kleiner, man kann sich besser um einzelne Frage kümmern.“

Besonders wichtig ist Konz dabei, dass auch die Frauen an dem Kurs teilnehmen und Deutsch lernen. „Ich versuche, ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln.“ Stellt sie bei Männern oder auch bei kleinen Jungen ein Pascha-Gehabee fest, schreite sie ein. „Ich finde es wichtig, immer deutlich zu machen: In Deutschland gehen wir in einer bestimmten Art miteinander um.“ Da dürfe es keine falsche Toleranz geben.

Merkel nahm sich mit Kanzleramtsminister Peter Altmaier 90 Minuten Zeit für die Ehrenamtler. „Ich habe der Kanzlerin angesehen, dass dieses Thema ihr wichtig ist. Sie hat sachlich und sehr differenziert gesprochen“, so Konz’ Eindruck. „Alle Fragen wurden von Mitarbeitern protokolliert und die zuständigen Behörden informiert.“

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