Gericht

Überfall auf Netto-Markt: Sechs Jahre Haft für Herner

Vor dem Landgericht Bochum wurde der Fall verhandelt.

Foto: Oliver Müller

Vor dem Landgericht Bochum wurde der Fall verhandelt. Foto: Oliver Müller

Herne.   Zu sechs Jahren Haft ist einer von zwei Tätern wegen eines Überfalls auf einen Netto-Markt verurteilt worden. Richter haben es noch gut gemeint.

Über dem Kopf eine Sturmhaube, in der Hand eine Waffe: So haben zwei Männer vor fünf Monaten einen Netto-Markt in Horsthausen überfallen. Einer der Täter ist am Montag verurteilt worden. Die Strafe: sechs Jahre Haft.

Das Urteil war kaum gesprochen, da brach die Mutter des erst 23-jährigen Angeklagten in Tränen aus. Sie konnte sich gar nicht mehr beruhigen, musste zwischenzeitlich sogar den Gerichtssaal verlassen.

Richter dachten an neun Jahre Haft

Dabei haben es die Richter sogar noch gut gemeint. Nur weil der Angeklagte ein Geständnis abgelegt und auch noch seinen bis zuletzt unbekannten Mittäter benannt hat, ist die Strafe nicht noch höher ausgefallen. „Wir hätten sonst an neun Jahre Haft gedacht“, sagte Richterin Frauke Seyda.

Beim Überfall auf den Netto-Markt an der Langforthstraße am 19. Oktober 2016 stürmten der Angeklagte und sein Komplize kurz vor Ladenschluss herein. Sie hielten die zwei anwesenden Mitarbeiterinnen mit ihren Pistolen in Schach und flüchteten später mit rund 2700 Euro. Dass es sich bei den Waffen um ungeladene Schreckschusspistolen handelte, konnten die zwei Frauen nicht wissen. „Sie sind erheblich traumatisiert“, hieß es im Urteil.

Bereits die achte Verurteilung für den Angeklagten (23)

Zuvor hatte der Angeklagte mit seinem Freund auch schon eine Taxifahrerin überfallen. Die beiden Männer wollten nach einer Party in Recklinghausen zurück nach Herne, hatten aber kein Geld. Die Taxifahrerin wurde von hinten gepackt und so stark gewürgt, dass sie sogar das Bewusstsein verlor. „Die Frau hätte sterben können“, hatte ein Rechtsmediziner im Prozess gesagt. Die Beute: rund 120 Euro.

Für den 23-jährigen Angeklagten war es bereits die achte Verurteilung. Hintergrund ist unter anderem ein offenbar völlig kaputtes Familienumfeld. Weil das Leben von Mutter und Großeltern vor allem um Alkohol kreisen soll, war der Angeklagte in Heimen untergekommen.

Auch er ist auf keinem guten Weg. Alkohol und Marihuana mit neun, Speed mit 14, Ecstasy mit 16, Koks mit 18 und im Gefängnis jetzt auch schon Heroin: Weil der Drogenkonsum so nicht weitergehen kann, muss der 23-Jährige einen Teil seiner Haftstrafe in einer geschlossenen Therapieeinrichtung verbringen.

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