Kulturbrauerei

Ton Steine Scherben: In der linken Seele regt sich noch was

Ton Steine Scherben 2017: die Ur-Mitglieder Kai Sichtermann (r.) und Funky K. Götzner (li.) traten mit Sänger Gymmick in der Kulturbrauerei auf.

Foto: Rainer Raffalski

Ton Steine Scherben 2017: die Ur-Mitglieder Kai Sichtermann (r.) und Funky K. Götzner (li.) traten mit Sänger Gymmick in der Kulturbrauerei auf. Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Die Anarcho-Band Ton Steine Scherben gastierte in Eickel. Mit dabei: zwei Ur-Mitglieder und ein Sänger, der mehr als ein Rio Reiser-Imitat war.

Noch heute wird die Band Ton Steine Scherben als Legende der vitalen Anarcho-Szene der 1970er Jahre verehrt, ihre so ruppigen wie romantischen, vor allem aber „dunkelroten“ Songs gelten vielen als Hymnen der Hausbesetzer-Szene.

Am Freitagabend gaben die „Ur-Scherben“ Kai Sichtermann am Bass und Funky K. Götzner an den Percussions in einem halb-akustischen Konzert in der Kulturbrauerei Hülsmann zu erkennen, dass sich da noch was regt in der linken Seele.

Vor dem Auftritt Knöllchen vor der Kulturbrauerei kassiert

Grund zur Empörung gibt es ja, gefühlt. Ungleich verteilter Reichtum, Globalisierung, Unterdrückung, Krieg und – ach ja – der böse, böse Kapitalismus. Es gibt eben Ideologien, die weiterleben – auch wenn sie längst widerlegt sind.

Mit dem Nürnberger Sänger Gymmick haben sich Sichtermann und Götzner eine Stimmkraft geliehen, die mehr ist als ein Imitat des 1996 verstorbenen Frontmanns Rio Reiser; das Charisma dieses Scherben-Motors plagiieren zu wollen, wäre auch beknackt.

Gymmick sang ausdrucksstark an der akustischen Gitarre bekannte und weniger bekannte Lieder aus der Feder Rio Reisers, darunter die Songs „Weit hinterm Horizont“, „Blinder Passagier“ und „Wir müssen hier raus“. Den Revolutionsrocker „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“ koppelte die Band geschickt mit dem alten Arbeiterlied „Einheitsfront“.

Vor dem Konzert hatten Sichtermann und Götzner im bürgerlichen Restaurant „Meistertrunk“ zu Abend gegessen. Ihr Tourwagen, den sie aufgrund des kurzen Transportweges der Instrumente vor der Brauerei geparkt hatten, kassierte ein Knöllchen von der Stadt Herne. So ist das: Anarchie ist nicht machbar, Frau Nachbar. Aber sie klingt noch immer gut.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik