Schriftsteller

Heiligenhauser schreibt Buch über die DDR-Revolution

Eine mutige selbst organisierte Demo am 15. Januar 1989 im Stadtzentrum von Leipzig mit Leuten aus dem Buch in der ersten Reihe.

Foto: Archiv Bürgerbewegung Leipzig

Eine mutige selbst organisierte Demo am 15. Januar 1989 im Stadtzentrum von Leipzig mit Leuten aus dem Buch in der ersten Reihe. Foto: Archiv Bürgerbewegung Leipzig

Heiligenhaus/Berlin.   Der Autor Peter Wensierski aus Heiligenhaus präsentiert zur Leipziger Buchmesse sein neuestes Werk, in dem er eine „Wahnsinnsgeschichte“ erzählt.

Um Mut, um Rebellion, um Menschen, die ihre Angst verlieren und Unglaubliches bewegen – darum geht es im neusten Werk des in Heiligenhaus geborenen und aufgewachsene Journalisten und Buchautoren Peter Wensierski.

Das 500 Seiten starke Lesewerk dreht sich um eine Gruppe junger Leipziger, die das DDR-Regime herausfordern. Eine Geschichte, die die Gesellschaft verändert und zugleich ein Portrait der Stadt Leipzig zeichnet.

Eine wahre Geschichte

Rund eineinhalb Jahre hat der Wahlberliner mit niederbergischen Wurzeln an „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ gearbeitet. Dabei hat er keinen Roman zu Papier gebracht, sondern die wahre Geschichte einer Truppe junger Menschen, die Ende der 1980er Jahre in Leipzig lebten und ihre Welt in Frage stellen, die es satt hatten sich ihr Leben von anderen diktieren zu lassen.

Herausgekommen ist dabei ein „Sachbuch, in erzählerischer Form aufgeschrieben“ – so beschreibt der Autor es selbst. Ein Buch über Menschen, die im Zentrum standen, als deutsche Geschichte geschrieben wurde.

Wensierski, den es nach dem Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium in Kettwig, 1973 in die geteilte Großstadt Berlin zum Journalistik-Studium zog, verarbeitet in seinem neusten Werk auch einen Teil seiner eigenen Erinnerungen. Seine Arbeit als Journalist begann der heute 62-Jährige 1979 nämlich mit Berichten und Reportagen aus der DDR.

Die aufkommende Oppositionsbewegung

Damals war er der jüngste westliche Reisekorrespondent und schrieb für den Evangelischen Pressedienst, das Magazin Spiegel und verschiedene Zeitungen. Er berichtete über die aufkommende Oppositionsbewegung in Jugend, Kirche und Intellektuellenkreisen. „Ich war 24. Das war total spannend, ein neues Terrain für mich“, erzählt Wensierski im Gespräch mit der WAZ.

Schnell sei er in die Jugendszene geraten. „Ich merkte schon damals, wie es unter der langweiligen Decke brodelte.“ Vor allem aber hätten ihn die jungen Leute in der DDR an die Jugend in seiner Heimat erinnert. „Die waren nicht viel anders, hörten die gleiche Musik, trugen die gleichen Klamotten. Das hat mich überrascht“, berichtet der Autor. „Und viele wollten sich von den DDR-Autoritäten nichts mehr vorschreiben lassen.“

Einblicke in persönliche Tagebücher

Ein Treffen mit alten Bekannten ließ auch die Idee vom Buch über die Revolution reifen. „Die haben mir eine Wahnsinnsgeschichte erzählt, die so noch gar nicht bekannt ist“, sagt Wensierski.

Die Protagonisten seines Werkes hat Peter Wensierski in den vergangenen Monaten zum Teil mehrfach getroffen, hat in ihren alten Fotobüchern geblättert, Einblick in persönliche Tagebücher und Briefe erhalten, Stasi-Akten gesichtet und Verhör-Mitschnitten gelauscht. Der Autor hat Archive besucht, mit Experten gesprochen und Fachbücher gewälzt.

Verbotene Flugblätter

Besonders beeindruckt haben den gebürtigen Heiligenhauser jedoch die lebhaften Erinnerungen seiner Gesprächspartner an das Leben zwischen Angst und Mut. „Für ihre verbotenen Flugblätter haben sie mitunter die Druckerschwärze mit Ruß verlängert, haben Bewacher ausgetrickst und verwegene Demonstrationen geplant“, berichtet Peter Wensierski.

Beeindruckt haben ihn auch die Frauen dieser Zeit. Frauen, die in der ersten Reihen marschierten, gegen die DDR-Diktatur und für ihre Freiheit und Würde demonstrieren.

Ein Buch für junge Leute

Geschrieben hat Wensierski das Buch besonders für junge Leute. Und für alle, die glauben, die Ereignisse von 1989 zu kennen. „Sie werden überrascht sein“, verspricht der Autor. „Es ist ein inspirierendes Buch über die Kraft und die Möglichkeiten des Einzelnen, über Meinungsfreiheit und Menschenwürde“, sagt Wensierski selbst über sein Werk. Und es sei heute so aktuell wie nie, in einer Zeit, in der grundlegende Werte des Miteinanders wieder in Frage gestellt würden.

Mehr als 50 Bilder

  • Das Buch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ zeigt auch um die 50 Fotos aus der Zeit, in der junge Leipziger die Rebellion in der DDR wagten.
  • Autor Peter Wensierski hat jedoch nicht alleine ihre Erinnerungen an die Zeit des Aufbegehrens in seinem Buch verarbeitet, er stellt dem Leser auch seine Protagonisten vor und berichtet, was aus ihnen wurde. „Ob Staatssekretär oder Altenpfleger, alle engagieren sich noch heute für die Gesellschaft“, sagt Wensierski.
  • Präsentiert werden soll das Werk erstmalig am 24. März bei der Buchmesse in Leipzig. „Dann werden auch viele Leute aus dem Buch dabei sein“, freut sich der Autor mit Heiligenhauser Wurzeln.

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