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Amazon verkauft falsches Modell als Burg Blankenstein

Das Modell Kit der Burg Blankenstein bei Amazon wird für 24,66 Euro angeboten. Das Original des Aue Verlags ist für 5,90 Euro zu haben. Foto:Volker Speckenwirth

Das Modell Kit der Burg Blankenstein bei Amazon wird für 24,66 Euro angeboten. Das Original des Aue Verlags ist für 5,90 Euro zu haben. Foto:Volker Speckenwirth

Hattingen.  Ein Modell-Bau-Kit der Burg Blankenstein wird von dem Onlinehändler Amazon angeboten – mit der echten Burg hat das Modell aber nichts gemein.

Zwei Rundtürme, ein achteckiger Turm und Dachzinnen in Schiefer – so soll also die Burg Blankenstein einst ausgesehen haben. Das zumindest kann man annehmen, wenn man bei Amazon das Modell-Bau-Kit aus Pappe bestellt. In einem Maßstab von 1:250 kann man dann in dem Bausatz die Burg kinderleicht nachbauen und zum Beispiel als Kulisse für die Modelleisenbahn nutzen.

Auf den ersten Blick sehen Kenner der echten Burg, dass es sich bei dem Papp-Modell, das ausdrücklich als „Burg Blankenstein (Hattingen)“ beworben wird, nicht um eine Miniaturausgabe der echten Burg handeln kann.

Burg Blankenstein gehört seit 1922 der Stadt Bochum

Was dem Autor der Produktbeschreibung entgangen ist: Die Burg Blankenstein gehört seit 1922 der Stadt Bochum und nicht Hattingen. Die Burg ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zerstört und aufgebaut worden.

Die Ruine, mit ihrem viereckigen Bergfried, dem heutigen Restaurant und den Resten der Ringmauer lässt erahnen, wie die Burganlage einst ausgesehen haben könnte. Da es aber keine historischen Bilder der intakten Burg gebe, erklärt das Stadtarchiv Hattingen, seien Modelle frei erfunden.

„Im Stil der norddeutschen Burgen“

Der Hersteller des Modells, der Aue-Verlag, beschreibt die Burg auf seiner Homepage als „im Stil der norddeutschen Burgen konstruiert“. Hier heißt das Modell nur „Burg Blankenstein“. Thomas Gauger, der Chef des Aue-Verlags, erklärt auf Anfrage, dass es sich bei dem Modell um eine Fantasieburg handelt. „Das ist schon erstaunlich“, sagt Gauger, als die WAZ ihn auf sein Produkt bei Amazon aufmerksam machen. Er vermutet, dass der Online-Riese den Produktnamen selbst ergänzt hat.

Aus Sicht des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb handelt es sich trotzdem nicht um eine Täuschung der Verbraucher. Die Expertin für Wettbewerbsrecht, Carolin Semmler, von der Verbraucherzentrale NRW, erklärt: „In der Gesamtschau darf der Kunde nicht getäuscht werden.“ Durch die Abbildung der Modellburg werde dem Verbraucher das Produkt gezeigt. Es sei nur dann eine Irreführung, wenn stattdessen die echte Burg Blankenstein abgebildet wäre. Erst dann könne der Kunde einen authentischen Nachbau erwarten.

Deftiger Preisaufschlag bei Amazon

Auf den Artikel hingewiesen, hat Amazon die Beschreibung trotzdem „korrigiert“ und spricht von einem „Fehler“. Jetzt bietet der Onlinehändler das Produkt schlicht als Burg Modell an.

Für den Verlag ist „das Unangenehmste der Preis“, gesteht Gauger. Der Hersteller verkauft das Modell auf seiner Homepage für 5,90 Euro. Amazon verlangt satte 24,66 Euro. Syndikus Rechtsanwältin Semmler sieht auch hier keine rechtlichen Verstöße: „Jeder Verkäufer ist völlig frei in der ­Preiswahl.“ Auch Gauger weiß: „Wir haben da keine rechtliche Handhabe.“

Erst vor kurzem habe sich Amazon an ihn gewandt, um eine Kooperation zu besprechen, so Gauger. Er lehnte jedoch ab, weil er den Händlern nicht die Geschäftsgrundlage wegnehmen wolle. „Wir haben keine rechte Erklärung, wo die das Material herhaben“, erklärt der Verlagschef.

Amazon beantwortete die schriftliche Anfrage der WAZ bezüglich der Preisgestaltung und der Bezugswege nicht.

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