Ballett-Gala

Ein Abend in Gedenken an Joe Bunn in Gelsenkirchen

Rita Pollachi und Petar Djocevski vom Slowenischen Nationalballett tanzten am Samstagabend zur Erinnerung an ihren verstorbenen Kollegen Joseph Bunn.

Foto: Frank Oppitz Photography

Rita Pollachi und Petar Djocevski vom Slowenischen Nationalballett tanzten am Samstagabend zur Erinnerung an ihren verstorbenen Kollegen Joseph Bunn. Foto: Frank Oppitz Photography

Gelsenkirchen.   Im August 2016 verstarb der Gelsenkirchener Balletttänzer Joseph Bunn an Blutkrebs. Seine Kollegen nahmen jetzt mit einer Gala Abschied

Es gibt Momente, die vergisst man nie. Etwa den Abend, an dem der Tänzer Joseph Bunn im Musiktheater im Ballettstück „Die Geschichte vom Soldaten“ als wildgewordener Teufel über die Bühne wirbelte. Joseph „Joe“ Bunn wird diese Rolle nie mehr tanzen: Er starb im vergangenen August im Alter von 31 Jahren an den Folgen seines Blutkrebses.

Die Gelegenheit für einen Abschied

Mit einem sehr persönlichen Galaabend haben sich Tänzer, Sänger, Musiker und Mitarbeiter des Balletts im Revier und des Musiktheaters im Revier am Samstagabend von ihrem Kollegen verabschiedet.

„Da Joes Tod mitten in die Theaterferien fiel, hatten wir gar nicht richtig Gelegenheit, von ihm Abschied zu nehmen. Deshalb war es uns ein Anliegen, dies mit diesem Abend nachzuholen“, erklärte MiR-Intendant Michael Schulz zur Eröffnung der Gala im Großen Haus am Kennedyplatz – und blickte zurück auf den ersten Moment, als er Joe Bunn traf.

„Wir haben heute viel geweint“

Auch Bridget Breiner, die ihren Landsmann als Ballettdirektorin in der Spielzeit 2012/13 nach Gelsenkirchen holte, erinnerte sich an die erste Begegnung mit dem Ausnahmetänzer, Jahre zuvor, bei einem Tanzfestival. „Ich habe noch nie jemanden so tanzen sehen. Joe war wendig wie ein Fisch“, schwärmte Breiner, die zugab, dass der Tag in Gedenken an ihn sehr emotional gewesen sei: „Wir haben viel geweint“, erzählte sie. Aber allen Mitwirkenden sei es ein Anliegen gewesen, ihrem Kollegen eine Darbietung zu widmen. Breiner selbst tanzte zu seinen Ehren das Solo „Tué“: „Das war das Stück, das ich getanzt habe, als ich Joe auf dem Festival kennen lernte. Ihn hat die Choreografie von Marco Goecke damals sehr fasziniert“, sagte die Ballettdirektorin und sorgte mit ihrer virtuosen Performance für viel Aufsehen.

Als Weggefährten des Tänzers waren Rita Pollachi und Petar Djorcevski vom Slowenischen Nationalballett angereist – und Alina Köppen vom Ballett im Revier hatte es sich nicht nehmen lassen, hochschwanger ein Solo für ihren früheren Duettpartner zu tanzen.

Choreografie des verstorbenen Künstlers

Francesca Berruto und Valentin Juteau erinnerten mit „Unity“, einer Choreografie von Joe Bunn, an ihren Freund und Kollegen, das Ensemble des Balletts im Revier ermöglichte Einblicke in das Stück „Vital Unrest“, das am kommenden Samstag Premiere feiern wird.

Ein Streichquartett der Neuen Philharmonie Westfalen und der Opernchor des MiR sorgten für Gänsehautmomente. Almuth und Udo Herbst, Petra Schmidt, Noriko Ogawa-Yatake, Christa Platzer, Michael Dahmen, Piotr Prochera, Edward Lee und Thomas Rimes rundeten den Abend mit sehr persönlichen musikalischen Beiträgen ab.

Ein Lächeln zum Abschied

Immer wieder schien Joseph Bunn an diesem Abend auch selber präsent: Der Regisseur Sebastian Schwab und Joachim Riederer steuerten imposante Videoporträts des Künstlers bei. So flimmerte am Schluss der Gala das mitreißende und ansteckende Lächeln des Tänzers über die Großleinwand. Dieses Lächeln, es wird fehlen. Genau wie der offene, lebensfrohe Mensch und der herausragende Künstler Joe Bunn. Der Reinerlös des Abends soll seinem vierjährigem Sohn Aiden zugute kommen, der sich bei der Gala sichtlich über die vielen Beiträge freute. Im Foyer war eine Spendenbox aufgestellt, der Cateringservice der Awo versprach, an diesem Abend einen Euro pro Getränk für die Ausbildung des Jungen weiterzuleiten.

Der Amerikaner hat am MiR viele Spuren hinterlassen

Der Tänzer Joe Bunn starb im vergangenen August an den Folgen seiner Leukämieerkrankung. Im September 2016 wäre er 32 Jahre alt geworden. Seit der Spielzeit 2012/13 war Joseph Bunn festes Ensemblemitglied am Ballett im Revier und avancierte schnell zum Publikumsliebling: Er tanzte den Schattenmann in „Schwanensee“ und den Teufel in „Die Geschichte der Soldaten“.

Unvergessen bleibt auch sein Auftritt als böser Wolf im Kinderballett „Spieglein, Spieglein“. Der sympathische Bunn stammte aus Connecticut, hatte unter anderem an der University of Arts in Philadelphia Tanz studiert. Nach einem Engagement beim Ballett des Slowenischen Nationaltheaters siedelte er mit seiner Frau Spela, die er dort kennengelernt hatte, nach Gelsenkirchen um. 2013 erhielt Bunn den Förderpreis des Landes NRW, im Jahr darauf kürten ihn die Kritiker des Fachmagazins „Tanz“ zum „Tänzer des Jahres“. Im November 2014 überraschte ihn die Blutkrebs-Diagnose.

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