Gesundheitspolitik

Bürger protestieren gegen die Krankenhaus-Schließung

Die Horster protestieren mit Unterschriften gegen die geplante Schließung des St. Josef Hospitals.

Foto: Martin Möller

Die Horster protestieren mit Unterschriften gegen die geplante Schließung des St. Josef Hospitals. Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen-Horst.   In Horst wurden bereits über 500 Unterschriften gesammelt, Gesundheitsausschuss-Vorsitzende sucht nach neuen Investoren für die Klinik.

Über 500 Menschen haben bereits mit ihrer Unterschrift gegen die Schließung des St. Josef-Hospitals in Horst protestiert. In zahlreichen Geschäften rund um die Essener Straße liegen die Unterschriftenlisten aus.

Eine breite Front – von der Auf bis zur SPD, von der Verwaltung bis zu den Mitgliedern des Gesundheitsausschusses – macht sich für den Standort stark. „Unser Ziel ist es, dass wir Investoren finden, so dass das Krankenhaus weitergeführt werden kann“, sagt Christiane Totzeck (CDU), die Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Verbraucherschutz.

Kritik am Krankenhausentwicklungsplan

Totzeck kritisiert den Krankenhausentwicklungsplan. „Er stammt aus dem Jahr 2015, bezieht sich auf Zahlen von 2013 und berücksichtigt weder den Flüchlingsstrom des Jahres 2016 noch die höherer Morbiditätsrate in Gelsenkirchen“, sagt sie.

„Eine Schließung ist fatal für die Bürger“, sagt auch ihr Stellvertreter Ilhan Bükrücü (CDU). „Horst ist nicht auffangbar.“

14 Prozent der Bettenkapazität

Über 280 Betten fallen in Gelsenkirchen weg, wenn das Krankenhaus geschlossen wird. Inklusive der Psychiatrie in Erle gibt es zur Zeit in Gelsenkirchen 1985 Krankenhausbetten. 14 Prozent der Bettenkapazität würde durch die Schließung des St. Josef Hospitals entfallen.

„Es ist heute schon schwierig, Patienten im Akutfall in einem Krakenhaus im Stadtnorden unterzubringen“, sagt Bükrücü. Der Mann, der im Stadtnorden einen Pflegedienst betreibt, muss mit seinen Patienten oft in Krankenhäuser im Stadtsüden ausweichen, weil es in Buer und Horst keine freien Betten gibt. „Wie können Sie mir das antun?“, werde er dann regelmäßig von den meist älteren Angehörigen gefragt.

Management-Fehler und Sanierungsstau

„Management-Fehler, die bei der KKEL gemacht wurden, können nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden“, sagt Bükrücü. „Sanierungs- und Renovierungsmittel sind in den letzten Jahren nicht mehr geflossen“, beklagt Christiane Totzek.

Nach Meinung von AUF muss die regionale Krankenhausplanung neu überarbeitet und dabei auch die Altersstruktur und die erhöhten Krankheitszahlen berücksichtigt werden. Es könne nicht sein, dass die Landesregierung den Krankenhausträger KKEL noch dafür belohne, „wenn dieser aus Profitgründen ein Krankenhaus schließe, das für eine wohngebietsnahe Versorgung unverzichtbar sei“, erklärt Dagmar Brettschneider. Sich in Nachbarstädten stationär behandeln zu lassen, sei vor allem für ältere Patienten ein großes Problem.

>>>Info: „Schließungspauschalen“ für Krankenhäuser

Krankenhäuser können im Fall einer Schließung einen Antrag auf sogenannte Ausgleichsleistungen (nach § 24 Abs. 1 Krankenhausgestaltungsgesetz NRW) stellen, erläutert Nalan Öztürk, Sprecherin im NRW-Gesundheitsministerium. Dieser ist im Einzelfall zu prüfen.

Bei einer Bewilligung beträgt die Ausgleichsleistung nach KHGG NRW (§ 24 Abs. 2) ein Prozent des genehmigten Budgets des Krankenhauses. Maßgeblich hierfür ist das Budget, das für das der Schließung vorangegangene Jahr genehmigt wurde.

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