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Wie Essener Wirte heute zum Rauchverbot stehen

Er habe durch das Rauchverbot „37 Prozent weniger Umsatz im Schankbereich“, sagt Achim Kobsch, Wirt der Kronenstube in Essen-Rüttenscheid (hier: 2014).

Foto: Knut Vahlensieck

Er habe durch das Rauchverbot „37 Prozent weniger Umsatz im Schankbereich“, sagt Achim Kobsch, Wirt der Kronenstube in Essen-Rüttenscheid (hier: 2014). Foto: Knut Vahlensieck

Essener Stadtteile.   Essener Gastwirte ziehen nach zehn Jahren Nichtraucherschutz Bilanz. Bei der Stadt werden seit dem Rauchverbot weniger Gaststätten angemeldet.

„Es muss ja nicht jeden Tag sein, aber schön wäre es doch“, steht in großen Buchstaben an einer Wand in Ilona Hiegemanns „Wirtshaus Rü“ an der Rüttenscheider Straße. Es klingt fast wie das Motto der Raucher, denen mit dem Nichtraucherschutz-Gesetz das Qualmen untersagt wurde.

Wirtin Ilona Hiegemann ist alles andere als begeistert von dem anhaltenden Verbot – allein schon, weil es nicht für ganz Deutschland gelte. „Entweder alle oder keiner“, sagt die Wirtin. In ihrem Laden wird seitdem nicht mehr geraucht, die Gäste müssen vor die Tür gehen.

Neue Gaststätten: von 606 (2007) auf 482 (2016)

Auch sie selbst raucht und muss im laufenden Betrieb hinaus in die Kälte. „Wenn der Laden voll ist, kommt man eh kaum zum Rauchen. Aber früher konnte man wenigstens noch nebenher qualmen.“

Das fällt nun weg. Auch die Gruppen würden so zerrissen, da die meisten Gäste in ihrem Lokal Raucher sind. „Von zehn in einer Gruppe rauchen dann neun und einer sitzt alleine in der Ecke“, so die Wirtin.

Dabei hat Ilona Hiegemann noch Glück – im Wirtshaus gibt es nicht nur Getränke, sondern auch bürgerliche Küche. Reine Schankkneipen haben es seit dem Rauchverbot schwerer. Das zeigt auch eine Statistik der Stadt. Gab es im Jahr 2007 noch 606 Gewerbeanmeldungen im Gaststättenbereich, sind die Zahlen sukzessive Jahr für Jahr zurückgegangen. 2016 waren es lediglich noch 482 Gewerbeanmeldungen.

Dehoga-Vorsitzende: Umsatzrückgang an der Theke

Das Kneipensterben ist auch der Essener Vorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Christiane Behnke bekannt, die selbst Betreiberin vom Alt-Krayer Gasthaus Budike ist.

Sie betont, dass die Gastronomen in Essen durch das strikte Rauchverbot besonders betroffen seien. Im Thekenbetrieb habe es einen großen Umsatzrückgang gegeben.

Zudem sei es durch das Rein- und Rausgehen der Raucher nicht nur unruhiger in den Gaststätten geworden: Man könne auch davon ausgehen, dass pro Zigarettengang ein Bier weniger verkauft wird. „Das wird auch im Laufe des Abends nicht wieder reingeholt. Es ist ein Märchen, dass die Menschen dann länger bleiben“, so die Vorsitzende.

Wie auch Hiegemann vertritt Behnke die Meinung, dass es jedem Wirt selbst überlassen sein sollte, was für eine Art Kneipe er führen möchte. „Das sind schließlich alles mündige Bürger.“

Dampfe Borbeck: Raucher-Raum ohne Raucher

In der Dampfe, der Dampfbierbrauerei in Borbeck, herrscht ebenfalls striktes Rauchverbot, wie Karin Flemming erzählt.

Für die Dampfe habe das Gesetz keine Auswirkungen gehabt. „Unsere Gäste gehen ohne zu murren vor die Tür zum Rauchen“, so Flemming. Die meisten freuen sich darüber, dass „die Kleidung nicht mehr so stinkt“. Bevor das absolute Rauchverbot in NRW galt, gab es in der Dampfe sogar einen eigenen Raum für die Raucher – doch der sei nicht angenommen worden. Die Raucher sind raus gegangen.

„Eule“ in Rüttenscheid: Jüngere akzeptieren Rauchverbot

Janine Heidenreich, die mit ihrem Mann die Gaststätte „Eule“ in Rüttenscheid betreibt, hat zwar einen leichten Rückgang im Thekengeschäft bemerkt, dafür sei aber in anderen Bereichen der Umsatz gestiegen.

Vor allem die älteren Gäste hätten ein Problem mit dem Rauchverbot gehabt, bei den jüngeren sei es akzeptiert.

Ärgerlich sei nur gewesen, dass sie vor der Gesetzesverschärfung eigens eine Trennwand in die Gaststätte eingezogen hätten, um einen Raucherbereich zu schaffen.

Achim Kobsch: „weniger Umsatz in der Kronenstube“

Achim Kobsch, Wirt der Kronenstube in Rüttenscheid, geriet immer wieder mit dem Ordnungsamt aneinander, da er das Gesetz anfangs nicht beachtete. Jetzt herrscht auch bei ihm Rauchverbot, die Anzeigen seien zu teuer geworden. Er zieht Bilanz: „Das Rauchverbot hat sich auf jeden Fall negativ ausgewirkt – ich habe rund 37 Prozent weniger Umsatz“, so Kobsch.

Und Ilona Hiegemann? Die freut sich auf ihre Feierabendzigarette: Wenn alle draußen sind, der Laden geschlossen ist – und sie tun und lassen kann, was sie möchte.

>> NICHTRAUCHERSCHUTZGESETZ 2007 und 2013

  • Vor rund zehn Jahren war der Aufschrei bei vielen Gastronomen groß: Die damalige Bundesregierung beschloss im Juli 2007 das Nichtraucherschutzgesetz.im Juli 2007 das Nichtraucherschutzgesetz
  • Sechs Jahre später wurde das Gesetz in Nordrhein-Westfalen noch einmal verschärft.
  • Seit dem 1. Mai 2013 ist das Rauchen in Kneipen, geschlossenen Sportstadien, Restaurants und Festzelten verboten.
  • Auch die zuvor zugelassenen eigenen bzw. abgetrennten Räume und Raucherclubs wurden verboten.
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