Tierschützer

Wenn die Pelz-Polizei in Essen Passanten kontrolliert

Jennifer Schöpf (r.) und Michael Seitz (l.) von der Tierschutzorganisation " Tierschutzbüro " als Pelz Polizei auf der Limbecker Straße. Hier informieren sie die Passanten Jürgen und Renate Zielewski aus Gelsenkirchen über das qualvolle Herstellen von Tierpelzen, und wie man diese erkennt.

Foto: Knut Vahlensieck

Jennifer Schöpf (r.) und Michael Seitz (l.) von der Tierschutzorganisation " Tierschutzbüro " als Pelz Polizei auf der Limbecker Straße. Hier informieren sie die Passanten Jürgen und Renate Zielewski aus Gelsenkirchen über das qualvolle Herstellen von Tierpelzen, und wie man diese erkennt. Foto: Knut Vahlensieck

Essen.   In der City haben uniformierte Mitglieder eines „Tierschutzbüros“ Pelzträger als Pelz-Polizei angesprochen. Nicht jeder findet das angemessen.

Mit wachen Augen nehmen Jennifer Schöpf und Michael Seitz die Limbecker Straße ins Visier. Ihre blau-anthrazitfarbenen Uniformen fallen in der Limbecker Straße sofort auf. Gezielt suchen sie sich Passanten raus, die sie „kontrollieren“. Aber sie sprechen keine Verwarnungen aus, denn sie sind nicht von der echten Polizei und die Kontrollierten haben auch kein Unrecht begangen oder gar ein Gesetz übertreten. Schöpf und Seitz sind als Pelz-Polizisten unterwegs, um einen, aus ihrer Sicht, großen Missstand anzusprechen: das Tragen von Mänteln und Accessoires mit echtem Pelz.

Für das „Deutsche Tierschutzbüro e.V.“, dem Schöpf und Seitz angehören, ist das Ausbeutung von Tieren. Diese würden nur zum Zwecke der Pelz-Produktion gezüchtet und oft unter schlechten Bedingungen gehalten. „Viele wissen nicht, dass der angebliche Kunstpelz an der Jacke oder der Mütze tatsächlich echt ist“, sagt Schöpf. Für Verbraucher sei das oft schwer erkennbar. „Wir wollen die Menschen ansprechen und für das Thema sensibilisieren.“

Unterwegs mit der Pelz-Polizei

Wer Kunstfell tragen möchte, bekommt teilweise echtes Fell untergejubelt. Die "Pelz-Polizei" vom "Tierschutzbüro" zieht deshalb durch die Innenstädte und erklärt, worauf man beim "Fell-Kauf" achten muss.

Unterwegs mit der Pelz-Polizei

Der Test zeigt: der Pelz ist echt

Es dauert nicht lange, bis ein älteres Ehepaar stehen bleibt. Renate Zielewski trägt eine dünne Steppjacke mit Pelzbesatz am Kragen. Überzeugt behauptet sie, dass sich an ihrer Jacke kein echter Pelz befindet. Nach einem kurzen Gespräch lässt sie sich dazu überreden, ihren Kragen testen zu lassen. Schöpf fängt an, mit ihren Fingern durch den Haarbesatz zu fahren und ihn auseinander zu ziehen. Was zu sehen ist, ähnelt einer Kopfhaut. „Das ist Leder. Wäre der Pelz künstlich, könnten Sie hier Waben sehen“, urteilt Seitz.

Renate Zielewski schaut pikiert.

Es folgt der Brenntest. Dazu reißt Schöpf ein kleines Haarbüschel aus dem Kragen und hält ihn über ein Feuerzeug. Das Haar fängt sofort an zu kokeln und riecht verbrannt. So, als wenn man sich zu heiß die Haare föhnt. Kunstpelz würde nach verbranntem Plastik riechen, somit sei der Pelz echt. Renate Zielewski ist schockiert. „Ich habe mich im Geschäft nicht beraten lassen, sondern die Jacke einfach gekauft, weil ich sie schön fand“, sagt sie. Sie finde es furchtbar, wenn Tiere für Mode sterben müssen.

Echter Pelz ist oft nicht deklariert

2012 wurde eine EU-weite Verordnung erlassen, die besagt, dass Pelz oder Leder in Modewaren gekennzeichnet werden müssen. Doch das passiere oftmals nicht, sagt die „Pelz-Polizei“. Konsequenzen für die Verkäufer habe dies keine.

Seitz und Schöpf machen die Probe und betreten einen Accessoire-Laden. Auf der linken Seite hängen quietschbunte Handyanhänger mit Bommel. Ein schwarzes Modell wird gekauft. Draußen vor der Tür folgt wieder der Brenntest. Der Geruch nach verbranntem Haar ist penetrant und in zwei Metern Entfernung zu riechen. Der Pelz ist echt.

Händler verkauft echten Pelz – ohne es zu wissen

Die beiden „Polizisten“ sprechen den Verkäufer an. Er habe nicht gewusst, dass er Produkte mit echtem Pelz verkaufe. Der Großhändler, der ihn beliefere, habe die Ware nicht gekennzeichnet. Er werde die Ware mit dem echten Pelz aber an den Großhändler zurückschicken. „Ich wusste gar nicht, dass es sowas wie die Pelz-Polizei gibt“, erklärt sich Zhou Zhaojin, der Verkäufer. Die Aufklärung finde er aber gut.

Dennoch sind die Meinungen zu dieser Aktion gespalten. Besonders eine Frau im Pelzmantel reagiert ungehalten. „Es bleibt doch jedem selbst überlassen, was man trägt“, ruft sie empört.

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