Gemeinde-Fusion

Gläubige lassen den Geist von St. Raphael weiterleben

Ein neues geistiges Zuhause haben Michael Scholz (l.), ehemaliges Vorstandsmitglied des Fördervereins St. Raphael, und Ralph Kunze, Gemeinderatsvorsitzender und Vorsitzender des Fördervereins, in St. Hubertus gefunden.

Foto: Christof Köpsel

Ein neues geistiges Zuhause haben Michael Scholz (l.), ehemaliges Vorstandsmitglied des Fördervereins St. Raphael, und Ralph Kunze, Gemeinderatsvorsitzender und Vorsitzender des Fördervereins, in St. Hubertus gefunden. Foto: Christof Köpsel

Essen-Bergerhausen.   Die Fusion von Gemeinden klappt nicht immer reibungslos, wie das Beispiel St. Raphael zeigt. Jetzt haben die Katholiken ihre Heimat gefunden.

Wenn zwei Gemeinden fusionieren, klappt das nicht immer reibungslos. Dass nach langem Kampf ein gutes Miteinander stehen kann, haben die Gemeindemitglieder von St. Raphael in Bergerhausen erlebt. Als das Bistum ihre Kirche aufgab, war der Schmerz groß. Die Fusion mit der Nachbargemeinde St. Hubertus gestaltete sich sehr schwierig. Inzwischen funktioniere das Zusammenleben aber gut, betont Ralph Kunze, ehemals in St. Raphael aktiv, heute Gemeinderatsvorsitzender von St. Hubertus und Raphael.

Dennoch gibt es weiter den Freundeskreis St. Raphael, der inzwischen im Förderverein aufgegangen ist und der „verletzten Generation“ von St. Raphael ein Zuhause gibt. „Dem Zusammenschluss der beiden Gemeinden gingen Fusionsschwierigkeiten von bald 13 Jahren mit hohen Reibungsverlusten voraus“, blickt Kunze zurück. Der Prozess sei vor allem durch menschliche Unzulänglichkeiten und Missmanagement sehr emotional abgelaufen.

St. Raphael an der Ahrfeld-/Peenestraße war im Februar 2009 profaniert und 2013 abgerissen worden. Die kleinere Gemeinde St. Raphael kam damals zur Muttergemeinde St. Hubertus. Das ehemalige Kirchenvorstandsmitglied Michael Scholz (75), pensionierter Chirurg, erinnert sich an einen „Rosenkrieg“, von dem das Zusammenwachsen der Gemeinden anfangs geprägt war. Scholz war lange im Vorstand des Fördervereins St. Raphael und kümmert sich bis heute um die Organisation der Aktivitäten.

Trauer um die aufgegebene Kirche und alte Strukturen

„Wir haben damals als Ehrenamtliche in St. Raphael ziemlich frei und ohne Verbandsstrukturen agiert und mit den Priestern zusammengearbeitet“, so Scholz. Ein wichtiges Standbein sei immer die Erwachsenenbildung gewesen. In St. Hubertus sei es dagegen nicht üblich gewesen, den Ehrenamtlichen so freie Hand zu lassen – für die Neumitglieder eine große Umstellung. „Das liegt immer an den handelnden Personen“, ist Ralph Kunze überzeugt.

„Es war schnell klar, dass es nichts bringen würde, in der Schmollecke zu verharren. Trotz aller Trauer um unsere Kirche und die alten Strukturen mussten wir unsere Zukunft in die Hand nehmen“, sagt Scholz. „Andererseits wollten wir zusammenbleiben, haben deshalb 2009 den Freundeskreis St. Raphael als losen Zusammenschluss ohne Satzung und Vorsitzenden gegründet“, so Scholz. Die Gruppe mit rund 120 Mitgliedern sei inzwischen im 2002 gegründeten Förderverein aufgegangen, auch um den Veranstaltungen eine rechtliche Basis zu geben.

Einmal im Monat gibt es gemeinsame Aktivitäten

Einmal im Monat gibt es bis heute gemeinsame Aktivitäten: Kirchenführungen, Radtouren, Besichtigungen, ökumenische Veranstaltungen. Noch immer feiern die Ehemaligen aus St. Raphael im September ein Begegnungsfest, das an das frühere Pfarrfest erinnert und auf dem Gelände der Kita stattfindet, die weiterhin in Betrieb ist.

Mit all diesen Aktivitäten, die jährlich in einem Flyer bekanntgemacht werden, wolle man sich keinesfalls von St. Hubertus abgrenzen, betont Ralph Kunze. Der 47-Jährige arbeitet als Lehrer und ist inzwischen auch Vorsitzender des Fördervereins. „Der Geist von St. Raphael lebt weiter in der neuen Gemeinde“, ist er überzeugt und freut sich, dass trotz des denkbar schlechten Starts jetzt ein gutes Zusammenspiel gelinge.

Gläubige haben in St. Hubertus eine Heimat gefunden

„In den letzten sechs bis sieben Jahren haben Pastor Ludger Toups und das Team in unzähligen Gesprächen und mit viel Arbeit eine offene Atmosphäre für alle Gemeindemitglieder und den Stadtteil geschaffen“, so Kunze. Auch wenn sich die Raphael-Mitglieder erst als Verlierer des Fusionsprozesses gefühlt hätten: „Jetzt haben sie ihre Heimat in St. Hubertus gefunden – und halten trotzdem mit dem Förderverein die Erinnerung an St. Raphael hoch“, so der Gemeinderatsvorsitzende.

Während des Umstrukturierungsprozesses im Bistum Essen vor gut zehn Jahren wurden aus 260 katholischen Gemeinden 43 Großpfarreien, blickt Bistum-Sprecher Ulrich Lota zurück. In den 1960er Jahren sei das Ziel gewesen, die Entfernung zur nächsten Kirche für die Gläubigen möglichst gering zu halten. Doch dann sei die Zahl der Katholiken von rund 1,5 Millionen zur Gründungszeit des Bistums 1958 im Laufe der Jahre auf rund
800 000 geschrumpft.

Einige Gemeinden tragen heute einen Doppelnamen

Dazu komme der Priestermangel. Man habe deshalb die Infrastrukturen anpassen, Gemeinden zusammenlegen und Kirchen schließen müssen. Bei wenigen Gemeinden ist die Fusion am Doppelnamen zu erkennen, wie bei St. Hubertus und Raphael in Bergerhausen oder St. Ludgerus und Martin in Rüttenscheid. Andere gaben sich einen neuen Namen, um den Neuanfang deutlich zu machen, so Lota.

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