Wirtschaft

Frauke Sturm sortiert hauptberuflich die Papiere anderer

Akten, Akten, Akten: Frauke Sturm (l.) und Kundin Yoshi Bertelsen sortieren Unterlagen und bringen Grund in den Papierkram, der sich über die Jahre angesammelt hat. Am Ende für beide eine lohnenswerte Sache.Foto:Kerstin Kokoska

Akten, Akten, Akten: Frauke Sturm (l.) und Kundin Yoshi Bertelsen sortieren Unterlagen und bringen Grund in den Papierkram, der sich über die Jahre angesammelt hat. Am Ende für beide eine lohnenswerte Sache.Foto:Kerstin Kokoska

Essen-Rüttenscheid  Frauke Sturm erledigt für andere lästigen Papierkram und bringt damit mehr Durchblick und Struktur in deren privates oder geschäftliches Leben.

. Die Steuererklärung ist längst überfällig, die Zettelwirtschaft auf dem Schreibtisch nimmt Überhand, im Keller fliegen alte Kontoauszüge durch die Gegend – in manchen Dingen fehlt eben doch die Struktur, auch wenn das Leben ansonsten geregelt abläuft. So geht es vielen Menschen. Im Alltag oder im Beruf, ob alt oder jung. Aber man kann sich helfen lassen. Etwa von Frauke Sturm, Ordnungs-Profi aus Rüttenscheid.

Heute räumt sie bei einer Kundin auf, Frühjahrsputz im übertragenen Sinne. Auf dem Wohnzimmertisch liegen die Aktenordner, Yoshi Bertelsen ist dankbar, dass ihr jemand einen ungeliebten Job abnimmt: „Ich hatte das dringende Bedürfnis, mir Hilfe ins Haus zu holen.“ Seit sie im Ruhestand ist, sammelte sich einiges an. Ihre Mutter ist 93, nun kümmert sie sich intensiv um deren Belange. Noch könne sie das, meint die 65-Jährige, doch sie denkt zukunftsorientiert. „Jetzt bin ich zwar noch fit, aber mit fortschreitendem Alter ist man gut beraten, wenn die Unterlagen vernünftig sortiert sind.“ Schon allein, um die Tochter nicht noch mit Papierkram zu belasten, falls ihr mal etwas passieren sollte. Ordnung von einem Fremden schaffen zu lassen, habe Vorteile: „Es ist gut, wenn jemand objektiv und pragmatisch an die Sache herangeht.“

Gelernte Kommunikationswirtin

Frauke Sturm hatte immer schon eine Vorliebe für das Thema Ordnung. Die gelernte Kommunikationswirtin war über 15 Jahre lang im Marketingbereich verschiedener Firmen und in Werbe- und Design-Agenturen als Projektleiterin tätig. „Mein Beruf hat mir schon immer Organisationsgeschick und vor allem Struktur abverlangt.“

So keimte der Wunsch auf, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, die Selbstständigkeit zu wagen. Nicht nur Rentner, auch junge Menschen bitten Sturm um Hilfe. Eine Kundin setzte nach zwei Umzügen in drei Jahren andere Prioritäten. Jede Menge noch eingepackte Kartons mit wichtigen Verträgen, privaten Dingen und sonstigen Unterlagen – alles stapelte sich. Dann die ungewohnte Lebenssituation in einer fremden Stadt mit neuen Schulen und Jobs. Und als auch noch ihre Mutter erkrankte und eine Pflege organisiert werden musste, holte sie sich die Hilfe von Frauke Sturm.

Sensibilität und Einfühlungsvermögen

„Schlimm ist es natürlich, wenn ein Mensch plötzlich verstirbt und die trauernden Angehörigen überfordert sind, weil ihnen bei den administrativen Dingen niemand zur Seite steht“, berichtet Frauke Sturm. Auch das erlebt sie. Ihre Tätigkeit erfordert Sensibilität und Einfühlungsvermögen – im Positiven wie im Negativen. Manchmal sind es die Krankheit des Partners, eine Trennung oder auch ein unvorhergesehenes Erbe, die den Wunsch nach Hilfe auslösen. Sturm unterstützt ihre Kunden auch bei der Korrespondenz mit Ämtern und Dienstleistern, wie etwa dem Energieversorger oder dem Telefonanbieter.

Warum aber macht die zweifache Mutter das? „Ich habe flexible Arbeitszeiten und erlebe täglich, wie sich die Kunden freuen. Sehr motivierend.“ Das Ergebnis sieht man, manchmal kommt dabei auch ein Kofferraum voll mit geschredderten Akten zustande. Inzwischen gibt es immer mehr Dienstleistungen solcher Art. Viele Menschen kaufen sich Hilfe ein, weil sie es aus verschiedenen Gründen alleine nicht schaffen, Ordnung in ihr Leben zu bringen.

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