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Radverbot im Bredeneyer Kruppwald ist nicht rechtens

18 solcher Schilder - mit der Extra-Notiz „auch Mountainbiker“ versperren Radlern seit Ende Februar 2017 sämtliche Wege durch den Kruppwald.

Foto: Kerstin Kokoska

18 solcher Schilder - mit der Extra-Notiz „auch Mountainbiker“ versperren Radlern seit Ende Februar 2017 sämtliche Wege durch den Kruppwald. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Die Verbotsschilder für Radler, die Thyssen-Krupp im Kruppwald aufstellen ließ, hätten genehmigt werden müssen. Nun ist neue Lösung gefragt.

Die Verbotsschilder für Fahrradfahrer im Krupp-Wald, die Thyssen-Krupp als Forst-Eigentümer hat aufstellen lassen, sind nicht rechtens. „Es liegt eine ungenehmigte Wegesperrung vor“, bestätigte am Montag ein Sprecher der zuständigen Aufsichtsbehörde, des Regionalforstamts Ruhrgebiet.

18 Schilder sperren seit gut einer Woche einen Großteil des Wegenetzes durch den Kruppwald rund um die Villa Hügel. Die Aktion war, wie berichtet, mit niemandem abgesprochen worden. Weder Landschaftsbehörden noch die Essener Stadtverwaltung waren zuvor informiert worden. Ein befestigter Weg direkt am Hügelpark entlang, der von Bredeney aus bis zur Freiherr-vom-Stein-Straße am Baldeneysee-Ufer führt, gehört sogar zum Teil des offiziellen Radwegenetzes in Essen, ist in den amtlichen Radkarten eingezeichnet.

Thyssen-Krupp wehrt sich gegen den Vorwurf, pauschal zu verurteilen

„Die Beschwerden von Fußgänger über schnelle Mountain-Biker hatten in letzter Zeit erheblich zugenommen“, berichtet Tim Proll-Gerwe, Sprecher von Thyssen-Krupp. „Mit den Schildern wollten wir nicht alle Radler pauschal verurteilen, uns jedoch als Waldbesitzer auch absichern für den Fall, dass wir in einem Schadensfall haftbar gemacht würden.“

Tatsächlich gehört der Krupp-Wald nicht nur zu den bevorzugten Revieren von Hobby-Radlern, sondern auch von Mountain-Bikern. Offenbar nutzen manche die Strecke auch als Rennpiste: In einschlägigen Internet-Foren gibt es Übersichten, die belegen, dass einige Mountain-Biker mit mehr als 40 Stundenkilometern die abschüssige Strecke hinunterdonnern.

Forstgesetz schreibt vor: Waldbesitzer müssen Sperrungen beantragen

Paragraph 4 im NRW-Landesforstgesetz schreibt Waldbesitzern vor, dass Wegesperrungen auch von privaten Wäldern bei der zuständigen Behörde beantragt werden müssen. Für eine Sperrung muss es ernsthafte Gründe geben, die sich aus Fragen des „Forstschutzes, der Waldbewirtschaftung, der Wildhege oder der Jagdausübung“ ergeben.

Tim Proll-Gerwe, Sprecher bei Thyssen-Krupp, räumt ein, dass der Konzern die Wege gesperrt habe, ohne zuvor eine amtliche Genehmigung eingeholt zu haben. „Das ist von uns nicht als dauerhafte Lösung angedacht“, relativiert der Sprecher jedoch.

Radclub ADFC wäre für Lösung mit Schildern, die an Vernunft appellieren

Laut Gesetz könnte die Forstbehörde die Sperrung jetzt aufheben. Es heißt jedoch von den Beteiligten, dass man „gemeinsam ins Gespräch kommen“ will, wie die Lage jetzt zu lösen ist. Denkbar wären, so heißt es, zum Beispiel Schilder, die kein amtliches Verbot aussprechen würden, sondern an die gegenseitige Rücksichtnahme aller Beteiligten appellieren könnten.

Ein solches Vorgehen würde auch der Essener Radclub ADFC begrüßen: „Eine entsprechende Lösung wäre immer in unserem Sinne“, sagt Mirko Sehnke vom Vereinsvorstand.

NRW-Forstgesetz schreibt allen Waldnutzern „Wohlverhalten“ vor

Solche Appell-Schilder hätten übrigens durchaus justiziablen Charakter: Seit 1970 regelt das NRW-Forstgesetz, wie sich Bürger im Wald zu verhalten haben. Während private Waldbesitzer ihren Forst nicht einfach so sperren können, sind im Gegenzug alle Waldbenutzer, mit oder ohne Fahrrad, rechtlich zu einer „Wohlverhaltenspflicht“ angehalten. Das Rasen auf dem Rad gehört ganz bestimmt nicht dazu.

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