Kunstwerk

Neuer alter Rahmen für wertvollstes Werk im Folkwang Museum

Kustos Mario-Andreas von Lüttichau steht im Essener Folkwang Museum neben der neu gerahmten „Barbarischen Erzählung“ von Paul Gaugin aus dem Jahr 1902.

Foto: Kerstin Kokoska

Kustos Mario-Andreas von Lüttichau steht im Essener Folkwang Museum neben der neu gerahmten „Barbarischen Erzählung“ von Paul Gaugin aus dem Jahr 1902. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.  Die „Barbarische Erzählung“, das wertvollste Werk im Essener Folkwang Museum, ist neu umrahmt. Das besondere Holz ist 400 Jahre alt.

Das wertvollste Werk im Folkwang Museum hat einen neuen Rahmen bekommen. Der ist nicht nur der Originalrahmung von Paul Gauguins „Barbarischer Erzählung“ aus dem Jahr 1902 nachempfunden. Das besondere Holz ist noch 300 Jahre älter als das weltweit bekannte und geschätzte Gemälde des französischen Künstlers.

Ein vergleichsweise unauffälliges Schwarz-Weiß-Foto aus dem Folkwang Museum in Hagen brachte Kustos Mario-Andreas von Lüttichau auf die Spur des Originalrahmens für das Meisterwerk. Im abgedunkelten Hintergrund der Raumaufnahme zu sehen: die „Barbarische Erzählung“ um 1910 in einem Rahmen mit deutlich weicheren Konturen als im Folkwang in Essen. „Italienische Herkunft, mit zurückhaltender Ausstrahlung. Die betonte stärker das paradiesische Sujet des Werks“, so Kustos von Lüttichau über das in der Südsee entstandene Gemälde mit besonderer Wirkung.

Karl Ernst Osthaus, Gründer des Folkwang Museums, ließ sein Werk vor hundert Jahren umrahmen. Wahrscheinlich, um am prominenten Eingang seines Museums eine inszenierte optische Symmetrie mit dem dort ebenfalls präsentierten „Stillleben mit Affodilen“ von Henri Matisse herzustellen. Im Folkwang in Essen sind beide Franzosen wieder vereint und nur einen Blick und einen halben Raum voneinander entfernt.

Matisse und Gauguin sind im Folkwang vereint

Bis vor einer Woche korrespondierten auch die Rahmen der beiden Werke. Der von Osthaus gewählte „harte Rahmen wirkte sich aber negativ auf die Wirkung des Gauguins aus“, wie Mario-Andreas von Lüttichau bei jedem Blick auf die „Barbarische Erzählung“ auffiel. Die ist das meist verliehene Gemälde im Folkwang. Und sie ist das wertvollste Werk des Museums. Zur Einordnung: Als 2015 ein Gauguin, was selten passiert, den Besitzer wechselte, betrug der Preis 280 Millionen Euro. Das ebenfalls in der Südsee von Gauguin gemalte „Wann heiratest Du?“ wurde von den USA nach Katar verkauft.

Neuer Rahmen ist über 400 Jahre alt

Mario-Andreas von Lüttichau musste für die Veredlung des wertvollsten Essener Werkes nicht ganz so weit reisen. Er wurde in Basel beim Rahmenexperten Thomas Knoell fündig. „Wir können auf einen reichhaltigen Fundus an historischen Bilderrahmen zurückgreifen“, werben die Schweizer. Und genau hier fand der Folkwang-Kustos das 400 Jahre alte Holz, das der Original-Rahmung der „Barbarischen Erzählung“ durch den französischen Galeristen Ambroise Vollard sehr nah kommt. Mit Unterstützung des Museumsvereins, mit Privatspenden und mit der Kulturstiftung Essen wurde der neue Rahmen, der einen fünfstelligen Betrag gekostet hat, finanziert.

„Dieser um 1620 in Italien geschnitzte Rahmen stellt in seiner Weichheit und reduzierten Anmut das großartige Werk von Gauguin beeindruckend heraus“, schwärmt Mario-Andreas von Lüttichau.

Von dieser Wirkung können sich seit kurzem die Besucher der ständigen Sammlung im Folkwang überzeugen. Und auch davon, dass dieser besondere Rahmen des besonderen Gauguin-Meisterwerks ein eigenes kleines Kunstwerk ist.

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