Gastronomie

Nachbarn im Südviertel retten Lieblingspizzeria vor dem Aus

Inhaber Siamak Hassannejad (4.v.l.) und seine Partnerin Sunia Mustu (6.v.l.) im  Kreise ihrer Nachbarn und Stammgäste um Jochen König (3.v.r.), die ihnen halfen, das Restaurant él Destino aus der Schräglage zu befreien.Foto Services

Foto: Kerstin Kokoska

Inhaber Siamak Hassannejad (4.v.l.) und seine Partnerin Sunia Mustu (6.v.l.) im Kreise ihrer Nachbarn und Stammgäste um Jochen König (3.v.r.), die ihnen halfen, das Restaurant él Destino aus der Schräglage zu befreien.Foto Services Foto: Kerstin Kokoska

Bergerhausen/Südviertel.   Wo sonst Fernsehshows mit Starköchen notwendig sind, reichte im Südviertel jede Menge Herz aus: Wie das él Destino seinem Schicksal entkam.

Im vergangenen Dezember konnte Siamak Hassannejad nicht mehr: Trotz seines großen Einsatzes und ungezählter Überstunden in der Küche war seine kleine Trattoria él Destino in finanzielle Schräglage geraten. Schweren Herzens teilte er seinen Stammgästen mit, am Jahresende zu schließen.

„Das konnten und wollten wir nicht hinnehmen. Siamak hat hier einen Treffpunkt für uns alle geschaffen. Hier haben sich Nachbarn kennengelernt, die zum Teil schon seit über 20 Jahren an der Rellinghauser Straße wohnen“, sagt Jochen König, selbstständiger Unternehmensberater und Liebhaber der italienischen Küche. Die beherrscht Siam Hassannejad in allen Facetten, findet nicht nur Jochen König. Gemeinsam mit Mitstreitern aus der Nachbarschaft entwarf er einen Rettungsplan, um die kleine Trattoria vor dem Aus zu bewahren.

Zu günstige Preise, zu große Portionen

Wofür es sonst Fernsehshows mit Starköchen wie Frank Rosin oder Christian Rach braucht, reichten im Fall des él Destino jede Menge Herz und Freundschaft aus: Jochen König bat seine Steuerberaterin, die Finanzen zu prüfen. „In einem ersten Schritt haben wir die Preise angehoben – die waren früher viel zu günstig und die Portionen zu groß. Siamak war vielleicht ein zu guter Gastgeber, das hat ihn in die Situation gebracht“, vermuten die Stammgäste.

Doch nicht nur finanziell griffen sie ihrem Lieblingskoch unter die Arme: Nachbarn wie Matthias Balter und Fabian Meyer bauten eine große Salattheke, die den zeitlichen Ablauf im Restaurant optimiert und Siamak Hassannejad mehr Platz zusätzlich zur winzigen Küche verschafft. Der Kiosk-Besitzer von gegenüber steuerte noch sein technisches Fachwissen bei und half bei der Montage der auffälligen Leuchtwerbung an der Rellinghauser Straße. Zusätzlich brachten die Nachbarn noch ein paar Urlaubsbilder aus der Toskana mit. Sie schmücken jetzt die Wände der Trattoria, die früher mal eine Kneipe war und „Harlekin“ hieß.

Vom Tellerwäscher zum Restaurantbesitzer

Siamak Hassannejad übernahm das Lokal vor vier Jahren, kocht aber schon weitaus länger: „Ich kam vor 27 Jahren aus dem Iran nach Deutschland und habe wortwörtlich als Tellerwäscher begonnen, damals zuerst im Gallo an der Huyssenallee“, blickt der 49-Jährige zurück. Nach einem Restaurant in Oberhausen habe er mit dem él Destino – wörtlich übersetzt „das Schicksal“ – einen Neustart in der Gastronomie wagen wollen. Schnell kochte er sich in die Herzen seiner Nachbarn, die sich über die Wiederbelebung des „Grenzgebiets“ zwischen Südviertel und Bergerhausen freuen.

Dabei wissen die Unterstützer, dass bislang nur ein Anfang gemacht ist. „In einem nächsten Schritt wollen wir einen Jahres-Plan aufstellen, Aktionen wie Menü-Abende und Weinproben anbieten. Wichtig ist, dass wir eine Schließung abwenden konnten“, sagt Jochen König. Siamak Hassannejad ist von so viel Unterstützung noch immer überwältigt: „Die Nachbarn haben mir den Mut gegeben, weiterzumachen. Ich bin sehr glücklich, solche Freunde zu haben.“

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