Hartz IV

In Essen steigt die Zahl der Hartz-IV-Haushalte deutlich

Beim Jobcenter Essen wächst die Zahl der Hartz-IV-Empfänger.

Foto: Socrates Tassos

Beim Jobcenter Essen wächst die Zahl der Hartz-IV-Empfänger. Foto: Socrates Tassos

Essen.   Die Flüchtlingswelle hat die Zahl der Bedarfsgemeinschaften in die Höhe getrieben. Über 46 000 Haushalte leben nun von der staatlichen Hilfe.

Die Zahl der Haushalte, die in Essen von Hartz IV leben, ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Nach Auskunft des zuständigen Jobcenters gab es im Jahresdurchschnitt in Essen 46 380 so genannte Bedarfsgemeinschaften – rund 900 mehr als im Jahr zuvor. Damit lebten 90 272 Essener, Erwachsene und Kinder – von der staatlichen Hilfe. Auch in diesem Jahr rechnet das Jobcenter mit einer weiteren deutlichen Zunahme.

Mit den Bedarfsgemeinschaften haben sich im vergangenen Jahr auch die Kosten erhöht, die die Stadt Essen für Unterkunft und Heizung aufwenden musste. Die Stadt gab dafür fast 137 Millionen Euro aus. Im Jahr 2015 lag der Zuschuss dafür noch bei 134,7 Millionen Euro. Zum Vergleich: Diese Summe entspricht in etwa den Einnahmen, die die Stadt jährlich über die Grundsteuer B kassiert. Die Soziallasten allgemein gelten als eine der Hauptursachen für die finanzielle Misere der Ruhrgebietsstädte. Auch in Essen sind die Sozialausgaben der mit Abstand dickste Posten im Haushalt.

Allerdings hatte die Stadt Essen 2016 ursprünglich sogar mit fünf Millionen Euro Ausgaben mehr für Miete und Heizung gerechnet. Da es aber mehr Geld vom Bund gab, wurde Essens Etat etwas entlastet.

Knapp 700 Flüchtlinge vermittelt

Seit Jahren wächst die Zahl der Hartz IV-Haushalte in Essen kontinuierlich. Im vergangenen Jahr war ausschließlich die Flüchtlingswelle dafür verantwortlich, wie die Grafik zeigt. Hätte es die starke Zuwanderung nicht gegeben, wäre die Zahl der Bedarfsgemeinschaften leicht gesunken.

Nach Angaben des Jobcenters bekamen voriges Jahr 5446 Asylbewerber aus den Ländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien erstmals Hartz IV, weil sie als Flüchtlinge anerkannt wurden. Allein sie bildeten 2406 neue Bedarfsgemeinschaften.

4000 arbeitslos gemeldete Flüchtlinge

Wie viele Flüchtlinge in diesem Jahr wiederum neu in Hartz IV fallen werden, kann die Stadt nicht genau prognostizieren: „Wie sich die Zuwanderung weiter entwickelt und ob die Flüchtlinge in Essen eine Bleibeperspektive haben und daraus abgeleitet einen Anspruch auf die Hilfeleistungen des Jobcenters erhalten, lässt sich aktuell nicht sicher voraussagen. Insbesondere der Familienzuzug stellt im Moment eine nicht abwägbare Größe dar“, sagte Sozialdezernent Peter Renzel. Das Jobcenter geht momentan davon aus, dass es in diesem Jahr im Durchschnitt fast 48 400 Bedarfsgemeinschaften in Essen geben wird und somit fast 2000 mehr als im vergangenen Jahr. Ein großer Teil davon dürften weiterhin Flüchtlingsfamilien sein.

Für das Jobcenter hat damit die Integration der neu Zugewanderten in den Arbeitsmarkt hohe Priorität, stößt aber auch an Grenzen. Ende 2016 gab es in Essen knapp 4000 arbeitslos gemeldete Asylbewerber aus den genannten Ländern, nicht enthalten darin sind diejenigen, die derzeit in Sprachkursen stecken.

Das Jobcenter wiederum konnte im vergangenen Jahr 678 Flüchtlinge in Arbeit vermitteln. Dabei handelte es sich aber vor allem um Menschen, die schon länger als ein/zwei Jahre in Essen sind. Für die meisten Flüchtlinge gilt weiterhin der Schwerpunkt, sie erst einmal in Sprach- und Integrationskurse zu vermitteln.

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