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Im Essener Norden bleiben Schulleiter-Posten oft unbesetzt

Rektor aus Leidenschaft: Thomas Kriesten leitet die Neuessener Schule – und derzeit auch die nahe Emscherschule. Unser Bild zeigt ihn beim Medienmonster-Projekt, interviewt von zwei Schülerinnen.

Foto: Kerstin Kokoska

Rektor aus Leidenschaft: Thomas Kriesten leitet die Neuessener Schule – und derzeit auch die nahe Emscherschule. Unser Bild zeigt ihn beim Medienmonster-Projekt, interviewt von zwei Schülerinnen. Foto: Kerstin Kokoska

Schulleiter-Posten im Essener Norden sind offenbar schwer zu besetzten. Und so müssen manche Rektoren sogar zwei Schulen leiten.

Die Essener Schulen haben weiter große Probleme, Leiter-Posten neu zu besetzen. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage hervor, die der FDP-Landtagsabgeordnete Ralf Witzel an die Landesregierung gestellt hat. An 14 von 292 Schulen im Stadtgebiet fehlen demnach die Rektoren, an 33 die Stellvertreter.

Zum Stichtag im Dezember 2016 habe es an vier Grundschulen sogar weder Rektor noch Konrektor gegeben, bemängelt Witzel. „Solche Vakanzen sind nicht akzeptabel, weil sich an diesen Standorten abgesehen von Minimalerwartungen niemand für positive Aktivitäten und Herausforderungen des Schullebens verantwortlich fühlt.“

Löhrmann: Situation in Essen ähnlich wie in Nachbarstädten

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) betont in ihrer Antwort, dass jede nicht besetzte Stelle für Schüler, Lehrer und Eltern „eine besondere Belastung“ darstelle. Sie weist aber darauf hin, dass sich die Situation in Essen nicht deutlich von der in Nachbarstädten unterscheide. Die zuständigen Bezirksregierungen versuchten, offene Stellen zügig auszuschreiben und geeignete Kandidaten anzusprechen.

Trotzdem gelinge es wegen des umfangreichen Verfahrens und Beteiligungen von Personalvertretungen und anderen Gremien „in der Regel nicht, die Besetzungsverfahren innerhalb von drei Monaten abzuschließen“, räumt Löhrmann ein. Eine Argumentation, die Witzel pikant nennt: „Da fragt sich, wieso die Ministerin das Verfahren nicht verschlankt oder früher mit der Suche nach Führungskräften beginnt.“

Witzel begrüßt, dass das Land eine bessere Besoldung der Schulleiter beschlossen habe. Es sei aber ein Fehler, dass man die Konrektoren hier ausgenommen habe. Im übrigen liege der überwiegende Teil der offenen Schulleiter- und der Stellvertreter-Posten im Norden Essens. Betroffen seien überdies meist Grund-, Haupt-, Realschulen sowie Förderschulen. „Die Leiter fehlen genau da, wo sie nicht nur mit vielen Verwaltungsaufgaben zu kämpfen haben, sondern auch mit großen sozialen Herausforderungen.“

Diese Schulen müssten von überbordender Bürokratie befreit werden und mehr Autonomie erhalten. Auch brauchten sie sozialpädagogisch geschulte Fachkräfte: „Es kann nicht sein, dass der Schulleiter ein besserer Sozialarbeiter ist.“

Thomas Kriesten kennt das Problem: Er ist seit 14 Jahren Rektor der Neuessener Schule in Altenessen und leitet dazu nun die Emscherschule, wo der Rektor fehlt. Beide Schulen haben viele Schüler mit Migrationshintergrund; durch den Flüchtlingszuzug kommen Familien hinzu, denen jede Bildungserfahrung fehlt. „Wir leisten viel Sozialarbeit für Eltern und Kinder, beraten sie, holen Hilfe, wenn etwas schief läuft.“Eine bessere personelle Ausstattung, die mehr Team-Unterricht ermöglichte und eine Sozialarbeiter-Stelle für je zwei Grundschulen im Norden der Stadt, fände der 53-jährige Kriesten hilfreich.

Dringend nötig sei eine finanzielle Aufwertung der Konrektor-Posten: Erstens müsse sich der Leiter voll auf sie verlassen können, zweitens biete sich als Stellvertreter die Chance, Erfahrungen für eine spätere Schulleitung zu sammeln.

"Rektor trägt finanzielle, personelle und juristische Verantwortung"

„Als Lehrer haben Sie das ja gar nicht erlernt: Ein Rektor trägt finanzielle, personelle und juristische Verantwortung, muss mit Verwaltungsgremien genauso kommunizieren wie mit der Elternschaft. Sie kriegen um fünf Uhr früh die erste Krankmeldung und sind für jede Schraube verantwortlich, die sich löst.“ Und weil der Förderverein seiner Schule eher finanzschwach sei, müsse er auch Mittel einwerben und Sponsoren gewinnen. Nicht jedem Kollegen liege dieses Aufgabenprofil, das zu Lasten der pädagogischen Arbeit gehe. Er selbst aber habe große Freude daran, „zumal ich ein tolles Team habe“. Auch Kriesten hat sich als Konrektor auf den Chefposten vorbereitet, Feuer gefangen. Anders gesagt: Die 33 offenen Stellvertreter-Posten sollten schleunigst aufgewertet und besetzt werden.

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