Fotografie

Folkwang-Fotografen legen vielschichtigen Zwischenhalt ein

Ein Blick in die „Stopover“-Ausstellung im Museum Folkwang. Rechts eine Aufnahme von János Buck. Foto:Stefan Arend

Ein Blick in die „Stopover“-Ausstellung im Museum Folkwang. Rechts eine Aufnahme von János Buck. Foto:Stefan Arend

Essen.   Masterstudierende der Fotografie zeigen Semesterarbeiten im Museum Folkwang. Schau dokumentiert Vielfalt der künstlerischen Auseinandersetzung.

In einer Zeit der technischen Beschleunigung, der fortwährenden Bilderflut, ist es ratsam, ab und an mal innezuhalten. „Stopover“ , Zwischenhalt, heißt die Ausstellung im Museum Folkwang, die neun Fotografie-Masterstudierenden der Folkwang Universität der Künste nun den ersten großen Museums-Auftritt beschert. Für die Drittsemester bietet es die erste große Chance zur Präsentation und Selbstüberprüfung, zur Professionalisierung und zum Auseinandersetzen mit den Ausstellungsbetrieb.

Schon zum zweiten Mal macht das für seine große fotografische Tradition bekannte Folkwang Museum das gesamte Untergeschoss dabei zum Schauraum für die Masterstudierenden. Und die sind in ihren Arbeiten oft gar nicht so weit entfernt von den Themen und Thesen, von den Techniken und Methoden, wie man sie vor kurzem erst in der großen Folkwang-Ausstellung „Das rebellische Bild“ zu sehen bekam. Yanyi Gu bewegt sich in seiner Installation „UHU“ ganz in der Tradition der subjektiven Fotografie. Wie beiläufig abgelichtet platziert Gu seine Aufnahmen von zerwühlten Betten und ungespülten Tassen nicht nur an der Wand, sondern lässt sie auch als Foto-Mobile im Raum schweben – und fordert vom Publikum eine Positionierung ein.

Ein Blick in die Fenster der Stadt

Haltung einnehmen hieß es auch für die Essener, die Nasfiseh Fathollahzadeh fotografiert hat. Unter dem Titel „Studio“ hat sie mit der Kamera gefensterlt und das Sujet des Parterre-Porträts entwickelt. Während Faeghe Kordestani unter der Frage „Wo ist zuhause“ Sehnsuchtsorte und Erinnerungsmomente im Ländervergleich fotografiert.

Den blauen Himmel, nicht nur über der Ruhr, hat János Buck in seiner Arbeit „Empathizing with Cassandra“ als Luft- und Spekulationsraum geöffnet. Die weißen Kondensstreifen am Himmel, die Verschwörungstheoretiker als heimliche Chemikalienregen unter dem Begriff „Chemtrails“ führen, setzt Buck ein augenzwinkerndes Selbstporträt mit schützender Alufolien-Maske entgegen.

Künstliche Idylle vom Planer-Reißbrett

Unterschiedliche Techniken und Themen, wohin man blickt: Heimat und Fremde, Jugend und Alter, Stadt und Land: spannende, vielseitige Fotografie zwischen blitzschneller Momentaufnahme und soziologischer Langzeitbelichtung. Amy-Jade Chapman hat „Teenager“ als „Digital Natives“ über Jahre porträtiert und medial begleitet.

„Irgend“ nennt Mercedes Wagner ihre Serie der „bewohnten Oberflächen“, ein Arrangement von Gardinen und Bordüren, angetitschtem Deko-Obst und Puzzleteilchen. Unspektakulär ins Bewusstsein gerückte Heimeligkeit. Unter dem Begriff „Humangeographie“ macht Sophia Maria Lanzinger imposante Großbildaufnahmen, die das Ineinandergreifen von Natur und menschlichem Eingriff in spektakulären Kingsize-Aufnahmen von riesigen Talsperren zeigen. Künstliche Idylle vom Planer-Reißbrett dokumentiert auch Sebastian Wolf in seiner Serie „Waterfront“, einer Studie über den amerikanischen Retorten-Ort Cape Coral. SF wie Sciene Fiction hat Kai Behrendt zu seiner Arbeit inspiriert, die vielleicht auch die Zukunft der Fotografie ausmalt: Schwarz-Weiß und in Farbe, repräsentativ gerahmt und wie beiläufig präsentiert. Nach dem Zwischenhalt sind viele Richtungen möglich.

Stopover, bis 21. Mai. UG Museum Folkwang, Museumsplatz

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