Koks-Kunst

Bergbau-Experten helfen Künstler, aus Kohle Kunst zu machen

Philipp Weber vor dem Koksofen mit einem fertigen Koksobjekt in der Hand. Im Ofen das gerade fertiggestellte neue Werk, noch glühend.

Foto: Kerstin Kokoska

Philipp Weber vor dem Koksofen mit einem fertigen Koksobjekt in der Hand. Im Ofen das gerade fertiggestellte neue Werk, noch glühend. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Der Künstler Philipp Weber stellt aus Koks abstrakte Skulpturen her. Jetzt war er bei DMT in Essen. Dort konnte er Wissen und Technik nutzen.

In ihrem Technikum in Kray forscht die DMT Deutsche Montan Technologie an der Herstellung von Koks. Ein Prozess, der in Deutschland mit dem Ende des Bergbaus wohl ausstirbt. Und jetzt steht dort Philipp Weber in der Kokerei-Halle im Dreck und sucht nach seiner Zukunft.

Philipp Weber ist studierter Designer, Künstler, 29 Jahre. Seit über einer Woche experimentiert er bei der DMT an Skulpturen aus Koks. Ein fragiler Stoff, den er seit zwei Jahren zu beherrschen versucht. Vor ihm ruht ein schwarzer Zylinder auf einem Beton-Sockel. Etwa 60 Zentimeter hoch. Etwas eingebeult auf einer Seite.

Es ist die erste große Form, die er aus dem Koksofen der DMT gezogen hat und die nicht in sich zusammengebrochen ist. Philipp Weber schaut zufrieden. Denn dieser Zylinder steckt voller Hoffnung, dass er mit dem Koks doch auf dem richtigen Weg ist. In einer Woche sollen seine Skulpturen erstmals in Mailand ausgestellt werden. Ein enger Zeitplan.

Erst Holz, dann Glas, jetzt Koks

In seinen frühen Arbeiten hat Philipp Weber sich mit Holz beschäftigt, später experimentierte er mit Glas. Ihn interessieren vor allem Prozesse. Vor fünf Jahren suchte der Münsteraner für seine Masterarbeit eine neue Handschrift, ging auf Ahnenforschung. Vielleicht gab es ja einen Handwerker in der Familie, dessen Geschichte er fortschreiben konnte?

Einen Handwerker fand er nicht. Dafür einen Urgroßvater, der auf Zeche Auguste Victoria in Marl unter Tage gearbeitet hat. 2012, als die Zeche noch in Betrieb war, besuchte der damalige Student den Ort.

Fuhr ins Bergwerk ein und war von dem schwarzen Material inspiriert. „Ich wollte etwas mit Kohle machen.“ Sein Projekt nannte er „From Below“.

Es dauerte aber noch zwei Jahre, bis er die erste Form mit Kohlenstaub füllte, um sie zu Koks zu backen. Sein erster Ofen war Marke Eigenbau. Für die ersten kleinen Kegel und Zylinder reichte er. „Ich musste zuerst einmal die Technologie verstehen. Und immer, wenn ich dachte, jetzt hab ich es kapiert, gab es wieder einen Rückschlag“. Es war eine lange Zeit der Zweifel, bis im Sommer 2016 der erste Kegel hielt und nicht auseinanderbrach.

Auch die DMT lernt von der Koks-Kunst

Drazen Gajic lächelt wissend. „Philipps Probleme sind manchmal auch unsere“, sagt der Leiter des Kokerei-Technikums bei der DMT. Die Mitarbeiter dort forschen an optimalen Kohlemischungen für Koks, der zur Stahlherstellung gebraucht wird. „Daraus Formen zu machen, ist nicht unser Ziel“. Doch auch den DMTlern geht es um Festigkeit. „Wir können mit unseren Erfahrungen Philipp helfen. Lernen aber auch für uns dazu“, meint Drazen Gajic.

Der Kontakt zwischen Künstlern und Forschern kam im Übrigen über Webers Universität in Berlin zustande. In Essen bei der DMT hat man trotz der ungewöhnlichen Anfrage nicht lange gezögert. „Der Prozess, wie aus Kohle Koks entsteht, ist fast vergessen. Es ist doch gut, wenn jemand das wieder nach vorne bringt“, sagt Drazen Gajic. Und dann holen beide die nächste große Form aus dem 1000 Grad heißen Backofen.

Erst in zwei Stunden wird Philipp Weber wissen, ob auch dieser Zylinder stehen bleibt.

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