Sexismus

Bar-Pissoirs in Frauenmund-Form lösen Sexismus-Debatte aus

Im „De Prins“ am Isenbergplatz hängen jetzt Pissoirs in Frauenmund-Form. Wirt Sven Dülfer spricht von Kunstobjekten.

Foto: Socrates Tassos

Im „De Prins“ am Isenbergplatz hängen jetzt Pissoirs in Frauenmund-Form. Wirt Sven Dülfer spricht von Kunstobjekten. Foto: Socrates Tassos

Essen-Südviertel.   Neue Urinale in Frauenmund-Form im „De Prins“ im Südviertel sorgen für heftige Diskussionen: Die einen sind empört, die anderen angetan.

Berichte über die goldene Toilette im Guggenheim-Museum in New York gingen im September des vorigen Jahres um die Welt – das güldene Klosett in Übersee ist aber jetzt schon wieder out: Eines der ungewöhnlichsten Urinale hängt nämlich nun im Essener Südviertel, in der Kneipe „De Prins“ am Isenbergplatz.

Wirt Sven Dülfer wollte weg von den „öden Porzellanschüsseln auf der Herrentoilette“ und installierte die „Kisses!“-Urinale der niederländischen Künstlerin Meike van Schijndel. Die Pissoirs polarisieren jedoch: Einige Gäste sind begeistert, andere zeigen sich empört.

Proteststurm auf der Facebook-Seite des de Prins

Die, die entrüstet sind, haben einen kleinen Proteststurm auf der Facebook-Seite der fast ein Vierteljahrhundert alten Kneipe ausgelöst. Sie empfinden die rot-glänzenden Kussmund-Keramiken, die im besten Fall an das Logo der Rolling Stones erinnern, als geschmacklos: „Es ist armselig und frauenverachtend“, meint zum Beispiel die Essenerin Sandra Susnjevic. Auch Anne, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, reagiert pikiert: „Also ehrlich gesagt, finde ich das ziemlich geschmacklos. Und da es wohl Frauenmünder sein sollen, auch sexistisch.“

De Prins-Betreiber Dülfer und die Designerin Schijndel betonen jedoch, dass das Urinal als Kunstobjekt geschlechtsneutral und keinesfalls frauenverachtend sein soll. Die Kunststudentin Susnjevic kann das allerdings nicht gelten lassen: „Es ist ein Design-Objekt, keine Kunst.“ Außerdem erkenne sie ganz klar Frauenlippen. „Das können doch genauso gut auch Clowns-Lippen sein“, findet Wirt Sven Dülfer.

Beschimpfungen als humorlose Feministinnen

Susnjevic ärgert sich auch darüber, dass die Frauen, die die Klos auf der Facebookseite der Kneipe durchaus sachlich als frauenverachtend kritisieren, als humorlose Feministinnen beschimpft werden, die einfach zu wenig Sex hätten.

„Es liegt in der Verantwortung der Betreiber, solche Kommentare zu löschen oder zu sperren, aber die machen gar nichts“, so die 48-Jährige erbost. „Ich habe keine Lust, Leuten etwas zu erklären, die weder den Hintergrund kennen, noch danach fragen“, kontert Dülfer. Das gebe dann nur Endlos-Diskussionen. Die Kritikerinnen habe er in seinem Laden auch noch nie gesehen.

„Ich bin kein Chauvinist!“

Und: Die „Kisses“ seien keinesfalls sexistisch – Frauen gegenüber: Über den neuen Urinalen sind nämlich Bildschirme montiert, auf denen Videos der Mitarbeiterinnen laufen, die übrigens auch die Idee dazu hatten. „Für den Mann sieht es so aus, als würden die Frauen auf sein bestes Stück gucken und auch mitleidig den Kopf schütteln“, erklärt der 60-Jährige. „Ich bin also kein Chauvinist!“

Die meisten Männer finden die Toiletten-Installation cool – trotz der Videos, die sie als sexistisch verstehen könnten. Und es gibt selbst Frauen, die die Kussmünder super finden, so wie Deborah Jones: „Genau so was will ich für mein Gästebad“, meint die 28-Jährige. Auch Christina Simoneit interessiert sich, wie viele Frauen, für etwas ganz anderes: „Und was gibt es für das weibliche Geschlecht?“ Dülfer: „Ja, da bin ich jetzt in Zugzwang!“

Der Essener Sprayer „Gigo“ werde die Damentoilette mit Graffiti-Schriftzügen besprühen, das werde weniger als Pop-Art, sondern am Ende eher intellektuell ‘rüberkommen. Ein Problem seien die Toilettenschüsseln, für Frauen gebe es da einfach nichts Aufregendes. „Plüsch wäre toll, aber das geht aus hygienischen Gründen nicht.“ Gerne würde Dülfer goldene Schüsseln wie im Guggenheim für die wertgeschätzten Damen bereitstellen, aber: „Das sprengt doch leider das Budget.“

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