Mord-Prozess

Aus blinder Eifersucht 15 Messerstiche gegen die Ehefrau

Im Boxer-Shirt von Muhammad Ali betritt der Angeklagte Mohamed N. P. den Essener Schwurgerichtssaal, flankiert von Verteidiger Andreas Renschler (r.) und Dolmetscher Abdulsame Safi. Dem Angeklagten wird versuchter Mord vorgeworfen, weil er auf seine Ehefrau eingestochen haben soll.

Foto: Knut Vahlensieck

Im Boxer-Shirt von Muhammad Ali betritt der Angeklagte Mohamed N. P. den Essener Schwurgerichtssaal, flankiert von Verteidiger Andreas Renschler (r.) und Dolmetscher Abdulsame Safi. Dem Angeklagten wird versuchter Mord vorgeworfen, weil er auf seine Ehefrau eingestochen haben soll. Foto: Knut Vahlensieck

Tagsüber und vor den Augen vieler Schüler stach Mohamed N. P. in Burgaltendorf aus Eifersucht auf seine Frau ein. Jetzt steht er vor Gericht.

Hinterhältig und aus blinder Eifersucht soll der 35 Jahre alte Mohamed N. P. am 8. Juli in Burgaltendorf auf seine Ehefrau eingestochen haben. 15 Mal verletzte er sie mit einem Messer, zahlreiche Schüler an einer benachbarten Haltestelle sahen zu. Seit Freitag muss sich der Angeklagte wegen versuchten Mordes vor dem Schwurgericht verantworten. Die 28 Jahre alte Frau hatte die Tat dank einer Notoperation im Kupferdreher Krankenhaus überlebt.

2011 hatten der Fabrikarbeiter und die Kindergärtnerin im Iran geheiratet, drei Jahre später kam ihr Sohn zur Welt. Gemeinsam entschloss sich das Ehepaar, Anfang 2016 nach Deutschland zu fliehen. Sie lebten in der Zeltunterkunft für Asylbewerber in Burgaltendorf.

Ehemann war eifersüchtig auf den Dolmetscher

Doch hier gab es Streit. Eifersüchtig soll der Angeklagte geworden sein. Er habe vermutet, dass seine Frau mit einem anderen Mann ein Verhältnis habe. Laut Anklage hat dieser Mann sie aber nur als Dolmetscher bei Behördengängen begleitet.

Am 1. Juli kommt es in dem Zimmer der kleinen Familie zu ersten Streitigkeiten und Verletzungen. Der Angeklagte soll seiner Frau mehrfach in den Arm gebissen und ihr den Rücken verkratzt haben. Das hatte Konsequenzen. Das Paar wurde getrennt, er bekam ein anderes Zimmer zugewiesen.

Zur Versöhnung kam es wohl nicht mehr. Am 8. Juli fährt die Frau mit dem Bus in die Essener City, trifft dort auf ihren Mann, der ihr wohl unbemerkt gefolgt war. Mit dem Bus geht es zurück zur Asylbewerberunterkunft, an der Burgruine steigen sie aus.

Mohamed N. P. rief "Kill me" und stach sich in den Hals

Laut Anklage weist der Angeklagte seine Frau an, sie solle mit dem Kinderwagen, in dem der eineinhalb Jahre alte Sohn sitzt, gefälligst ein paar Schritte vor ihm gehen.

Sie folgt der Aufforderung. Plötzlich, so ihre Aussage, spürt sie von hinten einen Schlag. Sie kann die Aktion zunächst nicht zuordnen. Schließlich bricht sie blutüberströmt zusammen, getroffen von 15 Messerstichen, entsetzt beobachtet von zahlreichen Passanten. Es ist 11.15 Uhr, ein Freitag.

Doch die schrecklichen Szenen sind noch nicht beendet. Der Angeklagte, so heißt es weiter in der Anklageschrift, setzt sich gegen seine Festnahme zur Wehr. Er soll mit dem Messer Wachleute und Polizisten bedroht und sich schließlich auf ein Feld in der Nähe zurückgezogen haben. Und er soll versucht haben, sich mit dem Messer selbst zu töten. Mehrfach sticht er sich in den Hals, ein Stich verletzt sogar die Halsschlagader. Immer wieder soll er „Kill me“ („Tötet mich“) gerufen haben.

Aber die Polizei reagiert souverän. Das angeforderte SEK überwältigt den Mann. Mit seinen schweren Verletzungen kommt auch er ins Krankenhaus.

Staatsanwältin: „Heimtücke und niedrige Beweggründe“

Zu den Vorwürfen sagt er am Freitag nichts, er will sich aber beim nächsten Mal äußern. Am ersten Prozesstag wird nur die Anklage verlesen, weil zwei Gutachter aus terminlichen Gründen nicht erschienen sind, erklärt Richter Andreas Labentz frühzeitig.

Wie die Staatsanwaltschaft die Bluttat am hellichten Tag vor den Augen vieler Passanten einordnet, lässt nach geplant fünf Verhandlungstagen einen hohen Strafantrag erwarten. Denn Staatsanwältin Valeria Sonntag liest die Mordmerkmale vor. Die Tat sei „aus Heimtücke und aus niedrigen Beweggründen“ erfolgt.

Seite
Das könnte Sie auch interessieren
Leserkommentare (5) Kommentar schreiben