Nationalismus

Konflikt zwischen Türken und Kurden erreicht Duisburg

Die Mitglieder der aus den Niederlanden stammenden Straßengang tragen Kutten, um ihre Zusammengehörigkeit zu demonstrieren.

Foto: FUNKE Foto Services

Die Mitglieder der aus den Niederlanden stammenden Straßengang tragen Kutten, um ihre Zusammengehörigkeit zu demonstrieren. Foto: FUNKE Foto Services

Duisburg.  Die türkisch-nationalistische Turan-Straßengang ist jetzt auch in Duisburg aktiv. Wofür der Verein steht und wie die Behörden ihn einschätzen.

Der Demo-Zug, der am Ostersamstag durch Hochfeld marschierte, hatte etwas Martialisches an sich: Teils in Kutten gekleidet liefen rund 400 türkische Nationalisten durch den Stadtteil, um gegen die kurdische PKK und für die Sicherheitspolitik des türkischen Staates zu demonstrieren. Nicht die einzige Demo, mit der versucht wird, den türkisch-kurdischen Konflikt nach Deutschland zu tragen.

Während bei einem ähnlichen Protestmarsch in Aschaffenburg am Ostersonntag Kurden und Türken die Polizei stundenlang in Atem gehalten hatten, blieb es in Duisburg glücklicherweise nur bei kleineren Zwischenfällen. Nach gegenseitigen Provokationen war es während des Umzuges auf der Wanheimer Straße zu Zusammenstößen der Demonstranten mit rund 20 Kurden gekommen. Die Polizisten setzten Pfefferspray ein, um die beiden Gruppen zu trennen. Zwei Personen aus beiden Lagern wurden vorläufig festgenommen und aufs Präsidium an der Düsseldorfer Straße gebracht. Dorthin waren am frühen Abend auch etliche Demo-Teilnehmer gezogen. Um weitere Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden zu vermeiden, stand die Bereitschaftspolizei parat.

Da das Tragen von Kutten bei Versammlungen verboten ist, hatte die Polizei während der genehmigten Demo zur Auflage gemacht, dass nur der Vorstand eine Kutte tragen durfte, die übrigen Teilnehmer mussten diese während der Demo ausziehen. Verstöße gegen diese Auflage habe es keine gegeben, so ein Polizeisprecher.

Niederländischer Verein hat bereits mehrere Ableger in NRW

Wer ist dieser Verein eigentlich, der da am Osterwochenende durch Hochfeld gezogen ist? Die Gruppierung selbst stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Unter anderem in Eindhoven, Amsterdam und im Gelderland, dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet, gibt sich die Turan-Bewegung als „Kulturverein“. Um ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu demonstrieren, trügen die Mitglieder Kutten und träten wie eine Straßengang auf, so Wolfgang Rademacher, Sprecher des Verfassungsschutzes in NRW. Ableger gibt es unter anderem in Moers, Krefeld, Köln und Dortmund.

Der Verein selbst gibt vor, unpolitisch zu sein und nur benachteiligte türkische Jugendliche etwa durch Hausaufgabenhilfe oder sportliche Angebote fördern zu wollen. Eigentliches Ziel ist aber ein politisches, nämlich ein Großreich aller Turkvölker von Zentralasien bis zum Balkan. Das identische Ziel verfolgen auch die „Grauen Wölfe“, die der Verfassungsschutz bereits seit einigen Jahren unter Beobachtung hat.

Sicherheitsbehörden haben Rechtsnationalisten im Blick

Der hiesigen Polizei ist der Duisburger Ableger erst seit wenigen Tagen bekannt - dementsprechend dünn sind noch die Erkenntnisse zu den Protagonisten, die sich beim Verein angeschlossen haben. Der offizielle Eintrag ins Vereinsregister ist auf den 17. März 2016 datiert, gleichwohl sind die Mitglieder in den sozialen Netzwerken schon seit Oktober 2015 aktiv. In den Beiträgen der Facebook-Seite Turan Duisburg e.V. sind häufig junge Männer in Kutten zu sehen, die das Wolfs-Symbol zeigen und der Schlachtruf „Hedef Turan“ - zu deutsch „Das Ziel ist Turan“ - also das Großreich - zu lesen. Weiteres Symbol der Bewegung sind drei ineinander verschlungene Halbmonde - dieses Signet ist verwandt mit den Logo der rechtsextremen türkischen Partei MHP.

Wie politisch der neue Duisburger Verein agiert, wurde auch während der Demo in Hochfeld deutlich. Immer wieder war eine bei Nationalisten und den "Grauen Wölfen" beliebte Parole gegen die kurdische PKK zu hören: "Sehitler ölmez, Vatan bölünmez." Das bedeutet übersetzt: "Die Märtyrer sind unsterblich, das Vaterland ist unteilbar". Dann fallen Beleidigungen gegen "Apo", so wird Kurdenführer Abdullah Öcalan auch genannt. Auch das Handzeichen der „Grauen Wölfe“ wurde gezeigt. Die Mitglieder des Vereins wollen das aber nicht als politische Äußerung verstehen sondern als simples Zeichen für Nationalbewusstsein.

Die deutschen Sicherheitsbehörden jedenfalls haben die rechtsnationalistischen Türken wegen ihrer politischen und rassistischen Betätigung bereits im Blick und würden genau beobachten, wie sich die Vereine entwickeln.

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