Serie: Dellplatz

In Duisburg wohnen, wo andere ihre Freizeit verbringen

Bernd Gerbecks und Ruth Heselmann vor dem uralten Glasfenster.

Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Bernd Gerbecks und Ruth Heselmann vor dem uralten Glasfenster. Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Dellviertel.   Bernd Gerbecks und Ruth Heselmann wohnen in einem denkmalgeschützten Haus am Dellplatz. Sie schätzen die zentrale Lage und die Urbanität.

Bernd Gerbecks und Ruth Heselmann sitzen in ihrer Küche mit Blick in den Garten. Durch das zimmerhohe Fenster fällt das Licht in den Raum, warme Holzdielen, hohe Decken, am Ende des Raumes ein Kamin mit einem langen Ofenrohr, Sessel und Bücher davor. „Wir waren beide begeistert von dem Haus“, sagt Ruth Heselmann. Sie sei sofort in das Haus verliebt gewesen. Seit vier Jahren wohnen der 65-Jährige und die 56-Jährige in dem denkmalgeschützten Haus nahe des Dellviertels. Umziehen wollen sie nicht mehr, brauchen sie nicht mehr. Es ist ihres.

Im Sommer, sagen die beiden, wird der Dellplatz mit Leben gefüllt. Draußen sitzen die Leute, reden miteinander, Studenten aus den anliegenden Studentenwohnheimen, Menschen aus anderen Regionen. „Der Dellplatz ist besonders im Sommer schön, wenn die Tische draußen stehen. Wir sind beide Menschen, die gerne in der Stadt leben.“ Zu lebhaft dürfe es nicht sein – aber auch nicht zu ruhig. Eben ein Ort wie der Dellplatz.

Glück gehabt: Weltkriegsbombe zündete nicht

Lange bevor das Paar vom Wasser- ins Dellviertel zog, wurde das Haus errichtet. 1886, gerade mal zwanzig Jahre nach der ersten Erwähnung des „Neumarkts“, heute Dellviertel, wurde das Gebäude errichtet. Im Zweiten Weltkrieg donnerte eine Bombe ins Nachbarhaus, detonierte aber nicht, erzählt Bernd Gerbecks. Ein Glück. Die Häuser zählen zu den wenigen, die den Zweiten Weltkrieg am Dellplatz überstanden haben. Ein zweites Glück war, dass das Paar das Haus bekam: Auf einer Internetseite hatten sie das Haus gefunden – genauso wie über 50 andere Interessenten. Nach der Besichtigung bekamen Gerbecks und Heselmann den Zuschlag.

Im Treppenhaus sieht man den Himmel

Das Treppenhaus ist heute noch erhalten, spiralförmig führen die Stufen bis in die dritte Etage. Steht man im Erdgeschoss, kann man geradewegs nach oben sehen und in den Himmel – oben ist ein Fenster eingelassen.

Wenn man im Flur steht, hat man eine Besonderheit bereits übersehen. Direkt hinter der Tür ist die Decke mit Stuck verziert. Bei den umfangreichen Renovierungsarbeiten habe man die Verzierung entdeckt. Die Decken seien vorher abgehangen gewesen, erzählt Bernd Gerbecks. Es blieb nicht die einzige Überraschung. Ebenfalls im Flur entdeckte ein Handwerker einen Hohlraum. Dahinter verbarg sich ein altes Fenster im Stil eines Kirchenfensters. Aus Mosaikteilen ist eine Figur zusammengesetzt, Lilien sind zu sehen. Der obere Teil fehlt. „Das Haus hat noch ein paar Geheimnisse“, sagt der 65-Jährige.

Zur Straße gelegen befinden sich die beiden Arbeitszimmer, wieder große, helle Räume, eine Stuckbehangene Decke in dem einen Raum. Die oberen Wohnungen haben die beiden Duisburger vermietet. Sie sind ähnlich aufgebaut.

Sorgen um ein Trinkverbot in der Innenstadt

Das Dellviertel ist urbaner, findet Ruth Heselmann. Die Nähe zur Innenstadt, zum Kino, zum Kantpark, das habe den Ausschlag gegeben. Dennoch könne am Dellplatz mehr los sein, vor allem auf der Fläche. „Der Platz könnte besser gestaltet werden. Das Ensemble ist schön, aber der Platz ist leblos“, findet die 56-Jährige den Dellplatz „sehr vernachlässigt“. „Wir fänden es gut, wenn sich da noch mehr entwickeln würde.“

Doch gerade treibt Heselmann das Trinkverbot in der Innenstadt um. Sie fürchtet, dass sich die Szene auf den Dellplatz verlagert. „Im Sommer spielen doch auch Kinder auf dem Platz“. Das Verbot empfindet sie als willkürlich. „Dadurch werden die Probleme auch nicht gelöst.“

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