Jahreswechsel

Gefährliche Querschüsse durch Silvester-Raketen

Auch Julia, Aline, Julian, Svenja und Jana begrüßten das Neue Jahr. Sie feierten am Innenhafen, der nach Mitternacht mit Raketen hell beleuchtet war. Für etliche Duisburger endete die Böllerei aber im Krankenhaus.

Foto: Stephan Eickershoff

Auch Julia, Aline, Julian, Svenja und Jana begrüßten das Neue Jahr. Sie feierten am Innenhafen, der nach Mitternacht mit Raketen hell beleuchtet war. Für etliche Duisburger endete die Böllerei aber im Krankenhaus. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Duisburg feierte den Jahreswechsel weitgehend friedlich. Die Polizei zählte 230 Einsätze. Die Feuerwehr löschte 30 Brände.

Frostig kalt war die Duisburger Silvesternacht. Während die Polizei trotz ihrer 231 Einsätze, über 30 Anzeigen und drei verletzten Beamten von einer „eher ruhigen“ Nacht sprach, erlebte die Feuerwehr einen heißen Jahreswechsel mit 30 Bränden und 80 Rettungsdiensteinsätzen. Dramatisch ein Wohnungsbrand an der Duisburger Straße in Neumühl, wo zehn Bewohner mit Drehleitern gerettet werden mussten.

Die farbenfrohe Silvesternacht hatte allerdings ihre schlimmen Schattenseiten: So wurde die Feuerwehr in Homberg auf der Fahrt zu einem Brand an der Otto-straße „massiv mit Raketen und Böllern beschossen“, so ein Feuerwehrsprecher. „Bitte werfen Sie keine Böller auf die Rettungskräfte“, postete der Homberger Löschzug noch in der Nacht.

In Huckingen warfen Chaoten einen Böller durch die offene ­Seitenscheibe eines Rettungswagens. Der Feuerwerkskörper explodierte im Fahrzeug und verletzte einen Mann. Bei einem Streifenwagen blieb es nach einem Bewurf mit Böllern auf der Moerser Straße gegen ein Uhr bei einer beschädigten Seitenscheibe.

Etliche Raketenzündler bezahlten ihre Unvernunft mit schwersten Verletzungen. Die Polizei beziffert ihre Zahl auf 26, meist wegen des falschen Umgangs mit Feuerwerkskörpern. Laut Feuerwehr musste ein Dutzend Personen mit schweren Augenverletzungen und Verletzungen an Händen und Armen in Kliniken gebracht werden. Sogar Amputationen mussten die Unfallchirurgen vornehmen.

Randalierer biss Polizisten in die Hand

Allein 96 Mal musste die Polizei in der ersten Stunde des neues ­Jahres ausrücken. In vier Fällen ­randalierten betrunkene Nachtschwärmer und griffen Polizeibeamte an. Sie bekommen jetzt Anzeigen. ­Dazu kommen 15 weitere Anzeigen wegen Körperverletzung und 12 Anzeigen wegen Sachbeschädigungen. Mit mehreren Streifenwagen musste die Polizei bei einer Silvesterparty auf der Rheinbacherstraße in Beeckerwerth schlichten, die aus dem Ruder gelaufen war. Ein Polizist verletzte sich bei der Schlichtung eines Familienstreites auf der Kurfürstenstraße so schwer am Knie, dass er nicht mehr dienstfähig war. Kurz zuvor erlitt ein Polizist bei der Festnahme eines 18-Jährigen Blessuren, der betrunken in einem Flüchtlingsheim an der Königstraße eine Mitbewohnerin mit dem Messer bedroht hatte. Mit einem Biss in die Hand eines Polizisten „bedankte“ sich ein 20-Jähriger, der auf dem Heckenweg in Wehofen mit stark blutendem Arm randaliert hatte.

Feuerwehr rettete zehn Bewohner mit der Drehleiter

Nachts gegen vier Uhr begann der letzte Großeinsatz der Feuerwehr nach einer ohnehin schon einsatzreichen Silvesternacht. An der Duisburger Straße in Neumühl brannte es lichterloh in einer Erdgeschoss-Wohnung eines mehrstöckigen Wohnhauses, als die alarmierten Einsatzkräfte zunächst mit drei Löschzügen anrückten. Was in einer nächtlichen Katastrophe hätten enden können, verlief noch halbwegs glimpflich, weil die Mieter rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnten und nicht im Schlaf überrascht wurden.

Zehn Bewohner rettete die Feuerwehr über Drehleitern aus dem völlig verqualmten Gebäude. 14 Personen erlitten eine Rauchgasvergiftung, darunter vier Kinder. In einer nahe gelegenen Tankstelle wurden die Verletzten im Warmen ärztlich versorgt, betreut und teils danach in Krankenhäuser gebracht. Aus der Brandwohnung, die komplett durch das Feuer zerstört wurde, konnte die Feuerwehr auch einen Hund retten. 70 Kräfte von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr sowie der Rettungsdienst waren in Neumühl im Einsatz, der nach knapp anderthalb Stunden beendet war. Die Kripo nahm noch in der Nacht die Ermittlungen zur Brandursache auf.

Der Silvesterdienst der Feuerwehr hatte zunächst noch ruhig begonnen. Müll und Kleidercontainer hatten gebrannt, einige vermutlich wegen hineingeworfener Böller. Gegen 19 Uhr hatte NRW-Innenminister Ralf Jäger der Hauptfeuerwache in Duissern einen Besuch abgestattet. Am Ende der Nacht hatte die Feuerwehr zwischen null Uhr und 5.30 Uhr 30 Brandeinsätze und 80 Rettungseinsätze absolviert.

Durch Feuerwerkskörper wurden mehrere Feuer verursacht. Neben Pkw-, Müllcontainer- und Gestrüppbränden kam es in Homberg auf der Ottostraße 58 und 64 in den Hochhäusern zeitgleich zu Bränden auf Balkonen. In einem der Hochhäuser loderten Flammen in der 18. Etage, in dem anderen Wohnturm brannte es in der 9. Etage. Zwei Bewohner kamen verletzt ins Krankenhaus. Dort wie auch später in Neuenkamp hatten Silvesterraketen die Balkone in Brand gesetzt.

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