Literatur und Fussball

Wie Autor Ralf Koss Absturz und Aufstieg seines MSV erlebte

Autor Ralf Koss (55) stellte beim Besuch der Redaktion sein neues MSV-Buch „Mehr als Fußball“ vor. Es blickt darin auch auf eine Krise, die den Verein und seine Fans wieder zusammenschweißte.

Foto: Stephan Eickershoff

Autor Ralf Koss (55) stellte beim Besuch der Redaktion sein neues MSV-Buch „Mehr als Fußball“ vor. Es blickt darin auch auf eine Krise, die den Verein und seine Fans wieder zusammenschweißte. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Autor Ralf Koss, alias Kees Jaratz, stellt sein neues MSV-Buch vor. Es widmet sich den zwei Jahren zwischen drohendem Absturz und dem Aufstieg.

Zwischen der Rettung vor dem Absturz in die sportliche Bedeutungslosigkeit und dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga lagen für die Fußballer des MSV Duisburg und ihre treue Anhängerschaft gerade einmal zwei Jahre. Den aufwühlenden Ereignissen zwischen dem drohenden Lizenzentzug im Sommer 2013 und der Jubelparty im Mai 2015 widmet sich Autor Ralf Koss in seinem neuen Buch, das soeben erschienen ist. Und weil er den Fokus auf eine Geschichte des Gelingens für den Verein, die Stadt und ihre Menschen gelegt hat, trägt das Werk auch völlig zu Recht den Titel „Mehr als Fußball“.

Ralf Koss ist in der Duisburger Fanszene eine bekannte Größe. Unter dem Pseudonym Kees Jaratz verfasst er seit achteinhalb Jahren einen Internet-Blog (www.zebrastreifenblog.wordpress.com). Im Schnitt klicken 6000 Neugierige pro Monat auf die Seite, um die Beobachtungen und Schilderungen von Koss mit zu verfolgen.

Es ist sein siebtes Buch über seinen MSV Duisburg

„Ich habe immer versucht, meine Texte so zu schreiben, dass sie über den tagesaktuellen Anlass hinaus von Bedeutung bleiben“, erklärt Koss. Einige dieser Texte dienten ihm quasi als Korsettstangen für sein neues Buch. Es ist sein insgesamt siebtes, aber das erste über seinen Herzensverein – den MSV. „Den kompletten Abschnitt über die Rettung musste ich aber neu schreiben“, so der Autor. Und die Komplexität dieses Sachverhalts habe er unterschätzt. Deswegen erscheint sein Werk nun auch ein Jahr später als geplant auf dem Markt – aber noch rechtzeitig zu diesem Weihnachtsgeschäft.

Zahlreiche Interviews führte Koss zu Recherchezwecken – darunter jene mit einstigen und aktuellen Vereinsverantwortlichen wie Udo Kirmse, Bernd Maas, Ingo Wald oder Andreas Rüttgers. Am meisten beeindruckt hat ihn aber das Gespräch mit Andreas Kuklinski. Er zählte zu den Organisatoren des Fanmarsches, an dem über 6000 MSV-Fans teilnahmen, als der Lizenzentzug so gut wie besiegelt schien und die Anhängerschaft ein positives, Hoffnung spendendes Signal aussenden wollten.

„Kuklinski ist im Alltag Lkw-Fahrer. Er hat in diesem entscheidenden Moment Verantwortung übernommen und zählte zu den treibenden Kräften, die die Fanszene mobilisiert haben“, lobt Koss einen der stillen Helden.

Herausgekommen ist am Ende der anderthalbjährigen Schaffenszeit „nicht nur eine spannende Geschichte über den MSV, sondern auch über diese Stadt und ihre Menschen“, betont Koss. Es ist seine subjektive und in einigen Punkten stark komprimierte Sicht auf die Dinge, die er da aufgeschrieben hat. Im Moment der schlimmsten Krise sei eine positive Energie im Vereinsumfeld entstanden, „die uns letztlich zwei Jahre später zum Aufstieg getragen hat“, so Koss.

MSV-Buch wurde mit Crowdfunding finanziert

Zurück in der Normalität des Alltags würden aber viele Fans die Besonderheit und den positiven Geist dieser Tage verdrängen. Mit seinem Werk will Koss sie am Leben halten. „Das Erlebte muss man wertschätzen. Daraus lässt sich die Energie entwickeln, um weiter positiv nach vorn zu blicken und in Krisenzeiten wieder das nötige Engagement zu entwickeln.“

Sein Buch hat er quasi selbst verlegt. Per Crowdfunding sammelte Koss rund 8000 Euro ein, die für die Produktionskosten nötig waren. Der Druck und das Layout klappte dank freundlicher Unterstützung von MSV-Fans. Und Koss hofft, dass die Startauflage von 1000 Exemplaren zügig über die Ladentheken geht. Verdient wäre es. „Denn Duisburg erzählt so wenig positive Geschichten über sich“, so Koss. Dies ist eine.

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