Stalking

Bei Telefonterror ist die Grenze zur Straftat fließend

Geht das schon wieder los? Wenn belästigende Anrufe zu massiv werden, sollten die Betroffenen darüber Buch führen, um die Auswirkungen auf ihr Leben belegen zu können, rät der Weiße Ring.

Foto: Ute Gabriel / FUNKE Foto Services

Geht das schon wieder los? Wenn belästigende Anrufe zu massiv werden, sollten die Betroffenen darüber Buch führen, um die Auswirkungen auf ihr Leben belegen zu können, rät der Weiße Ring. Foto: Ute Gabriel / FUNKE Foto Services

Duisburg.   Wenn Menschen zum Ziel von Telefonterror werden, sind die Gründe oft nicht nachvollziehbar, die Folgen für das Privatleben aber gravierend.

Die Anrufe kamen in unregelmäßigen Abständen, zwei bis drei Mal in der Woche über Monate. „Und nie meldete sich jemand“, erzählt Heinz Wach. Auch dann nicht, wenn seine Frau Waltraud zum Hörer griff. Nervtötend und auch unheimlich.

Das Ehepaar hatte damals noch ein älteres Telefon ohne Display, die Nummer wurde nicht angezeigt. Irgendwann reichte es den beiden, sie kauften sich ein neues Modell – und warteten auf die nächsten mysteriösen Anrufe. Es dauerte nicht lange. Und wieder war gar nichts zu hören am anderen Ende der Leitung. Doch diesmal konnte Heinz Wach die Nummer, eine Handy-Nummer, notieren. Er ließ seinen Sohn zurückrufen. Und schnell ist klar, dass eine ältere ihm bekannte Dame hinter den Anrufen steckt.

Warum sie diesen Telefon-Terror machte, weiß der Duisburger bis heute nicht. Er ließ die Nummer sperren und ging zur Polizei. „Dort hat man mir aber nur gesagt, dass es sich um keine Gesetzeswidrigkeit handelt. Ich solle mir am besten eine andere Nummer besorgen.“

Manfred Kaufeld kennt solche Fälle. Bis zu zehn gebe es im Jahr, sagt der frühere Polizeibeamte, der seit zehn Jahren ehrenamtlicher Außenstellenleiter des Weißen Rings in Duisburg ist. Und er erlebe im Vergleich zum Duisburger Ehepaar noch heftigere und massivere Belästigungen. Die Grenzen zu einer Straftat seien fließend. Oft stelle der Ex-Freund seiner Verflossenen nach – nicht nur mit Anrufen oder SMS. „Dann taucht er plötzlich vor der Haustür oder am Arbeitsplatz auf“, sagt Kaufeld, der den Opfern Tipps geben kann.

Das Umfeld ins Vertrauen ziehen

„Betroffene sollten zuallererst unmissverständlich klar machen, dass man das nicht will, dass das aufhören muss.“ Wenn dies nichts bringe, sollte ein Tagebuch geführt, jeder Vorfall mit Datum und Uhrzeit notiert werden. „Das ist wichtig, sollte es später mal zu einem zivilrechtlichen Verfahren kommen“, so der Experte vom Weißen Ring. „Dann muss der Kläger oder die Klägerin nämlich beweisen, wie stark sein Privatleben durch das sogenannte Stalking beeinträchtigt wird.“

Hilfreich sei es, auch das Umfeld ins Vertrauen zu ziehen. „Freunde, die Hausgemeinschaft, Arbeitskollegen – damit alle ein Auge darauf haben, wenn die entsprechende Person wieder auftaucht“, sagt Kaufeld. „Und Telefonanrufe und SMS sollten am besten gespeichert werden. Bei unbekannten Stalkern gibt es die außerdem noch die Möglichkeit, eine Fangschaltung zu beantragen. Das kostet natürlich Geld.“

Manchmal hilft nur ein Wohnungswechsel

Er habe aber schon einige Fälle erlebt, bei denen per Einstweiliger Verfügung ein Annäherungs- und Kontaktverbot ausgesprochen worden sei. „Nur leiden halten sich die Stalker oft nicht daran und einige Opfer haben sich dann durch einen Wohnungswechsel helfen können.“ Eine drastische Maßnahme.

Das Stalking macht immer etwas mit den Betroffenen. Heinz Wach sagt: „Bei jedem Anruf fragt man sich, ob es jetzt wieder losgeht.“

>>> WEISSER RING BERÄT GEMEINSAM MIT DER POLIZEI BETROFFENE

Manfred Kaufeld vom Weißen Ring in Duisburg ist unter 0203/60 11 331 zu erreichen. Er arbeitet mit der Polizei zusammen, die im Rathaus bei Fragen zur Kriminalprävention und auch zum Opferschutz ( 0203/280 4254) berät.

Die Polizei hatte nach Angaben einer Sprecherin im vergangenen Jahr 37 Fälle von Stalking, zu dem auch Telefon-Terror gehört. 2015 waren es 29.

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