Amerikanisches Nachrichtenportal

Breitbart bezeichnet Berichte über gefälschte Nachrichten als falsch

Polizei auf der Straße Friedhof auf der Nordseite der Reinoldikirche.

Polizei auf der Straße Friedhof auf der Nordseite der Reinoldikirche.

Dortmund.  Mit verfälschten Berichten über die Silvesternacht in der Dortmunder Innenstadt erweckten das amerikanische Internetportal "Breitbart" und der österreichische "Wochenblick" den Eindruck, dass ein "Mob" von 1000 Migranten christliche Kirchen in Dortmund beschossen und in Brand gesetzt habe. Deutsche Medien berichteten über die gefälschten Nachrichten am Montag schlug "Breitbart" zurück.

"Breitbart" ist ein Sprachrohr amerikanischer Rechtspopulisten und unterstützte Donald Trump im amerikanischen Wahlkampf. Der frühere Chef Stephen Bannon ist jetzt Trumps wichtigster Berater. Ein von London aus arbeitender Breitbart-Autor bezeichnete gestern die Berichte namhafter deutscher Medien über die gefälschten Nachrichten ("Fakenews") als falsch. Er kritisierte, dass der Reporter der Ruhr Nachrichten, der in der Silvesternacht in der Dortmunder Innenstadt unterwegs war, der Breitbart-Redaktion bei deren Arbeit nicht assistiert habe.

Unser Redakteur erhielt in den Tagen nach den Berichten über die Silvesternacht in Dortmund zahlreiche Anfragen von Journalisten. Jedoch nicht aus der Breitbart-Redaktion. Auch die österreichische Wochenschau verzichtete auf das, was Journalismus ausmacht - auf Recherche.

Sachschaden: 200 Euro

Beide Portale verbreiteten die Nachricht von einem wütenden Mob, der "Allahu Akbar" rufend die Reinoldikirche beschossen und in Brand gesetzt haben soll. Wie berichtet, dauerte der Feuerwehreinsatz von der Ankunft bis zur Abfahrt zwölf Minuten, nachdem sich eine Silvesterrakete in zwei Fangnetzen am Baugerüst der Reinoldikirche verfangen hatte. Sachschaden: 200 Euro. Das wurde zu einem Brandanschlag aufgebauscht. Recherche-Anrufe der "Fakenews"-Produzenten erhielt auch die Dortmunder Feuerwehr nicht.

"In diesem Stil gefälschte Nachrichten sind gefährlich, weil sie in eine Zeit fallen, in der der klassische Journalismus in der Defensive ist und die Menschen andere Quellen heranziehen. Ein Problem dabei ist, dass bei den über Facebook und Twitter verbreiteten Nachrichten nicht mehr zwischen sauber recherchiertem Journalismus und journalistisch getarnten Kampagnen-Plattformen unterschieden wird", kommentierte der Dortmunder Politikwissenschaftler Professor Dierk Borstel die "Fakenews"-Debatte. Die Empörung im Internet über den "Migranten-Mob" war groß. Sogar ein Brandanschlag auf die Liebfrauenkirche wurde hinzugedichtet.

Nicht allein auf Facebook und Twitter zu vertrauen

Die Verselbstständigung von Lügen sei ein "ganz großes Problem für die Demokratie", so Borstel. Dabei komme es nicht darauf an, ob die Lüge eine erfundene Brandstiftung oder eine Vergewaltigung sei - sie müsse nur ins Weltbild passen, dann werde sie als Wahrheit empfunden und verbreitet. Borstel rät daher dazu, nicht allein auf Facebook und Twitter zu vertrauen, sondern mehrere Quellen zu nutzen. Er bedauert, dass sich die junge Generation kaum noch über klassische Medien informiere. "Das sehe ich täglich bei meinen Studenten."

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